Nicht ganz überraschend, aber passend führte die diesjährige Mitgliederreise von Basel Tourismus nach Mailand: Die norditalienische Metropole ist aus Basler Sicht eine sehr spannende Destination: Vor allem natürlich wegen der seit dem 1. Mai laufenden Weltausstellung Expo, an der sich Basel gemeinsam mit den Städten Zürich und Genf im Schweizer Pavillon präsentiert.

Hier Werbung für Basel zu machen, lohnt sich derzeit besonders: 2017 wird der Gotthard-Basistunnel eröffnet; damit verkürzt sich die Fahrzeit per Bahn zwischen der Deutschschweiz und Norditalien um rund eine Stunde. Auch für Basel würden sich dadurch touristisch und wirtschaftlich neue Möglichkeiten ergeben, ist Sabine Horvath, Leiterin des Standortmarketings beim Kanton Basel-Stadt, überzeugt.

Italien ist die Nummer zwei

Die Bedeutung, aber auch das Potenzial Mailands und Norditaliens für die Schweiz wird in der Region Basel oft unterschätzt. Der Schweizer Generalkonsul in Mailand, Massimo Baggi, führte dies am Galadinner von Basel Tourismus eindrücklich vor Augen: Nach Deutschland ist nicht etwa Frankreich, wie wohl viele denken, der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Nein, es ist Italien. Allerdings spielt sich 70 Prozent dieses Handels mit der Lombardei ab – dies unterstreicht die herausragende Bedeutung Mailands. In Baggis Konsulat sind zudem 3300 Schweizer gemeldet, die in Norditalien leben und arbeiten. Eine eindrückliche Zahl.

Angesichts dieser engen Verbindungen wurden für die Expo hohe Ziele gesteckt: Baggi rechnet mit zwei Millionen Besuchern aus der Schweiz. Reichlich optimistisch, wie einige der zuhörenden Basler kommentierten. An der Expo – Thema ist die nachhaltige Ernährung der Weltbevölkerung – stand für die Mitglieder naturgemäss der Schweizer Pavillon im Zentrum des Interesses. Dieser stiess, wie schon in den Medien, auf gemischte Reaktionen: Die nüchternen, zwölf Meter hohen und grauen Holztürme wirken angesichts architektonisch kühner Entwürfe anderer Länder auf den ersten Blick nicht sehr einladend.

Mehrheitlich gelobt wurde indessen das Ausstellungskonzept «Confooderatio Helvetica». In den Holztürmen werden aus gestapelten Schachteln Müsterchen von wasserlöslichem Kaffee, Apfelringli und Salz verteilt; zudem gibt es Gratis-Trinkwasser. Man darf so viel mitnehmen, wie man will, behält dabei aber – so zumindest die Intention – die Bedürfnisse der nachfolgenden Besucher im Hinterkopf. Auf dem Rundgang von Basel Tourismus gab es bereits keine Apfelringli mehr, die begehrten Trockenfrüchte wurden zuvor offenbar kistenweise abtransportiert. Etwas ärgerlich für die Basler Besucher, aber ein eindrücklicher Hinweis auf die Endlichkeit unserer Lebensmittelvorräte.

Expo Milano: So sieht es im Schweizer Pavillon aus.

Expo Milano: So sieht es im Schweizer Pavillon aus.

Popeye ist ein Basler

Im Ausstellungsteil «Spirito di Basilea» stiessen die Besucher auf Friedrich Nietzsche und Arnold Böcklin, zwei Basler «Lieferanten» geistiger und sinnlicher Nahrung von Weltrang, sowie auf architektonische Spitzenwerke in der Region. Eine neue Erkenntnis dürfte für viele Besucher die Tatsache sein, dass ein Basler Forscher den Eisengehalt im Spinat entdeckt hat. Die Comic-Figur Popeye darf damit zumindest zur Hälfte als Basler gelten. «Spirito di Basilea» läuft übrigens nur noch bis zum 12. Juni – auf Basel folgen die Städte Zürich und Genf mit ihren Ausstellungen im Schweizer Pavillon.

Die zweitägige Reise von Basel Tourismus mit rund 70 Teilnehmern war zudem gleich zweifach mit einer Derniere verbunden: Zum letzten Mal dabei war Hanspeter Weisshaupt, der an der GV am 9. Juni nach acht Jahren als Präsident abtreten wird. Sein Nachfolger ist der ehemalige Regierungsrat Carlo Conti. Weisshaupt, der zu Beginn der Präsidentschaft die Teilnahme an den Mitgliederreisen wohl eher als Pflicht ansah, fand zunehmend Gefallen an den zweitägigen Reisen – ja, lief zuletzt gar zu Hochform auf, wie seine launigen Reden in Mailand bewiesen.

Die Mitgliederreise nach Mailand sei zudem die letzte in dieser Form gewesen, betonte Basel-Tourismus-Direktor Daniel Egloff. Jährliche, streng dem Kalender folgende Reisen wird Basel Tourismus nicht mehr durchführen, auch deshalb, weil Flugreisen aus Kostengründen nicht mehr infrage kommen. Egloff betonte, dass man den Mitgliedern künftig nach Möglichkeit themenorientierte Reisen per Bahn oder Bus anbiete. Denkbar könnte etwa eine Reise nach Hamburg zur Eröffnung der Elbphilharmonie sein. Diesem Gedanken folgend kann die diesjährige, ebenfalls durchaus themenorientierte Reise zur Expo nach Mailand aber auch als Auftakt und Neubeginn gelesen werden.