Tag des Lärms
Auf diesem Spaziergang lässt sich der Klang der Stadt erleben

Vom Plätschern des Tinguely-Brunnens zum Quietschen der Drämmli: Ein Spaziergang durch Basel zeigt am Internationalen Tag gegen Lärm die Bedeutung der Akustik in der Stadt.

Andreas Fahrländer
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Das Plätschern des Tinguely-Brunnens macht den Lärm in der Stadt erträglicher.

Das Plätschern des Tinguely-Brunnens macht den Lärm in der Stadt erträglicher.

Kenneth Nars

Das Quietschen der Drämmli ist seit zehn Jahren vom Steinenberg verbannt. 2006 wurden die Tramschienen vor dem Stadtcasino mit Stahlfedern versehen, damit die Konzerte im Musiksaal nicht mehr von dem lauten Gerumpel gestört werden. Die Mäzenin Christine Cerletti-Sarasin trug damals drei Millionen aus ihrer «Basler Stiftung Kultur & Bau» für das lärmdämpfende Bauvorhaben bei.

So viel wird selten in die Akustik einer Stadt investiert. «Die Akustik ist im Städtebau bis heute eine massiv unterschätzte Disziplin», sagt Ramon De Marco. Der Audiodesigner führt am Internationalen Tag gegen Lärm am Mittwoch einen «Klangspaziergang» durch Basel durch. Das Motto des Aktionstags in der Schweiz ist «Stadt hören». In allen grösseren Städten finden Klangspaziergänge statt, die dem städtischen Lärm nachgehen.

Plätschern gegen den Lärm

Der akustische Spaziergang durch Basel beginnt am Theaterplatz. Trotz des Federbetts für die Trams ist es immer noch laut hier. «Zwischen dem Bankverein, dem Barfüsserplatz und der Theaterstrasse ist es hier von allen Seiten laut», sagt De Marco. Nicht zuletzt wegen des Tinguely-Brunnens gebe es aber eine recht gute Akustik. Das Plätschern des Wassers übertönt einen Teil des Verkehrslärms und macht ihn erträglicher.

Die Eisenplastik von Richard Serra vor dem Theater ist Ausgangspunkt für den Rundgang. De Marco ist auch Dozent für Klang, Ton und Akustik an der Fachhochschule Nordwestschweiz «Hier erkläre ich meinen Studenten gerne, wie wichtig die Akustik in der Stadt ist», sagt er. «Nicht nur das Material ist wichtig, sondern auch die Formen und Winkel eines Objekts.»

Stadtplaner und Architekten würden oft den Klang von Städten und Gebäuden immer noch stiefmütterlich behandeln. Ein guter Ort, um darauf aufmerksam zu machen, sei der Kreuzgang des Münsters. «Hier ist die Geräuschkulisse fast wie auf dem Land», erklärt De Marco. Das mittelalterliche Gebäude schafft eine leise Umgebung. Das einzige Geräusch, das verrät, dass man mitten in der Stadt steht, ist auch hier das Quietschen der Drämmli. Heute legt beim Bauen kaum jemand mehr Wert auf den menschlichen Hörsinn.

«Es kommt nicht nur auf die Lautstärke an, sondern auch auf die Monotonie des Lärms. Ich vergleiche das gern mit dem Smog über einer Stadt», sagt De Marco. Der Tinguely-Brunnen hebt diese Monotonie auf. Ob bewusst oder unbewusst, er ist für eine angenehme Geräuschkulisse genau am richtigen Ort in der Stadt platziert.

Der Klangspaziergang beginnt am Mittwoch um 18 Uhr bei der Plastik von Richard Serra am Theaterplatz. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung an aue@bs.ch erwünscht.

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