Am Dienstagmittag enthüllte Alex Frei in seiner Funktion als Ambassador des Europa-League-Finals in Basel vom Mittwoch ein Kunstrasenfeld auf der Liesbergermatte. «Ich bin an der Güterstrasse gleich hier um die Ecke aufgewachsen. Dieser Kunstrasenplatz hier ist unglaublich wichtig, weil er die Kinder weg von der gefährlichen Strasse bringt», sagt Frei. Ausserdem sei es schön, dass es in einem multikulturellen Quartier wie dem Gundeli nun einen Treffpunkt für die Kinder gäbe.

Doch viel mehr als der neue Fussballplatz, den die Uefa der Stadt Basel im Rahmen des Europa-League-Finals geschenkt hat, interessiert das Spiel zwischen dem FC Liverpool und dem FC Sevilla an sich.

Herr Frei, welche Bedeutung hat der Europa-League-Final in Ihrer Heimatstadt für Sie?
Alex Frei: Für mich persönlich hat das Spiel keine sonderlich grosse Bedeutung. Dafür umso mehr für die Stadt. Dass Basel so ein bedeutendes Spiel austragen darf ist ein grosser Verdienst des FC Basel, der die Stadt überhaupt erst auf die Fussball-Landkarte befördert hat. Ohne seine Erfolge wäre es nicht möglich gewesen, solch ein Spiel zu bekommen. Aber Basel hat diesen Anlass sicher verdient. Und jetzt muss die Stadt zeigen, dass sie gut genug ist, in jeglicher Hinsicht.

Wie meinen Sie das?
Dass man beispielsweise akzeptiert, dass man eben mal 24 Stunden rund um das Joggeli sein Auto nicht brauchen kann. Oder dass man den Bus nicht nehmen kann, sondern zu Fuss gehen muss. Und dass man nicht ständig reklamiert, weil einmal Ausnahmezustand herrscht.

Im Vorfeld wurde vor allem von den englischen Fans moniert, das Stadion und die Stadt seien zu klein. Finden Sie diese Kritik gerechtfertigt?
Was heisst gerechtfertigt? Ein Stadion, in das fast 36'000 Zuschauer passen, und das ausverkauft ist, ist bestimmt ein würdiger Rahmen für einen Europa-League-Final.

Sie haben während der ganzen Kampagne die Partien ausgelost und dadurch auch den Final beeinflusst. Ist das der Final, den Sie sich gewünscht haben?
Jedes Team, das im Final steht, hat es verdient. Aber ich kann nichts dafür, was ich gelost habe. Aber klar, hätte ich den FCB nicht Sevilla zugelost, wäre da sicher mehr drin gewesen. Sevilla ist eben nicht St. Etienne.

Mussten Sie sich denn Sprüche anhören, weil Sie dem FCB den wohl schwierigsten Gegner zugelost haben?
Eher von Dortmunder Seite (Frei hat seinem Ex-Klub Dortmund den jetzigen Finalisten Liverpool zugelost, Anm. d. Red.). Da musste ich mir schon den einen oder anderen Spruch anhören, aber eher als Witz.

Ihr ehemaliger Trainer bei Dortmund, Jürgen Klopp, trainiert mittlerweile den Finalteilnehmer Liverpool. Was haben Sie für eine Verbindung zu ihm?
Das Verhältnis zwischen mir und Klopp ist geprägt von gegenseitigem Respekt. Ich war nicht gerade der ideale Spieler-Typ in seinen Augen. Aber er hat bei mir eine Ausnahme gemacht, weil er meinte, Typen, die viele Toren schiessen, könne man nicht draussen lassen. Mein erster Kontakt mit ihm war auf dem Krankenbett, weil ich mich ja an der Euro 2008 verletzt hatte und er in diesem Sommer den BVB übernahm. Und dann kam das Spiel zwischen Dortmund und Schalke, in dem ich eingewechselt wurde. Klopp sagte mir, dass in Spielen wie diesen Helden geboren werden. Und dann kam ich rein und erzielte zwei Tore und lieferte einen Assist.

Das heisst, Sie unterstützen im Final den FC Liverpool uns somit Ihren ehemaligen Trainer?
Ich habe weder zu Sevilla noch zu Liverpool eine spezielle Beziehung und ich habe keinen Favoriten. Aber ich bin ein absoluter Fussballromantiker. Solche Dinge wie der Titelgewinn von Leicester City, das finde ich super. Ich glaube, dass im Spiel Sevilla gegen Liverpool Technik auf Leidenschaft trifft. Und wer die Liebe und die Leidenschaft hat, mehr zu machen als der Andere, der wird am Ende meistens belohnt. Also lehne ich mich aus dem Fenster und sage, der FC Liverpool wird gewinnen.

Was ist Ihr Resultattipp für das Spiel?
Das kann ich nicht sagen, sonst würde ich ja jedes Wochenende Lotto spielen.  

Sie haben nie in einem Europa-League-Final gespielt, aber dennoch diverse Highlights in diesem Wettbewerb erleben dürfen. Welche Erinnerung würden sie herauspicken?
In der Europa League habe ich mich immer auf diese speziellen Orte und Gegner gefreut, diese Länder, die man dann bereisen kann. Das sind alles Orte, an die man als Privatperson nicht unbedingt reist. Das ist schon ungeheuer toll. Oder würden Sie beispielsweise nach Baku reisen? Deshalb fand ich die Europa League eigentlich fast noch toller als die Champions League. Dass man in irgendwo in Island die Fenster barrikadieren muss, um schlafen zu können, weil es draussen zu hell ist, das erlebt man eben nur in der Europa League.