René Burri

Auf der ganzen Welt zu Hause

Momentaufnahme aus Brasilia – der hintere Mann tänzelt beinahe die Treppe hinauf. Foto: René Burri

Momentaufnahme aus Brasilia – der hintere Mann tänzelt beinahe die Treppe hinauf. Foto: René Burri

Die Bilder des Schweizer Fotografen René Burri werden im Dreispitz gezeigt. Die ausgestellten Bilder sind allesamt Farbaufnahmen. Ungewöhnlich – ist Burri doch vor allem für seine Schwarz-Weiss-Fotografien bekannt.

Das Bild ist ein Kunstwerk. Der fotografierte Raum ist heruntergekommen, aber die farbigen, bröckelnden Wände und heruntergeschlagenen Steine sind vom Fotografen so in Szene gesetzt, dass sie eine Aura entfalten. Auf den ersten Blick ist das Elend nicht zu sehen. Auf den zweiten doch: René Burri hat 1991 ein ausgebombtes Bordell in Beirut fotografiert. Die Art, wie der Schweizer Fotograf Not ablichtet, ist eine feine. Tote nimmt er nicht auf, über traurige Ereignisse reflektiert er mit stillen Bildern. So eine Szene einer ärmlichen Hütte in Südkorea: Ein verlassenes Sofa steht vor der Tür, davor liegt eine WC-Rolle. Einen Augenschein von Burris Werken können Interessierte zurzeit an der Ausstellung «Two Worlds» in der Galerie Oslo8 im Kunstfreilager Dreispitz nehmen.

Allerdings erhalten die Galeriebesucher mit den 30 Farbfotografien wirklich nur einen kleinen Einblick in Burris Werk. Sein ganzes Leben lang war der Zürcher in der Welt unterwegs. Burris Antrieb war, Veränderungen zu dokumentieren und bei den weltbewegenden Ereignissen dabei zu sein, erklärt Galerist Christoph Kern. Ein gutes Beispiel ist Brasilia: Um beim Entstehen der aus dem Boden gestampften Hauptstadt Brasiliens von der ersten Stunde dabei sein zu können, reiste Burri von 1958 bis 1997 regelmässig dorthin. Zuerst fotografierte er den Aufbau der Retortenstadt, dann das Alltagsleben.

Die ausgestellten Bilder sind allesamt Farbaufnahmen. Ungewöhnlich – ist Burri doch vor allem für seine Schwarz-Weiss-Fotografien bekannt. Um die Welt ging 1963 das Schwarz-Weiss-Foto des Zigarre rauchenden kubanischen Revolutionärs Che Guevara. Beim Anblick der Farbbilder seien denn auch viele Besucher an der Vernissage vom letzten Donnerstag irritiert gewesen, sagt Kern. «Ich habe geantwortet, so sei Burri eben auch. Aber es stimmt, man braucht Zeit, um sich in die farbigen Bilder reinzuschauen.» Die Schwarz-Weiss-Aufnahmen werden von «Two Worlds» nicht ausgenommen, sondern in der Galerie des 20.Jahrhunderts an der Elisabethenstrasse 40 gezeigt.

Burri stellt Menschen nicht bloss

René Burri, der zu einem der grössten Reportagefotografen des 20. Jahrhunderts gehört und nie ohne Hut und Schal auftaucht, erzählt mit seinen Aufnahmen neben tragischer auch witzige Geschichten. Eine ereignete sich an der Spring Street in New York – Burri hielt die Szene in drei Bildern fest. Eine junge Frau läuft elegant über eine Dachterrasse, bleibt stehen, zieht sich aus, ein Fotograf kommt hinzu und fotografiert das posierende Modell. «Burri hat das Talent, den richtigen Moment mit der Kamera einzufangen», schwärmt Galerist Kern. «Menschen sind für seine Bilder wichtig. Er stellt sie aber nie bloss.»

Erst vor knapp zwei Wochen erhielt René Burri mit dem Swiss Press Photo Life Time Achievement Award die Auszeichnung für sein Lebenswerk. Dass Oslo8 jetzt Burris Bilder ausstellt, sei Zufall, betont Kern. Kuratiert wurde die Ausstellung von Guido Magnaguagno, dem ehemaligen Direktor des Museums Tinguely.

Two Worlds Galerie Oslo8, Kunstfreilager Dreispitz, Tor 13, Oslostrasse 8–10, Basel, bis 14. Mai.

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