Verschärfte Massnahmen

Auf ein letztes Bier: Basel geniesst das Wochenende vor dem «Lockdown light»

Restaurants, Bars und Clubs müssen im Stadtkanton ab Montag drei Wochen geschlossen bleiben. Am Wochenende wurden die Lokale deshalb überrannt. Der Wirteverband freut sich über die Solidarität – doch diese reiche nicht.

«Noch einmal nach Luft schnappen, bevor wir tauchen müssen.» So beschreibt Maurus Ebneter, Präsident des Basler Wirteverbands, das vergangene Wochenende. Nachdem der Kanton am Freitag verschärfte Massnahmen ab Montag bekannt gegeben hat – unter anderem die Schliessung von Gastrobetrieben – sei die Solidarität für Basler Wirte gross gewesen. «Die Restaurants wurden überrannt, jeder und jede wollte noch ein letztes Mal sein Stammlokal besuchen.»

«Wenn es sein müsste, würde ich auf die Strasse gehen»

Das bestätigt ein Blick vor Ort in der Steinenvorstadt: Familien mit Kindern, Paare, Gruppen junger Freunde – sie alle füllen am Sonntagabend die Tische unter den Heizstrahlern oder zwischen den Fackeln der Restaurants und Bars. So auch der 23-jährige Sahin Aydogdu, der den Abend mit einem Freund im «Space Bar & Café» verbringt. «Ich bin im Homeoffice und komme kaum raus», erzählt sein Freund, deshalb nutze er jede Chance, um unter die Leute zu kommen. Dass nun alle Bars geschlossen sind, verstehen die beiden. «Sonst geht das alles ja nie vorbei», meint Aydogdu.

Anders sehen das die drei jungen Frauen am Tisch nebenan: Sie sind in der Stadt unterwegs, um den letzten Abend zu geniessen und sind unglücklich über die Schliessung. Über die Kantonsgrenze reisen, um im Baselbiet essen oder trinken zu gehen, werden sie dennoch nicht. «Wir besuchen uns einfach gegenseitig zu Hause, bis es vorbei ist», sagt eine der Frauen.

Noch unzufriedener mit den verschärften Massnahmen sind drei Männer, die im Aussenbereich der Küchlin-Bar sitzen. «Wir halten gar nichts davon», meint einer. «Wenn es sein müsste, würde ich sogar dagegen auf die Strasse gehen.»

Keine Reserven mehr übrig

Doch obwohl die Lokale am Wochenende gut gefüllt waren: Das bisschen Luft, das die Wirte schnappen konnten, reicht für drei Wochen ohne Einnahmen nicht aus, ist Maurus Ebneter sicher. Während man im ersten Lockdown noch von Reserven und Leistungen der Epidemieversicherung leben konnte, sei die Schliessung der Betriebe nun «wie ungebremst in eine Wand zu fahren». Denn der Frühling hat finanzielle Einschnitte hinterlassen. Auch im Sommer habe sich die Situation nicht stark gebessert. «Immerhin konnten wir arbeiten und einige Rechnungen bezahlen.» Hoffnung habe man in die Vorweihnachtszeit gesetzt: «Wenn die Leute Geschenke einkaufen gehen, verbinden sie das meist mit einem Restaurantbesuch. Diese Hoffnung wurde jetzt jäh zerstört.»

Die bisherigen Massnahmen habe man mitgetragen, auch wenn sie teils «extrem mühsam» waren für die Gastronomie. «Aber wir konnten sie nachvollziehen», so Ebneter. Nicht dieses Mal: «Was diese Massnahme bringen kann, steht aber in keinem Verhältnis zum gewaltigen wirtschaftlichen Schaden.» Der Wirteverband prüft deshalb, mit rechtlichen Schritten gegen den Kanton vorzugehen. «Unter dem Strich beträgt der Schaden 30 Millionen», rechnet Ebneter vor, «in einer Branche ohne Reserven, die sonst schon ums Überleben kämpft.» Die Forderung ist klar: «Entweder man lässt uns arbeiten oder wir erhalten einen sofortigen, vollumfänglichen Schadenersatz.»

Baselbieter Wirte könnten nun profitieren

Während sich die Basler Gastroszene Sorgen um ein Beizensterben macht, könnte sich die Schliessung von Restaurants im Baselbiet positiv auswirken. «Wirtschaftlich können wir eventuell davon profitieren, dass mehr Basler in unsere Lokale essen kommen», meint Fabienne Ballmer, Präsidentin des Baselbieter Gastroverbands. «Aber die Wirte in der Stadt tun mir extrem leid. Für die Basler Gastronomie ist das eine Katastrophe.» Sie hoffe, dass dasselbe nicht auch in Baselland geschehen werde. Denn, so Ballmer, offen haben und arbeiten können sei noch immer besser als eine Schliessung – auch, wenn das Geschäft schlecht läuft.

Schlechtes Geschäft haben Basler Wirte immerhin in den letzten drei Tagen nicht gemacht. Und den Rückmeldungen vom Sonntagabend in der Steinenvorstadt nach zu urteilen, dürfte das nach den kommenden drei Wochen wieder so weitergehen. Denn der Tenor unter den Bar- und Restaurantbesuchern ist einstimmig: Alle freuen sich auf die Wiedereröffnung der Lokale.

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