Euro-Airport
Auf der Piste verjagen Böller die Vögel

Jedes Jahr verursachen Vögel, die in Triebwerke von Flugzeugen geraten, Kosten von über einer Milliarde Euro.

Peter Schenk
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Die Krähen sind in heller Aufregung, weil ein Bussard auf dem Flughafengelände ist.
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Der Busshard Chinook sitzt unter dem Dach der Feuerwehrwache auf dem Euro-Airport (EAP) und scannt mit schnellen Kopfbewegungen die ganze Halle.
Der Name Chinook stammt aus einem berühmten französischen Comic. Der Wüstenbussard (Harris Hawk) ist ein Weibchen und 2013 geboren.
Das Geheimnis der Falknerei ist das Gewicht des Busshards, das Aufschluss darüber gibt, wie hungrig er ist.
Ist er zu schwer, ist er nicht motiviert, Tauben zu vertreiben.
Falknerin Euro-Airport
Er muss also gerade so hungrig sein, um nach dem Flugeinsatz auf den Arm zurückzukommen.
Die Bussarde werden abgerichtet, nicht dressiert – diese Unterscheidung ist der Falknerin wichtig.
«Es bleiben wilde Tiere. Man darf nie denken, dass ein Busshard einen liebt.»

Die Krähen sind in heller Aufregung, weil ein Bussard auf dem Flughafengelände ist.

Kenneth Nars

Vor allem auf den ersten 300 Höhenmetern können Vögel für startende und landende Flugzeuge zum Problem werden. Geraten sie in die Triebwerke, verursacht das empfindliche Schäden. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit schätzt die Kosten der sogenannten Vogelschläge allein in der zivilen Luftfahrt auf jährlich über eine Milliarde Euro.

Keine Zahl für die Schweiz

Für die Schweiz wurde eine solche Zahl laut Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) noch nicht eruiert. Auch Easyjet konnte sich auf Anfrage nicht zum Ausmass der Vogelschläge bei der Fluggesellschaft äussern.

Auf dem Euro-Airport (EAP) gibt es diesbezüglich Probleme mit Reihern und Störchen. Der Grund ist laut EAP-Mediensprecherin Vivienne Gaskell, dass sich diese voll auf ihre Beute konzentrieren und die Flugzeuge unter Umständen weniger wahrnehmen. «Ausserdem gibt es Krähen, aber diese sind eher unproblematisch für den Flugverkehr», ergänzt Gaskell.

Generell gebe es auf dem EAP im Vergleich zu anderen Flughäfen sehr wenig Vorfälle. «Das hat mit der Lage zu tun. Wir sind nicht in der Nähe des Meers oder eines Sumpfgebiets.» Beide ziehen Vögel an. Ausserdem lässt der Flughafen das Gras 15 bis 20 Zentimeter hoch wachsen. Das führt dazu, dass die Vögel Beutetiere wie Mäuse nur noch schwer sehen und es für sie schwieriger ist zu landen. In Zürich sorgen künstliche Fuchsbauten und Wieselnester dafür, dass den Vögeln die potenzielle Nahrung weggefressen wird. Auf dem EAP gibt es das nicht, Füchse wurden aber auch schon gesichtet.

Der Flughafen ist dazu verpflichtet, die Präsenz von Vögeln zu beobachten und unter Kontrolle zu halten. Seit zwei Jahren gibt es eine Dienststelle, die sich permanent darum kümmert, die Vögel von der Piste zu verscheuchen. Dies geschieht mithilfe eines speziellen Fahrzeugs, von dem mit einem Gewehr Böller verschossen werden. Über einen Lautsprecher kann es Alarmrufe von Vögeln ausstrahlen und so unerwünschte Vögel vertreiben. Zusätzlich gibt es weitere acht Lautsprecher, die dafür an verschiedenen Orten der Piste aufgestellt wurden und nach Bedarf fernbedient werden können.

Es braucht mehrere Falken

Zum Vergrämen mithilfe von Greifvögeln gab es in der Schweiz bis 2016 einen Pilotversuch mit einem Wanderfalken auf dem kleinen Flugplatz von Buochs NW. Das Bazl beurteilt die Methode als interessant und kurzfristig auch erfolgreich. Mediensprecher Christian Schubert bilanziert: «Möwen und Krähen liessen sich effektiv vertreiben. Allerdings verschwand der Überraschungseffekt recht schnell.»

Ausserdem habe sich herausgestellt, dass Falken nur auf eine Farbe wie das Weiss von Möwen abgerichtet werden können. «Für einen grossen Flugplatz mit zahlreichen Vogelarten wären somit mehrere Falken nötig, was ressourcenmässig und finanziell einen erheblichen Aufwand mit sich bringen würde.» Je nach Grösse des Flugplatzes brauche es für die Vergrämung gleich einen eigenen Falkner.

Für den Euro-Airport schliesst Vivienne Gaskell nicht aus, Greifvögel wie Bussarde oder Falken auch auf der Piste einzusetzen. Man pflege dafür den Austausch mit andern Flughäfen wie Nantes, wo dies schon gemacht wird. Ein derartiger Versuch muss allerdings erst von der französischen Zivilluftfahrtbehörde DGAC genehmigt werden.

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