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«Auf Rücken der Schwächsten»: Basler Erziehungsdepartement kürzt Gartenbad-Personal den Lohn

Das Basler Erziehungsdepartement befindet sich im Streit mit der Gewerkschaft VPOD. Grund sind Lohnkürzungen: Das ED wollte den Aushilfen vom Gartenbad Joggeli neu zwei Verträge unterbreiten – einer davon in drei Lohnklassen tiefer.

Benjamin Rosch
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2. Version von Gartenbad St. Jakob-Park
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Denn nicht nur, dass das Joggeli-Gartenbad vor sich hin bröckelt...
...jetzt wird dem Gartenbad-Personal auch noch der Lohn gekürzt.

2. Version von Gartenbad St. Jakob-Park

Nicole Nars-Zimmer niz

Es scheint, als seien nicht nur die Bauten im Gartenbad St. Jakob marode. Auch im Betrieb ist etwas faul. Über die vergangenen Wochen und Monate erstreckt sich ein Konflikt zwischen der Chefetage im Basler Erziehungsdepartement (ED) und den Angestellten in den untersten Lohnklassen, ist aus dem ED zu hören. Es sind zwei Konflikte, in denen sich Gewerkschaft VPOD einschaltete. Zwei Konflikte, zu denen Gewerkschafterin und SP-Grossrätin Toya Krummenacher sagt: «Das ED spart auf dem Rücken der Schwächsten.»

Die eine Geschichte hielt Krummenacher vor allem im letzten Jahr auf Trab. Die Abteilung Jugend, Familie und Sport beschloss, die Pausenregelung beim Gartenbadpersonal zu ändern. Bislang galt die Regel: Wer seine Pause am Arbeitsort verbringen muss, der darf diese als Arbeitszeit ausweisen. Diese Regel ist nicht unüblich, Polizisten profitieren davon, Feuerwehrleute auch. Schliesslich muss auch ein Badmeister im Notfall verfügbar sein, Pause hin oder her.

«Mächler hat überstürzt gehandelt.» Toya Krummenacher Gewerkschaftssekretärin VPOD

«Mächler hat überstürzt gehandelt.» Toya Krummenacher Gewerkschaftssekretärin VPOD

zvg

Das ED muss nachzahlen

Doch der neue Leiter Thomas Mächler befand dies für nicht rechtskonform und hob die Regelung auf. Mehr noch: Den Angestellten wurde in der Arbeitszeiterfassung jeden Tag eine halbe Stunde vom Ende her abgezogen – unabhängig davon, wann die Pause stattfand. So verloren manche Angestellte sogar den Anspruch auf ihnen zustehende Abendzulagen. «Es ist sehr stossend», sagt Krummenacher. Inzwischen ist diese Sache teilweise gelöst, das ED leistet Nachzahlungen. «Diese stehen zum Teil aber noch immer aus und sollen mühsam individuell eingefordert werden», sagt Krummenacher.

Mächler ist indes kein Unbekannter: Wiederholt sorgte er für Schlagzeilen mit seinem Widerstand gegen das Musikfestival Basel Tattoo, das er als als Gesicht des Vereins «Heb Sorg zum Glaibasel» bekämpfte.

Plötzlich drei Lohnklassen tiefer

Der zweite Fall ist noch kruder. Die Badeaushilfen der Gartenbäder sind in der Lohnklasse fünf eingestuft. Mächler allerdings beschloss eine Rückstufung für die Monate vor der eigentlichen Badesaison. Während dieser bereiten die befristeten Badeaushilfen die Anlagen auf und richten sie für den Betrieb her. Es sind meist mehr oder weniger die gleichen Mitarbeiter. Von Jahr zu Jahr fragt sie das Sportamt an, meist im Januar, ihre Arbeit nehmen sie dann ab Frühling auf. Dieses Jahr begannen einige aufgrund des Joggeli-Umbaus im vergangenen Sommer und Krankheitsausfällen beim Stammpersonal früher, nämlich bereits im Februar.

Manche davon zuerst ohne schriftlichen Arbeitsvertrag. Als sie diesen schliesslich erhielten die Überraschung: Für die Vorsaison erhielten sie einen separaten Vertrag mit Lohnklasse zwei. Auf Geheiss von Mächler - entgegen den Vorgesetzten der Badeaushilfen - wurden sie für die Vorsaison in die um drei Lohnklassen tiefere Funktion Reinigung I zugewiesen, was temporärer einfacher Büroreinigung entspricht. Dies zumindest für drei Monate, denn für die Saison gilt nach wie vor Lohnklasse fünf entsprechend der Funktion Badeaushilfen. Das Sparpotenzial dieser Übung beläuft sich gemäss Insidern auf wenige Tausend Franken, den Betroffenen hingegen fehlen jeweils einige hundert Franken im Portemonnaie.

«Das ist nicht nur kleinlich, sondern entspricht auch nicht den Gegebenheiten», sagt Krummenacher. Die Arbeiten seien komplex sowie körperlich anspruchsvoll und damit nicht mit einfacher, temporärer Büroreinigungen zu vergleichen. Besonders stossend sei das Vorgehen Mächlers. «Er hat einseitig entschieden, ohne auf die Kritik seiner Angestellten Rücksicht zu nehmen und zudem überstürzt gehandelt», sagt Krummenacher. Wenn der Prozess ordentlich aufgegleist worden wäre, hätten die in der Linie involvierten Personen bereits vor dem Rekrutierungsprozess einbezogen, vor allem aber die betroffenen Aushilfen rechtzeitig informiert werden müssen, findet sie.

Auf eine Einladung des Gartenbadpersonals für eine Besichtigung vor Ort ging er nicht ein. Dafür musste sich Mächler im Beisein mehrerer weiterer Personen im ED an einer Sitzung mit der Gewerkschaft herumschlagen. «Damit frisst sich die geplante, absurd kleine Einsparung gleich wieder auf», sagt Krummenacher.

Das Erziehungsdepartement bestätigt den Vorfall. Sprecher Simon Thiriet spricht von einem «Fehler»: «Aufgrund der Fasnachtsferien wurden die Aushilfen zu spät informiert.» In diesem Jahr würden deshalb die Aushilfen noch einmal für die gesamte Zeit in die höhere Lohnklasse eingeteilt. Thiriet sagt aber auch: «Dass wir vor Saisonbeginn keine ausgebildeten Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer benötigen, ist für uns klar.»

Die Stellen würden im nächsten Jahr neu bewertet – in einem ordentlichen Verfahren. Konflikt ist Programm, denn der VPOD sieht die Arbeiten als deutlich aufwendiger, als es die Funktion Reinigung I beschreibe. Denkbar ist eine Neubewertung der Funktion als Reinigung II. Mindestlohnklasse für diese Arbeit: die Fünf.