Wohnraum

Auf diesem schönen Grundstück mit Häuschen wohnt Familie Schaltkreis

Bei dieser Bezirksstation an bester Wohnlage im Gellert steht eine Sanierung an. Eine Verlegung in den Untergrund inklusive Umnutzung des 360-Quadratmeter-Grundstücks wurde nicht geprüft – Zürich hingegen bevorzugt gemäss Gestaltungsplan bei Umbauten von Trafostationen unterirdische Anlagen. Kenneth Nars

Bei dieser Bezirksstation an bester Wohnlage im Gellert steht eine Sanierung an. Eine Verlegung in den Untergrund inklusive Umnutzung des 360-Quadratmeter-Grundstücks wurde nicht geprüft – Zürich hingegen bevorzugt gemäss Gestaltungsplan bei Umbauten von Trafostationen unterirdische Anlagen. Kenneth Nars

Während Zürich Trafostationen konsequent in den Untergrund verfrachtet, tut sich in Basel wenig. Doch weshalb eigentlich nicht? Schliesslich herrscht in der Stadt Wohnungsnot, und anstelle der Strom-Häuschen könnten Einfamilienhäuser stehen.

Die IWB betreibt in Basel rund 60 oberirdische Strom- und Wasserstationen und belegt damit viel Platz. Eine Liste aller Stationen existiert nicht und wird auch nicht erstellt, weil «der Aufwand fürs Erstellen einer solchen Liste sehr gross wäre», wie Mediensprecher Erik Rummer auf Anfrage der bz sagt.

Dennoch reichen bereits ein, zwei Beispiele, um erahnen zu können, wie viel zusätzlicher Arbeits- und Wohnraum durch eine Verlegung der Stationen in den Untergrund geschaffen werden könnte. So steht die Bezirksstation Sevogel an der Hagenbachstrasse 22 im Gellert auf einem 359 Quadratmeter umfassenden Grundstück. Das einstöckige Stromhaus in einer attraktiven Wohngegend ist entlang der Strasse umgeben von drei- bis fünfstöckigen Wohnhäusern auf ähnlich grossen Grundstücken.

Schwieriger Unterhalt

Eine vollständige Verlegung solcher Bezirksstationen in den Untergrund ist laut IWB in der Regel nicht möglich. «Zum einen wird bei einigen der Untergrund bereits intensiv genutzt, zum andern braucht es für den Unterhalt der Anlagen eine Zufahrt, um beispielsweise grosse, teilweise tonnenschwere Anlagenteile wie Transformatoren oder Schaltanlagen auswechseln zu können», so Rummer. Bei Neubauten sei eine stärkere Ausnutzung des Untergrundes jedoch meist wirtschaftlicher und werde geprüft.

In Zürich hingegen sieht der Gestaltungsplan grundsätzlich vor, Trafostationen wenn möglich unterirdisch zu errichten oder in bestehende Bauprojekte zu integrieren. «Bei grösseren Investitionen in bestehende Trafostationen halten wir uns unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit an die Vorgaben des Gestaltungsplans», bestätigt Fernand Donzé vom Zürcher Energiedienstleister EWZ.

«Eine Schönheit»

Soeben sei in Oerlikon eine komplett unterirdische Trafo-Station in Betrieb genommen worden. «Die Verlegung in den Untergrund ist heute einfacher möglich, weil sich die Technik weiterentwickelt hat und eine viel kompaktere Bauweise ermöglicht», so Donzé. Über dem unterirdischen Unterwerk wurden auf zwei Geschossen Lager- und moderne Büroräume errichtet. Der «Tages-Anzeiger» titelte: «Unter der Erde liegt eine Schönheit.»

Auch beim IWB-Werk im Gellert stehen demnächst Sanierungsmassnahmen an, wie eine Ausschreibung im Kantonsblatt vom Juli zeigt. IWB-Sprecher Rummer bestätigt die Sanierungsmassnahmen, sagt aber, dass die «notwendigen Ersatzinvestitionen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit derzeit keinen grundlegenden
Um- oder gar Neubau des Gebäudes rechtfertigen.»

Eine ähnliche Antwort erhielt auch FDP-Grossrat Erich Bucher, als er sich im letzten Jahr über die Trafostation bei der Tramstation Studio Basel auf dem Bruderholz erkundigte. «Ich habe die Regierung gebeten, zu prüfen, ob eine Verlegung der Transformatorenstation in den Untergrund und dadurch eine bessere Nutzung der oberen Geschosse möglich sei», sagt Bucher. Die Regierung habe Bedenken geäussert, dass die elektromagnetischen Strahlen zu Problemen führen könnten respektive der strahlensichere Umbau gemäss IWB «mit sehr umfangreichen Massnahmen verbunden wäre», wie der schriftlichen Antwort von Regierungspräsident Guy Morin zu entnehmen ist.

Der Basler Kantons- und Stadtentwickler Thomas Kessler sagt: «Das Prinzip der Verdichtung ist unbestritten und auch im Legislaturplan der Regierung festgehalten. Die IWB zeigt sich dabei jeweils als zuverlässiger Partner.» Im Gegensatz zu Zürich werde aber in Basel jeder Fall einzeln geprüft. Dies gelte auch für die Station an der Hagenbachstrasse. Diese habe noch nicht das Alter für einen Um- oder Neubau. «Wenn ein Um- oder Neubau nötig wird, wird selbstverständlich die attraktive Lage in die Planung mit einbezogen», so Kessler. Mit dem Projekt in Zürich liesse sich die Station allerdings nicht vergleichen, weil dort eine Freiluftanlage umgebaut worden sei. Damit vergleichbar seien eher innovative Basler Projekte wie das 2008 in Betrieb genommene Holzkraftwerk.

Grossrat Bucher sagt, dass er sich vorstellen könnte, das Thema wieder aufzugreifen, auch wenn die Station auf dem Bruderholz definitiv nicht in den Untergrund verlegt werde. «Ich bin der Meinung, dass möglichst viel Infrastruktur in den Boden verlegt werden sollte, damit der Platz darüber für Wohnen oder Geschäfte genutzt werden kann.»

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