Eigentlich ist es nur eine logische Folge. Nach Wiese und Birs in der Region, aber auch vielen anderen Flüssen in der ganzen Schweiz ist die Reihe nun am Rhein in Basel: Im oberen Teil soll die Natur wieder stärker den Flusslauf bestimmen, zumindest optisch. «Wir haben diesen Abschnitt des Rheins schon länger im Auge», sagt Projektleiter Guido Derungs vom Basler Tiefbauamt. Von einer Renaturierung will er nicht reden, nur von einer «ökologischen Aufwertung».

Zumindest der Hintergrund für das Grossprojekt ist kein ökologischer: Die Birs hat eine grosse Menge Kies in den Rhein geschwemmt, mitten in die Schifffahrtsrinne zwischen Schwarzwald- und Wettsteinbrücke. Diese Woche vermeldeten die Schweizerischen Rheinhäfen, dass sie die Bewilligung für den Aushub des Kiesrückens erhalten haben. Mindestens 20 000 Kubikmeter Material steht damit zur Verfügung. Der Kanton hat klare Vorstellungen, was er mit diesem Material anstellen will. Dies zeigen Dokumente aus der Verwaltung, die der «Schweiz am Wochenende» exklusiv vorliegen.

Buhnen und Inseln sollen die Strömung des Rheins verändern.

Buhnen und Inseln sollen die Strömung des Rheins verändern.

Die eierlegende Wollmilchsau

Die Verwaltung plant nichts geringeres als die steingewordene, eierlegende Wollmilchsau. Für jeden der vielfältigen Nutzer des Bachs ist etwas dabei. Das ist kein Zufall: Die Begleitgruppe ist breit abgestützt, in ihr sitzen unter anderem Vertreter von WWF, Pro Natura, von der IG Rheinschwimmen, von den Pontonieren, den Wasserfahrern und des Galgenfischerverins. Der Grund dafür: So ein Projekt wurde in der Schweiz innerstädtisch noch nie realisiert.

Auf Kleinbasler Seite lässt sich das Vorhaben in zwei Bereiche teilen. Im oberen Abschnitt, zwischen Tinguely-Museum und westlichem Ende der Solitude, hat die Natur Vorrang. Hier soll eine Naturschutzzone entstehen, mit flachem Wasser, kleinen Inseln, Weiden, aber auch kleinen Dämmen, hinter denen die Fische stehen und laichen können. Die Galgenfischer dürfen mit der Sanierung von Wehren rechnen.

Weiter unten, entlang des Schaffhauserrheinwegs und bis zur Wettsteinbrücke, wird der Kies grossflächiger ausgeschüttet: «Es soll einen kleinen Strand geben, der zum Verweilen einlädt», sagt Derungs. Anlagen und Feuerstellen sind hingegen am baldigen Hotspot für Schwimmer nicht geplant. Auch hier werden Flachwasserzonen dazu führen, dass sich einst zahlreich vorhandene Fischarten wieder heimischer fühlen. Invasiven Grundeln hingegen treffen so weniger ideale Bedingungen an. Derungs hofft, dass damit auch manch Vogelart zurückfindet, dass sich etwa der Flussläufer blicken lässt, zumindest in den Morgenstunden. Auch auf der anderen Seite des Rheins sind auf aktuellen Plänen kleine Strandabschnitte eingezeichnet, so etwa zu beiden Seiten des Rheinbads Breite.

«Die Firma LIFE Science AG berät uns in ökologischen Fragen», sagt Derungs. Auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) findet Gefallen am Vorhaben und wird aller Voraussicht nach einen Drittel der Kosten übernehmen. Diese schlagen mit insgesamt geringen rund zwei Millionen zu Buche – unter anderem auch deshalb, weil die Schweizerischen Rheinhäfen das Material gratis an die benötigten Stellen bringen.

Vorgesehen ist die Umgestaltung entlang des Abschnitts zwischen Schwarzwaldbrücke (rechts) und Wettsteinbrücke.

Vorgesehen ist die Umgestaltung entlang des Abschnitts zwischen Schwarzwaldbrücke (rechts) und Wettsteinbrücke.

Schwimmer rücken zur Mitte

Die abwechslungsreicheren Strömungsläufe in Ufernähe dürfte den Waidlingskapitänen neue Routen bescheren. Doch auch das Rheinschwimmen wird anspruchsvoller: «Wir werden wohl ein bisschen in Richtung Rheinmitte gedrängt», sagt Vinzenz Winkler, Präsident der IG Rheinschwimmen. Die tiefere Schifffahrtsrinne führe wohl auch zu einer stärkeren Strömung. «Eine grosse Änderung ist das nicht», sagt er. Lobend erwähnt er dafür die neuen Liegemöglichkeiten oberhalb der Wettsteinbrücke, die einem Bedürfnis entsprächen. «Einzig beim Rheinbadhäuschen Breite habe ich Angst, dass dies verlanden könnte», sagt Winkler. Diese Bedenken kann er in den Workshops einbringen, die das Tiefbauamt derzeit mit Betroffenen durchführt. Danach geht das Vorhaben in die kantonsinterne Planvorlage. «Es können sich also noch Änderungen ergeben», wie Daniel Hofer, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements anmerkt.

Voraussichtlich nächstes Jahr soll das konkrete Projekt vorgestellt werden, heisst es. In den Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, ist der Zeitplan skizziert: Bewilligung im Frühling, Umsetzung im Sommer und Herbst nächsten Jahres.

Auch nach Abschluss der Umgestaltungen ist die Arbeit noch lange nicht getan: In den Folgejahren will der Kanton den Kies genau beobachten. Immerhin soll er auch ein Hochwasser überdauern, wie es nur alle hundert Jahre vorkommt. Fällt das Fazit positiv aus, dürften der Ufer-Umgestaltung noch weitere folgen.