Hells Angels

Auf ein Glas Wasser mit den Hells Angels

Das Clublokal der kamerascheuen Hells Angels in einer eher bieder wirkenden Liegenschaft an der Hammerstrasse in Basel.  Kenneth Nars

Das Clublokal der kamerascheuen Hells Angels in einer eher bieder wirkenden Liegenschaft an der Hammerstrasse in Basel. Kenneth Nars

Vor etwas über einem Jahr haben sich die Hells Angels an der Hammerstrasse im Kleinbasel einquartiert. Die anfängliche Skepsis der Nachbarn ist inzwischen gewichen - ein Besuch vor Ort

Etwas über ein Jahr ist es her, dass die Hells Angels im Kleinbasel einzogen. Einigen Nachbarn wurde es damals etwas mulmig, denn die Rocker geniessen nicht überall einen guten Ruf. In der Nachbarschaft am Claramattpark aber hat man sich an die Jungs mit den lauten Motorrädern gewöhnt. Mehr noch: Einige fühlen sich in dieser Gegend sicherer, seit die Hells Angels sich einquartiert haben. Und Lärm, das gibt es höchstens mal, wenn sie die Zündschlüssel ihrer Harleys umdrehen.

Die Medien sind aber auch den Basler Hells Angels mitunter ein Dorn im Auge. Wenn in der Vergangenheit Journalisten klingelten, wurde die Tür gleich wieder zugemacht. Erst nach mehreren Anfragen willigt der Basler Charter der Hells Angels ein, über das Clubleben Auskunft zu geben. Ein Interview am Telefon komme zwar nicht infrage, aber vorbeikommen, das sei in Ordnung.

Kühler Empfang

An diesem verregneten Sommerabend bleibt der Empfang an der Hammerstrasse 86 kühl, aber äusserst zuvorkommend. «Willst du was trinken?», fragt einer der vier Hells Angels im Eingangsbereich des Clublokals. Sonst wird geschwiegen und in den Plasmafernseher gestarrt. Man trinkt Wasser und Cola. Unten warten die drei Interviewpartner, ebenfalls an alkoholfreien Getränken nippend. Es sind nicht die Rockerallüren, die man erwartet. Immerhin wird gequalmt, was das Zeug hält. Wer die drei sind, die Auskunft geben, wollen sie nicht verraten. Wer Mitglied,
wer Sekretär und wer Schatzmeister ist, bleibt ebenso unbeantwortet. «Das alles ist nicht wirklich von Bedeutung. Wir sind Hells Angels – das ist das, was zählt», sagen sie.

R*, der Präsident der Basler Hells Angels, spricht überlegte Sätze, wenn er die Distanziertheit zur Öffentlichkeit begründet. Mit den Medien habe man keine guten Erfahrungen gemacht – schuld daran seien nicht zuletzt die Vorfälle in Zürich gewesen. Hier gab es 2004 eine Razzia, bei der vorübergehend 13 Hells Angels festgenommen wurden. Die Bundesanwaltschaft musste schliesslich die Klage fallen lassen. Auch wegen solcher Zwischenfälle mache sich die Öffentlichkeit ein falsches Bild des Motorradclubs, sagen die drei Höllenengel. Der langjährige Zürcher Hells-Angels-Anwalt Valentin Landmann beispielsweise bezeichnet die Mitglieder schlicht als «freiheitsliebender als andere Menschen». Der Hells-Angels-Präsident pflichtet ihm bei: «Bei uns kann sich jeder frei entfalten.»

Er betont auch den unterschiedlichen beruflichen Hintergrund der Mitglieder. «Wir sind in den verschiedensten Bereichen tätig», sagt er, vom Handwerker bis zum Selbstständigen. Aber, so betont er: «Wir gehen alle einer geregelten und ehrbaren Arbeit nach.»

Unterschiedlicher Hintergrund, ähnliche Gesinnung

So unterschiedlich der Hintergrund der Hells-Angels-Mitglieder, so ähnlich ist die Gesinnung, wenn es um das Clubleben geht. «Wir sind ein ganz normaler Motorradclub», sagt R. zwar, räumt aber ein: «Vielleicht sind wir ein bisschen härter und gradliniger als andere.» Das bedeute etwa, dass man eine klare, direkte Sprache spreche. Die Hells Angels stünden füreinander ein und hätten ein ehrliches Lebensgefühl – fern von falscher Moral.

«Unsere Gesellschaft lebt zunehmend oberflächlich. Grundwerte wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und Freiheit gehen immer mehr verloren», sagt R. Dass die Hells Angels eine Männerdomäne sind, vermag R. nicht zu leugnen. Es gehören zwar keine Frauen dem Motorradclub an, die Familien der Mitglieder seien aber hervorragend integriert: «Das Clublokal steht allen Familienmitgliedern stets offen.» Hier trifft man sich zum gemeinsamen Fernsehen, Musikhören oder zu gemeinsamen Ausflügen.

Unumgänglich sei es, die Familien in das Clubleben einzubinden: «Wenn du ein Hells Angel bist, muss die ganze Familie dahinterstehen», so R. Schliesslich seien die Grenzen durchlässig. Die Familie gehört zu den Hells Angels und umgekehrt.

*Name der Redaktion bekannt

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