Jahr für Jahr in der Weichnachtszeit war die Villa Roseneck am Bundesplatz im Bachlettenquartier besonders schön geschmückt. Dezente Lichterketten umrahmten die zahlreichen Fenster und Türen. Damit ist nun Schluss: Die Stadtvilla steht zum Verkauf. Seit Freitag hängt ein Schild am massiven Eingangstor. Darauf steht: Villenauflösung, Freiverkauf. Ein Zeitungsinserat wirbt zudem mit dem Verkauf von hochwertigen Vitrinenschränken, edlen Sitzgarnituren, Bronzefiguren und zahlreichen, teilweise handsignierten Lithografien von Chagall, Picasso, Miro, Dalì und anderen hochgehandelten Künstlern.

Am Freitagmittag ist die Villa dementsprechend gut besucht. Viele Interessenten wohnen im Quartier. Sie nutzen die Gelegenheit, um einmal in die Räumlichkeiten dieses herrschaftlichen Gebäudes zu blicken. «Uns brachte die reine Neugierde her. Leisten können wir uns die Möbel und Bilder nicht», sagt ein Quartierbewohner. Andere prüfen mit Kennerblick die Jugendstillampen und Orientteppiche. An der Wand hängt ein seltener Druck von Chagall. Der Künstler fertigte ihn 1963 für das schwedische Königspaar an. Verkauft wird er für 18 500 Franken. Daneben steht eine Jugendstillampe für 2 250 Franken und ein Spiegel für 9 800 Franken.

Schlaue Geschäftsidee

Bis vor einigen Monaten lebte die Modeunternehmerin Daniela Spillmann in dieser Villa. «Für mich allein sind die 14 Zimmer aber zu viel» sagt sie. Deshalb entschied sie, es zu verkaufen. «Ich möchte gerne, dass die Räume wieder von einer grossen Familie bewohnt werden, die genauso viel Freude an dem Haus hat wie wir», sagt Spillmann. Die Villa steht für 5,1 Millionen Franken zum Verkauf.

Spillmann hält sich zurzeit in Spanien auf. Mit dem Freiverkauf in ihrer Villa hat sie wenig zu tun. Denn die meisten Möbel und Einrichtungsgegenstände gehören ihr gar nicht. Die Hausherrin stellt nur das Gebäude zur Verfügung. Die Gegenstände kommen aus vielen verschiedenen Haushalten. Spillmann nennt das «eine schlaue Geschäftsidee nach dem Pop-up-Store-Prinzip». Organisiert wird das Event von dem Auktionator Peter Lindenfeld. Er selbst ist anwesend und berät die interessierten Käufer. Er klärt über den Wert der Objekte auf und wird nicht müde zu betonen, dass die Preise durchaus verhandelt werden können. Kurz nach Türöffnung führt Lindenfeld eine lautstarke Diskussion mit einem Händler. Der Mann geht davon aus, dass es sich bei der Inneneinrichtung um die Möbel der Familie Spillmann handelt.

«Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass auch in dem Inserat der Verkauf von Einrichtungsgegenständen aus verschiedenen Villenauflösungen angekündigt wurde. Daraufhin hat er mir beinahe ins Gesicht geschlagen», sagt Lindenfeld. Auch andere potenzielle Käuferinnen und Käufer zeigen sich enttäuscht ob der Tatsache, dass das Haus nicht mehr mit der Originaleinrichtung ausgestattet ist. Handgreiflich wird aber niemand.

Warhol to go

Unter den gut betuchten Besuchern sind aber auch viele begeisterte Käufer. So beispielsweise Olivia Biro. Sie erzählt begeistert von dem seltenen Warhol-Druck, den sie erstanden hat. Er zeigt das Konterfei von Marilyn Monroe und kostet 1 000 Franken. «Warhol war genauso speziell wie ich, deshalb habe ich das Bild ausgewählt», sagt Biro. Ihre Wohnung beschreibt sie als Theaterbühne: «Nichts bleibt lange Zeit, wie es ist. Ich muss immer wieder etwas verändern». Für den Warhol hat sie schon einen ganz besonderen Platz im Kopf: «Ich werde ihn über meinen Teppich aus echtem Zebrafell aufhängen», sagt sie.

Nun muss sie das Werk aber erst sicher nach Hause bringen. Im ersten Stock betrachtet ein älteres Ehepaar derweil zwei versilberte Kerzenständer. Sofort ist Lindenfeld zur Stelle und macht ihnen einen guten Preis. 1 000 Franken für beide. Das Paar ist zufrieden. «Wir kaufen eigentlich immer irgendetwas, wenn wir an solche Freiverkäufe gehen», sagt der glückliche Käufer. Zu Hause werden sie die Kerzenständer auf den grossen Esstisch stellen, wenn sie Gäste haben.