Sightseeing
Auf den Spuren des Basler Papstes in die historische Stadt eintauchen

«Habemus Papam – wir sind Papst» heisst der fünfte szenische Stadtrundgang von Basel Tourismus. Schauspieler lassen die Geschichte neu aufleben. Dabei hatten die Macher keine Ahnung, wie aktuell ihr Thema dank des Rücktrittes des Papstes sein würde.

Janine Müller
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Salomé Jantz (r.) als interessierte Studentin stellt Papst Piccolomini (Danny Wehrmüller) unbequeme Fragen.

Salomé Jantz (r.) als interessierte Studentin stellt Papst Piccolomini (Danny Wehrmüller) unbequeme Fragen.

ZVG

Witzig und interessant kommt der neue szenische Stadtrundgang daher, welcher von Basel Tourismus und Schauspieler Danny Wehrmüller auf die Beine gestellt wurde. «Habemus Papam – wir sind Papst» ist bereits die fünfte theatralisch dargestellte Stadtführung, welche ins Leben gerufen wurde. Das Thema der Stadtführung – die Papstwahl – ist momentan an Aktualität kaum zu überbieten. «Der Rücktritt des Papstes ist eine glückliche Fügung für uns. Das ist beste Werbung», ist sich auch Frédéric Pothier, Leiter Tourist Information Basel Tourismus, bewusst.

Doch der Stadtrundgang handelt nicht von den aktuellen Ereignissen im Vatikan, sondern greift die Geschichte von Eneas Silvio Piccolomini zur Zeit der 17-jährigen Basler Konzilzeit zwischen 1431 und 1448 auf. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Universität Basel.

Piccolomini kam 1432 als Begleiter von Kardinal Domenico Capranica für das Konzil nach Basel. Bekannt als Dichter und als Lebemann wurde er 1440 Sekretär des Gegenpapstes Felix V. Denn das Basler Konzil erklärte 1439 Papst Eugen IV. in Rom als abgesetzt. Dem vorausgegangen war ein Zerwürfnis, welches schliesslich zum Bruch führte. Nach einer siebentägigen Konklave im Haus zur Mücke am Schlüsselberg, welche aus dem Erzbischof von Arles, elf Bischöfen, sieben Äbten und 14 Theologen bestand, wurde Herzog Amadeus von Savoyen zum Gegenpapst gewählt. Damit wurde Basel nebst Rom und Avignon ebenfalls zu einer Papststadt.

Herzog Amadeus von Savoyen wurde dann am 26. Juli 1440 als Papst Felix V. gekrönt und Piccolomini wurde sein Sekretär. Doch: Wie eine Fahne im Wind wechselte er die Seiten und wurde Sekretär in Wien bei König Friedrich III., welcher den römischen Papst Eugen IV. weiterhin unterstützte. Damit begann auch Piccolominis Aufstieg zum Papst, obwohl er verheiratet und Vater von neun Kindern war.

Der szenische Stadtrundgang verpackt diesen spannenden Teil Basler Geschichte in einen Dialog zwischen den Zeiten. Die Studentin Tanya (gespielt von Salomé Jantz) trifft auf den späteren Papst Piccolomini (gespielt von Danny Wehrmüller) und stellt – sehr zu dessen Missfallen – unbequeme Fragen. Die Teilnehmer der Stadtführung kommen so an verschiedenen Standorten in der Altstadt auf amüsante Art und Weise in Kontakt mit einem beinahe vergessenen Teil der Basler Geschichte.

Den professionellen Schauspielern gelingt der Spagat zwischen der Theaterbühne und den Schauplätzen in der Stadt gut. Jantz, die bereits seit sechs Jahren als Schauspielerin in den szenischen Stadtrundgängen zu sehen ist, hat sich an die stets wechselnde Umgebung gewöhnt. «Man braucht in einem solchen Theater sicher viel Improvisationstalent», sagt sie. «Die wechselnden Kulissen, die Passanten und der Verkehr zwingen uns zu spontanen Aktionen.» Die szenischen Rundgänge sind bei Touristen aus dem In- und Ausland beliebt, denn interaktiver bekommt man selten Einblicke in die Historie einer Stadt.

Der Rundgang «Habemus Papam» startet am 6. März und findet bis zum 9. Oktober jeweils mittwochs bei jeder Witterung um 18 Uhr statt. Treffpunkt ist beim Haupteingang der Universität am Petersgraben. Der Rundgang dauert rund 80 Minuten und endet am Münsterplatz. Weitere Infos finden Sie unter: www.basel.com