Zu viel Pack gebe es, drum habe er Ja gesagt, sagt der Halbitaliener aus dem Laufental. Er beliefert in Basel Beizen mit Zigaretten aus den USA. Der Osten sei das Problem. Ja, der Osten, der hat es in sich, finden auch zwei Schweizerinnen, die jugoslawisch parlierend des Wegs kommen. «Steuerung braucht das Land!», sagen sie. Wahrlich: Ein Streifzug durch Basel zeigt – sie sind überall, die Grenzgänger, Ausländer, die Eingebürgerten, die Mischlinge. Achtet man sich, merkt man: Unkontingentiert bewegen sie sich frech wie Eingeborene.

Sogar dem Staat gehorchen sie, wenn sie am Barfüsserplatz Gleise aufreissen und ihre Lunge mit Staub zerstören. Dabei weiss jedes Kind: Das Gleise-Aufreissen ist der Traumjob eines jeden anständigen Schweizers. Auch im Schutz einer Bar begegnen sie einem, die Fremden. Ein Wunder, dass der Kellner in der Brötli-Bar nicht nach der Cümülüs-Karte fragt.

Und in der Manor bei den Strümpfen? Wieder so ein Waggis. Die Nagellackiererin nebenan trägt einen Namen mit verdächtig vielen Umlauten am Hemd und die Frau beim Schmuck kommt aus dem Osten. Der Akzent, mit dem sie einwandfreies Deutsch redet, verrät sie. Dann endlich, ein Schweizer; ein Schmink-Berater zwar, aber ein echter Schweizer, nicht so einer, den die Staatsanwaltschaft als Schweizer bezeichnet, der ursprünglich aber ein Ausländer aus einem Land ist, wo es von diesen düsteren Kriminellen wimmelt, die wir von Abstimmungsplakaten kennen. Und wo bis am Sonntag alle darauf gewartet haben, endlich in die Schweiz einreisen zu können.

Wir wissen ja aus den SVP-Gratiszeitungen, was passiert wäre: Die Frauen hätten sie uns weggenommen, die Jobs, die Luft, die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft – und das Schlimmste: unsere Sprache! Oder wie ist es zu erklären, dass Schneiderateliers «Atelier de Couture» heissen und Friseurläden «Hair meets Art»? Mal abgesehen von der Frage, was Kunst mit Haaren zu tun hat. Sogar mit toten Sprachen belästigen sie uns, «Ex Libris» statt Bücher.

Der Claraplatz – welch tristes Bild: ein Ausländer nach dem anderen. Was wäre der elsässische Busfahrer froh, wenn er mit leerem Bus zum Hörnli fahren könnte. Stattdessen: Eine drängelnde Multi-Kulti-Masse, ein Sprachgewirr, wie es nicht mal beim Turmbau zu Babel denkbar gewesen wäre. Wenn doch, wäre die SVP dort gegründet worden. Diejenigen, die dem Staat nicht auf der Tasche liegen, haben Pause und die Frechheit, sie zu nutzen. Essen Curry und geschächtetes Tier und lassen die gutbürgerliche Schweizer Küche verlumpen. Damit ist jetzt Schluss!

Claus & Carla klingt heimisch. Doch was steht im Coiffeurladen und schneidet und wäscht und färbt? Dreiviertel Ausländerinnen. «Wir könnten die Stellen unmöglich nur mit Schweizerinnen besetzen», sagt Geschäftsführerin Nadia Scholer aus dem Elsass. Zur Abstimmung sagt sie: «Es ist Euer Land, Ihr müsst bestimmen.» Das sagen auch der italienische Marroni-Verkäufer, der asiatische Expat, der «Surprise»-Verkäufer aus Togo. Als wüssten wir nicht längst selber, dass es unser Land ist. Nun weiss es endlich auch der Rest der Welt! Von Nordkorea bis Mali, von Lappland bis Alaska haben sie kapiert, was Heimatliebe bedeutet. Und wenn die Helvetia im Kleinbasel einem holländischen Frachter mit internationalen Matrosen nachtrauert, mir doch wurst, sollen sie selber schauen, wo sie mit ihrer EU bleiben.

Zu früh gefreut im Globus-Restaurant. Der Dunkelhäutige, der einem sonst die angefressenen Knochen und die verschneuzten Servietten wegräumt, kommt doch noch um die Ecke gebogen. Wir können unseren Dreck selber wegputzen – und überhaupt: Was tun Sie noch hier? Nix mitbekommen von Abstimmung? Sagen wir nicht, den lassen wir noch ein wenig arbeiten, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt. Ist ja keiner von den 80 000, die jetzt doch nicht jährlich neu dazu kommen.

Und so schlimm wie in der Steinenvorstadt ist es im Globus gottlob nicht, da verkehren immerhin wohlhabende Damen und lassen sich von Grenzgängern Fisch einpacken. Aber in der Steinen! Was früher Autos waren, ist heute das Ausländische. Lebendig und als Schrift. «Foot Locker» steht da und solches Zeug. Da erschrickt man, als plötzlich ein Laden «Weltbild» heisst. Und im Kino nebenan läuft der Film «Mandela».