Sapperlot, war das lange ruhig um diese Band. Die letzten Aktivitäten liegen soweit zurück, dass man sich nicht wundern würde, wenn die Suchmaschine bei der Eingabe der Stichwörter «Fucking Beautiful» und «Musik» auf eine Myspace-Seite verweisen würde. Denn tatsächlich lag diese Basler Band jahrelang auf Eis. Eingefroren in einer anderen Zeit, still und heimlich. Für uns: bedauerlich.

Denn die Indieband mit Glampunk-Attitüde war das Leidenschaftsding von Baschi Hausmann. Im Jahrtausend davor noch Mitgründer und exzentrischer Bassist der Lovebugs, rief er 2002 Fucking Beautiful ins Leben, sein ganz eigenes Bandprojekt. Roh, frech, frisch und sexy.

Bald zog es den schweizerisch-britischen Doppelbürger zusammen mit seiner Lebenspartnerin Martina Böhler nach England, wo er sein Glück in London suchte, nach einem guten Jahr leicht ernüchtert zurückkehrte, aber noch lange nicht aufgab: Vier Alben veröffentlichten Fucking Beautiful über die Jahre, mal als Trio, mal als Quintett, flankiert vom Akustikprojekt Blood of Gold. Beide Formationen waren in Basel bestens etabliert.

Dann plötzlich diese Funkstille. Einer der Gründe: Baschi Hausmann war es müde geworden, den Bandkarren zu ziehen. Hinzu kam der Bruch in seiner Beziehung, die Trennung mit Martina Böhler, die ebenfalls zur Zäsur beitrug.

Feuer und Flamme

Und jetzt also ein Comeback. Fucking Beautiful sind wieder vereint. Dem liegt ein Zufall zugrunde: Hausmann heiratete vor zwei Jahren. Weil er seine Frau mit einem Ständchen überraschen wollte, fragte er Beni und Bulli Bürgin an, seine Rhythmussektion aus Anfangstagen. «Ohne zu proben spielten wir einen Song, den ich für meine Frau geschrieben hatte», erzählt Hausmann. «Das machte Lust auf mehr.» Das Trio war Feuer und Flamme.

Dabei war Hausmann in diesen zehn Jahren nicht untätig geblieben. Er rief an seinem Arbeitsplatz, der Kontakt- und Anlaufstelle für Suchtkranke, die Band Stoffwechsel ins Leben, schenkte so musikalischen Klienten Motivation. Zudem wirkte er bei der neu gegründeten Basler Band The Jimmy Miller Incident mit, für die er auch Songs schrieb.

Doch viele seiner Ideen landeten einfach in der Schublade. Bis, ja, bis er diese nach dem Hochzeitsfest aufmachte, angespornt, neue Songs zu schreiben. Es folgten kleine Konzerte in kleinen Basler Bars, für die Hausmann die Plateauschuhe wieder aus dem Schrank holte. «Die Reaktionen zeigten, dass die Leute unsere Musik noch immer mochten», sagt Hausmann, «Und weil wir selber die neuen Songs super fanden, nahmen wir sie in den One Drop Studios auf.»

Es ist ein befreiendes Album geworden, das im Frühling erscheinen wird. Wohl auch, weil sich da einiges aufgestaut hat bei Baschi Hausmann. Wir leben in gefährlichen Zeiten, stellt er in «These are Dangerous Times», einem der neuen Songs, fest und tritt darin verhassten Politikern in den Hintern: «Politicians are Terrorists», singt er, «they don’t need no more Power, they need a kick in the Arse.»

Tiefgang und Punkakkorde

Der Populismus beunruhigt ihn. «Es ist an der Zeit, dagegen zu halten, auch in Songtexten», sagt er und erwähnt, dass er das bei vielen jungen Bands vermisse. «Wo bleiben eigentlich die britischen Bands, die sich zur desaströsen Politik in ihrem Land äussern?»

Nicht nur Populisten, auch Rassisten und Sexisten möchte er mit seinen Songs das Maul stopfen. Es sind die konservativen Strömungen, die ihm zu denken geben, «gerade der Populismus hängt doch eng mit der mangelhaften Emanzipation der Männer zusammen», sagt er. Die Unfähigkeit, offen über Sexualität zu reden, über homoerotische Träume auch, thematisiert er etwa in einem anderen Song, «Sex And Violence». Und führt im Gespräch aus, wie unterdrückte Sexualität aber auch der Irrglauben der Unfehlbarkeit direkt zu Frustrationen, Machtdemonstrationen und schliesslich einem Donald Trump führen. Wie wahr.

Beneidenswert ist die Tatsache, dass Hausmann spielend ernsthafte Gedanken mit juvenilem Schalk kombiniert, sich eine punkige Leichtigkeit im Songwriting bewahrt hat, ohne auf Tiefgang zu verzichten.

Davon kann man sich schon vor der Albumtaufe am 1. Mai (Hirschi Open Air) überzeugen: Am Freitagabend spielen Fucking Beautiful im Sud, feiern bei dieser Gelegenheit die Premiere ihres neuen Videoclips «Beelzebub». Damit nicht genug: Im Anschluss daran steht Hausmann auch noch mit The Jimmy Miller Incident auf der BScene-Bühne. Wenn schon, dann richtig Rock’n’Roll. Das trifft bei ihm noch immer zu.

Fucking Beautiful live: Freitag, 1.2., 21:15 Uhr, Sud, Basel (an der BScene).