Basler Fasnacht

Aufgeladener Sonntag in Basler Innenstadt: Gibt es einen Morgestraich trotz Morgestraich-Absage?

Trotz Fasnachtsverbot: In der Basler Innenstadt trafen sich am Sonntagabend Hunderte Fasnächtler zum Eintrinken statt Einpfeifen – und schmiedeten Morgestraich-Pläne.

Nein, ruhig wird es diese Fasnacht nicht. Das zeigte sich schon am Sonntagabend, als in Basel das traditionelle Laterneneinpfeifen hätte stattfinden sollen. Die Innenstadt war trotz Fasnachtsabsage und Massenveranstaltungsverbot voll. Hier ein Grüpplein, dort eine Clique, sie standen vor Restaurants, Boutiquen, in Innenhöfen und machten sich trotz Verbot für einen Morgestraich parat. Irgendeinen Morgestraich halt, egal ob die Lichter brennen würden oder nicht, und sei es nur eine Gedenkminute an die abgesagte Basler Fasnacht. Die städtische Stimmung an diesem Funkensonntag, der traditionell dem Morgenstreich vorangeht, war geladen – Vorsichtsmassnahmen des Corona-Virus’ wegen hin oder her.

Entsprechend liess sich auch Pia Inderbitzin, Obfrau des Basler Fasnachts-Comités, noch am Sonntag verlauten, dass wohl mit Aktionen in irgendeiner Form am Morgestraich gerechnet werden müsse, wie sie gegenüber dem Fernsehen SRF sagte. Damit nahm sie auf, was am Sonntag in vielerlei Hinsicht zu vernehmen war.

Die Fasnacht lässt sich noch nicht ganz aufhalten

Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) formulierte noch am Freitag, dass die Fasnächtler gebeten wären, keine Schlupflöcher in Gesetzestexten zu suchen. Dennoch kursierte in der Szene bereits das kantonale Flugblatt für Strassenmusiker – diese dürften an den definierten Ecken und zu definierten Zeiten auch während der abgesagten Fasnacht spielen. «So viele Leser wie jetzt hatte dieses Info-Blättchen zur Strassenmusik wohl noch nie», kommentierte einer am Spalenberg, der wie so viele Fasnächtler zurzeit lieber nicht mit Namen zitiert werden will. Ein anderer sagte, er überlege sich schon mal mit einer Gitarre und Halblarve an die Ecke beim Hutladen zu stehen und Bängg aus den Siebzigern zum Besten zu geben.

Im Restaurant Harmonie bei der Universität, einer der Hochburgen der Fasnachtsszene, zeugte einzig die zivile Kleidung von Unfasnächtlichem. Der Rest war schon am Sonntag wie während der «drey scheenschte Dääg». Üppige Dekoration, hoher Geräuschpegel, ein Service auf Zack und sogar der warme Stubengeruch passte. A propos Geräuschpegel: Der war in der Altstadt trotz ausbleibenden Piccoloklängen so hoch wie an einem sehr gut besuchten Bummelsonntag – trotz Krisenstimmung und trotz behördlich erlassener Vorsichtsmassnahmen.

Baselbiet griff umgehend durch, Basel wartete noch ab

Derweil im Rosshof nebenan die Aagfrässene ihre Laternen ausstellten. Die Sujets sind aktuell gehalten – bei der Jungen Garde etwa der Brand von Notre Dame in Paris –, und damit nicht auf eine allfällige Verschiebung oder gar auf nächstes Jahr hin ausgelegt. Dies im Gegensatz zu anderen Stammvereinen, die mit der Begründung «zeitlosere Themen» ihre Laternen zurzeit nicht der Öffentlichkeit zeigen wollen.

Ob und wie die Basler Behörden auf allfällige Verstösse gegen die auferlegten Fasnachtsverbote reagieren, hielten sie sich am Sonntagabend noch offen. Wie Regierungssprecher Marco Greiner sagte, kommuniziere man bis am Montag vorerst nicht. Dies im Gegensatz zur Baselbieter Regierung, die mit einem rigiden Ausschankverbot die Gemeinden Liestal und Sissach in die Schranken wies. Von Sonntagnacht bis Montagmorgen durften die dortigen Beizen weder Speis noch Trank servieren, weil die Bevölkerung trotz Verbots an Umzügen teilgenommen hatte.

Schnitzelbängg geben sich digital und «virenfrei»

Die Aufhebung der Fasnachtszone hatte in den vergangenen Tagen bereits zur Folge, dass nun Schnitzelbängg in jeglicher digitalen Form unter die Leute gebracht werden. Zurzeit kursieren auf Social Media diverse Aufnahmen von Bängg in Vereinskellern und an Stubeten, die in möglichst «steriler» Umgebung die gestrichenen Auftrittsmöglichkeiten in Lokalen wettmachen wollen.

Das Schnitzelbank-Comité organisierte entsprechende Aufzeichnungen der eigenen Bängg. Aufgenommen wurde ohne Publikum noch am Sonntagabend, «garantiert virenfrei». Die Bängg werden am Montagabend publiziert. Laut Obmann Edi Etter «ein kleiner Trost für Bänke und Publikum für die abgesagten Veranstaltungen.»

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