9,6 Millionen Franken will Baselland ab 2022 jährlich an den Kanton Basel-Stadt als Kulturpartner überweisen. Das ist insofern ein Erfolg, als dass man noch vor eineinhalb Jahren vor einem Scherbenhaufen stand: Das Baselbiet wollte sich mit der Hälfte des Betrags aus der Verantwortung ziehen. Dem Kanton Basel-Stadt, dessen Kulturbudget durch strukturelle Defizite im Museumsbereich sowieso schon überstrapaziert worden ist, drohte dadurch weiteres Ungemach.

In den vergangenen Monaten setzten sich die Regierungsrätinnen Monica Gschwind und Elisabeth Ackermann an den Verhandlungstisch – und haben sich sowohl bei der Uni-Finanzierung als auch der gemeinsamen Kulturförderung gefunden. Ziel war, das Bestehen aller 17 Institutionen zu sichern. «Dass das gelungen ist, werten wir als grossen gemeinsamen Erfolg», sagte Elisabeth Ackermann gestern an einer Medienkonferenz. Angesichts dessen ist die neue Lösung eine Win-win-Situation, wie beide Parteien bestätigen.

Neues Modell gibt Sicherheit

Der alte Kulturvertrag, der 1997 ins Leben gerufen wurde, sah vor, dass der Kanton Baselland jeweils ein Prozent seiner Steuereinnahmen für die Kultur einsetzte. Geld, das den Institutionen fix zugutekam und als Abgeltung für die städtischen Zentrumsleistungen verstanden werden konnte. Im neuen Vertrag legt man sich auf 9,6 Millionen fest. Das entspricht im Grundsatz dem Beitrag des laufenden Jahres, bedeutet aber auch, dass Baselland in stärkeren Steuerjahren nicht mehr Geld überweisen wird. Der Landkanton bekennt sich zu den Leuchttürmen und tritt als verlässlicher Partner auf, was nicht nur dem Kanton Basel-Stadt, sondern auch den Institutionen Planungssicherheit gibt. Denn bei diesen sorgten die Machtspiele und Sparrunden in jüngerer Zeit für Irritation und Existenzängste.

Neu wird das Baselbiet seinen Beitrag direkt an Basel-Stadt überweisen. Damit möchten die Regierungsrätinnen vermeiden, dass die Institutionen zwischen den Kantonen zerrieben werden. Zudem sind die Zuständigkeiten und Ansprechpartner klarer definiert. Das führt dazu, dass auch Institutionen, die ursprünglich vom Kanton Baselland getragen wurden – wie etwa der Bahnhof für Neue Musik, Gare du Nord, oder das Vokalensemble der Basler Madrigalisten – künftig ins Subventions-Portfolio von Basel-Stadt wechseln.

Publikumsbefragungen ab 2019

Für die Entflechtung hätten sie von den Kulturinstitutionen bereits Applaus erhalten, freute sich Monica Gschwind. Tatsächlich wird das Geld neu umverteilt. Denn rein formal überweist Baselland die 9,6 Millionen Franken nicht mehr zugunsten von 17 Institutionen, sondern nur noch für drei Betriebe: Jene, die nach einer Publikumsbefragung nachweisbar die meisten Besucherinnen aus dem Kanton Baselland anziehen. Voraussichtlich dürfte das auf das Theater Basel, die Kaserne und das Sinfonieorchester zutreffen.

Warum diese Zahlenspielerei und der Aufwand einer Evaluation? Damit lassen sich die Subventionen im Baselbiet politisch besser rechtfertigen. Denn in Stein gemeisselt ist der Kulturvertrag noch nicht: Er geht in die Vernehmlassung, 2019 soll er verabschiedet und von den Parlamenten diskutiert werden. Denkbar wäre, dass es – zumindest im Kanton Baselland – zu einer Volksabstimmung kommt.

Für Basel-Stadt hat die Publikumsbefragung noch einen zweiten Effekt: Mit einer solchen Erhebung arbeiten auch andere Kantone, was von Vorteil ist, sollte es dereinst mal zu einer nationalen Lösung der Abgeltung kultureller Zentrumsleistungen kommen. Hinzu kommt, dass Basel-Stadt durch die Erhebung auch erfahren wird, wie viele Aargauer und Solothurner die städtischen Institutionen nutzen.

Nebst den Geldern für die Häuser gibt es auch die gemeinschaftlich bestückten Fachausschüsse. Diese verteilen derzeit nicht ganz 3 Millionen Franken pro Jahr an Kreative und Produzenten verschiedener Sparten, von Musik über Tanz, Theater und Literatur bis Film und Medienkunst. Aktuell werden diese Töpfe von den Kantonen ungleich gefüllt, schiesst Basel-Stadt doch rund 400 000 Franken mehr ein.

BL: Auch mehr Geld für Eigenes

Künftig gleicht das Baselbiet aus und stellt ebenfalls 1,65 Millionen Franken zur Verfügung. Damit kann etwa der Bereich der Musikprojekte aufgestockt werden, von bisher 260 000 auf künftig 440 000 Franken. Mit dem zusätzlichen Geld möchte man vor allem zwei neue Schwerpunkte in die Förderung einbinden: das Musiktheater und den Jazz. Beide fielen bisher durch die Maschen. Die regionale Jazzszene wurde über Beiträge an Institutionen wie den Bird’s Eye Jazz Club oder das Jazzfestival nur indirekt unterstützt, die Musiker kamen – wenn überhaupt – nur in den Genuss nationaler Gelder via Bund respektive Pro Helvetia. Dass Basel als Hochschulstandort für Jazzmusiker auch in diesem Bereich professionellen Musiker und Ensembles künftig unter die Arme greift, macht durchaus Sinn.

Ein bisschen mehr Geld steht künftig auch für die Literatur sowie für Tanz und Theater zur Verfügung. Zudem legt Baselland Wert auf einen Ausbau der innerkantonalen Förderung. So erhält der Birsfelder Kunst-Offspace Salts ab 2020 jährlich 50 000 Franken Subventionen. Und die Baselbieter Kunstkommission hat ab 2020 150 000 Franken zur Verfügung. Das sind 50 000 Franken mehr als heute, aber noch immer weniger als früher. Denn, zur Erinnerung: Noch vor wenigen Jahren hatte eine Sparrunde im Baselbiet zum Abbau der Kulturförderung geführt.