Der Stolperi hat so eine Eigenart. Immer wenn er «Pferd» hört, denkt er an einen Zigeunerspiess. Und er denkt sich: Nur ein grilliertes Pferd ist ein gutes Pferd. Allerdings verdrängt er diesen Reflex meist erfolgreich, weil ihm dann in den Sinn kommt, dass die Haltung von Schlachtpferden überdurchschnittlich oft tierquälerisch ist. Da können die Chaisen-Pferde vom Glück reden, werden sie nicht in Ungarn oder Südamerika gehalten. Ein paar Stunden am Cortège müssen sie erdulden, dazwischen Erholung in Ruhezonen und eng betreut werden sie auch noch, bevor es zurückgeht in die ruhige Koppel irgendwo auf dem Land. Und doch reicht das einigen Tierschützern nicht. Sie wollen zwar nicht die Chaisen verbieten, aber die Rösser, die sie ziehen.

Eine Tradition soll dem Pferdewohl geopfert werden. Ob da der vegane Zeitgeist mitschwingt, der Trend zur Vermenschlichung von Tieren oder die Forderung eben doch gerechtfertigt ist, vermag der Stolperi nicht abschliessend zu beurteilen. Er hat gesehen, wie zwei Pferde reagiert haben, als ein fasnachtsferner Vollidiot wenige Meter daneben einen Böller zündete: nämlich fast gar nicht. Ein kurzes Zusammenzucken, mehr nicht. Der Stolperi ist dafür zünftig erschrocken und fragte sich, ob die Rösser wohl auf Valium sind? Wenn ja, hätten sie am Mittwochabend auch die Demo der Tierschützer stoisch ertragen. Doch diese wurden von Baschi Dürr von Fasnacht und Chaisentreffen ferngehalten. Ein richtiger Entscheid, denn die Fasnächtler verstehen eher weniger Spass, wenn es um sie selber geht.

Das Thema wird ganz sicher auch die nächsten Fasnachten prägen. Es würde nicht überraschen, wenn das Verbot eines Tages käme. Aber nicht wegen der Rösser, sondern wegen eines anderen gesellschaftlichen Phänomens: der Forderung nach absoluter Sicherheit. Sollten, wie in Köln, die Gäule tatsächlich mal durchgehen und für Verletzte sorgen, dann ist es mit den pferdebetriebenen Chaisen vorbei.

Wahrscheinlich reicht es schon, wenn Kevin-André oder Chantalle-Bijoux deren heillos überforderten Helikopter-Eltern entwischen, die Warnrufe wegen des Pamirs auf den Ohren nicht hören und im Dääfeli-Wahn unter die Hufe geraten. Irgendein Anwalt wird das Fasnachts-Comité und die Behörden dann noch so gerne beschuldigen, grobfahrlässig gehandelt zu haben. Und wenn er gleich dabei ist, wird er auch noch eine Nebenklage wegen der abgelaufenen Süssigkeiten einreichen. Da nützt auch kein Weltkultur-Label der Unesco.

Der Stolperi will nun aber nicht den Teufel an die Wand malen, sondern die letzten Stunden der Fasnacht geniessen. Seine Fasnacht ist friedlich, harmonisch, romantisch, lustig, nachdenklich und melancholisch. Keine zehn Rösser können ihn davon abbringen. Und auch kein aktivistischer Polizist, der nebenbei einen Gnadenhof betreibt. Sicherheitshalber sei Pferd und dessen Schützer versichert: Einen Zigeunerspiess, nein, den isst er nicht.