Für die meisten Schweizer beginnt die Geschichte mit den Pfahlbauern, Kelten oder Römern. Die altsteinzeitlichen Fundstätten sind bei uns weniger im Bewusstsein verankert als etwa in Spanien oder Frankreich. So ist es auch nicht verwunderlich, dass zwei Prähistoriker und ein anthropologisch interessierter Pädagoge die Idee hatten, das Paläolithikum, also die Altsteinzeit, ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Immerhin umfasst diese Epoche die Zeit von 2,5 Millionen bis 10'000 Jahre vor Christus. Der Name Steinzeit bezieht sich auf die systematische Herstellung von Steinwerkzeugen, die für die Hominisation, die Menschwerdung, von entscheidender Bedeutung war.

Schon als Jugendlicher Steinzeitfan

Ingmar M. Braun interessierte sich bis zu seinem 15. Lebensjahr vor allem für die Römer, bis ihn seine Mutter in den Périgord mitnahm, wo er für die Höhlenmalereien der Menschen der jüngeren Altsteinzeit Feuer fing. «Es war so etwas wie eine Konversion», sagt Braun. Bereits mit
22 Jahren entdeckte er in Bettingen einen Faustkeil – es war der fünfte derartige Fund in der Schweiz. In Basel studierte er Ur- und Frühgeschichte mit dem Schwerpunkt Altsteinzeit und spezialisierte sich auf die Eiszeitkunst, die Höhlen- und Kleinkunst. Braun arbeitete unter anderem in diversen Museen im In- und Ausland als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Trio von einem Gedanken beseelt

Noch im Studium lernte er den aus der Tschechoslowakei stammenden Levente Liptay kennen, der ebenfalls in Basel studierte, sich aber mehr für die Anthropologie und Fragen der menschlichen Evolutionsgeschichte interessierte. Als noch der Erwachsenenbildner Christoph Heinrichs dazustiess, war ein Trio beisammen, das von demselben Gedanken beseelt war: Sie wollten die ältere Urgeschichte und die Kulturanthropologie möglichst anschaulich vermitteln.

«In Basel gibt es in keinem grösseren Museum eine Dauerausstellung über die Urgeschichte», sagt Braun, und dies, obwohl es in der Schweiz und speziell im Raum Basel wichtige Fundorte gebe. Dazu gehören die Funde in der Ermitage in Arlesheim, aus dem Kaltbrunnental oder bei Nenzlingen. «Das Bedürfnis, etwas über diese sehr lange Periode der Menschheitsgeschichte zu erfahren, ist gross, aber die Fachliteratur ist eher schwer verständlich», erklärt Ingmar M. Braun. Damit das Angebot attraktiv ist, sind die Programme interdisziplinär aufgebaut.

Während sich Braun eher auf die kulturelle Hinterlassenschaften und Entwicklung konzentriert, erörtert Levente Liptay die biologische Evolution des Menschen. Christoph Heinrichs versteht es, die anthropologischen Debatten der letzten Jahrzehnte zusammenzufassen. Gerade in der Frage, was den Menschen ausmacht, ist vieles im Fluss. Die Grenzen zwischen Tier und Mensch scheinen seit der Einsicht in die Bewusstseinsstrukturen von Tieren zu verschwimmen.

Als die Gesellschaft gleicher war

In den Fragen der Hominisation ändern sich Hypothesen oft von Jahr zu Jahr, je nach neuen Funden. So haben die «Schöninger Speere», die ältesten bisher vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt (Datierung: 400'000 – 270'000 vor Christus) das Bild der kulturellen Entwicklung des frühen Menschen stark verändert.

Levente Liptay erklärt: «Der damalige Mensch war noch nicht sesshaft, er war Jäger und Sammler und eins mit der Natur. Die Gesellschaft war egalitär. Erst in der Jungsteinzeit machte sich der Mensch die Natur untertan. Jetzt begannen auch Hierarchisierung und kriegerische Auseinandersetzungen.» Und etwas pessimistisch fügt er hinzu: «Eigentlich sind wir heute auf dem Weg zurück zur Schimpansenhorde mit ihren klaren Hierarchien.»

Einsichten für die Selbsterkenntnis

Für die Selbsterkenntnis des modernen Menschen ist der Einblick in die Urgeschichte also enorm wichtig. Fundamentalisten aus allen drei monotheistischen Religionen sehen es als Kränkung an, dass sie ihre Stammeltern mit Schimpansen und Gorillas teilen sollen. Das zeigt, dass die Unterscheidung von Logos und Mythos auch in den Kirchen nicht durchgängig erklärt worden ist.

Es belegt auch die Verunsicherung bezüglich der Frage, was das Menschsein überhaupt ausmacht. Notfalls zieht man sich hier eher auf einfache dogmatische Antworten zurück, als sich der Komplexität der Materie zu stellen. In diesem Klärungsprozess können die beiden Kurse der drei engagierten Wissenschafter hilfreich sein.