Wirtschaftsgymnasium

Aufstand in Trainerhosen – Abschlussklasse ruft zu Protest gegen die Kleiderordnung auf

Die Klasse G6X hat alle Schüler aufgerufen, gegen die Kleiderordnung zu verstossen. Sie hat die Nase voll von den starren Vorschriften am Wirtschaftsgymnasium.

Im Visier steht die Kleiderordnung des Basler Wirtschaftsgymnasiums (WG). Die Maturanden zetteln in ihrer letzten Schulwoche vor den Prüfungen eine kleine Revolte an. Sie rufen alle Schüler dazu auf, am Freitag in Trainerhosen zum Unterricht zu erscheinen.

In ihrer letzten Schulwoche vor den Maturprüfungen zettelt die Klasse G6X eine kleine Revolte an. Sie hat die Kleiderordnung des Basler Wirtschaftsgymnasiums (WG) im Visier. Hier steht: «Die Kleidung ist der Ausbildungssituation einer weiterführenden Schule angepasst. Ausserhalb des Sportunterrichts wird daher keine Sportkleidung getragen.» Die Maturanden haben nun alle Schüler des Wirtschaftsgymnasiums, der Wirtschaftsmittelschule und der Informatikmittelschule dazu aufgerufen, heute Freitag in Trainerhosen zum Unterricht zu erscheinen.

Ein Banner mit der Aufforderung hängt im Eingangsbereich des Wirtschaftsgymnasiums, am Donnerstagabend wurde die Schulleitung über die Pläne informiert. Max Schmid ist einer der Maturanden, die zum Protest aufrufen. Er erhofft sich einiges vom heutigen Tag: «Sehr viele haben zugesagt, dass sie mit den Trainerhosen in die Schule kommen werden», sagt er.

Bei vielen Wirtschaftsgymnasiasten sorgt die Kleiderordnung seit längerem für Unmut. Das WG ist das einzige Gymnasium in Basel, das ein Trainerhosenverbot kennt (siehe Box). Schmid sagt: «Wer mit dem Trainer in die Schule kommt, der wird zurechtgewiesen.» Es seien auch schon Schüler aus dem Unterricht ausgeschlossen worden, weil sie sich nicht an die Kleiderordnung gehalten hätten.

Dass das WG als einziges Gymnasium eine solche Regel kennt, halten die Schüler für überholt. «Das Argument, wonach man nach der Matur auch nicht mit Trainerhosen rumlaufen könne, stimmt nicht», sagt Schmid. An der Uni gälten schliesslich auch keine Kleidernormen. Kurzum: Ein Trainerhosenverbot sei veraltet. Schliesslich sei dieser Stil heute nicht mehr nur auf den Sportplätzen en vogue.

Im Mail an die Schulleitung schreiben die Protestler: «Die Modewelt ist in einem ständigen Wandel. Was vor ein paar Jahren noch als Sportkleidung angesehen wurde, kann heute als Alltagskleidung angesehen werden.» Jeder Schüler solle deshalb frei entscheiden dürfen, was er anziehe.

«Leo» trat die Debatte los

Die Schulleitung des Wirtschaftsgymnasiums schien gestern Nachmittag noch nicht im Bild zu sein über den Schülerprotest. Rektor Patrick Langloh liess über Simon Thiriet, den Sprecher des Erziehungsdepartements (ED), ausrichten, dass es sich um den traditionellen Maturstreich handle. Es komme immer wieder vor, dass Maturklassen in etwas extravaganter Kleidung erschienen.

Tatsächlich befinden sich die Maturanden derzeit in den Themenwochen: Montag war Bad-Taste-Day, dann folgten beispielsweise Strand-Outfits, einmal war der Business-Look angesagt. Morgen aber ist der erste Tag, der mit einer konkreten Forderung an die Schulleitung verbunden ist.

Die Debatte um Kleidernormen für den Schulunterricht findet in Basel nicht zum ersten Mal statt. Zwei Jahre ist es her, dass der Rektor des Gymnasium Leonhards die Idee hatte, ein Trainerhosenverbot einzuführen. Kritik an den Plänen erwuchs aus der Lehrerschaft – vor allem aber von den Schülern selbst. Letztlich liess sich das Verbot nicht durchsetzen: Mittlerweile ist das Thema am «Leo» vom Tisch, wie Thiriet bestätigt.

Am Wirtschaftsgymnasium weht ein anderer Wind. Thiriet sagt, es gäbe an der Schule schon längere Zeit Richtlinien. So ist auch nicht erlaubt, im Unterricht Mützen zu tragen, die Schüler müssen ihre Jacken und Mäntel ausziehen. «Das Gymnasium hat ja traditionell enge Verbindungen zur Wirtschaft», sagt der ED-Sprecher.

Es gebe hier Projektwochen, Hausmessen und Start-Up-Wettbewerbe. In diesem Rahmen sei die Kleiderordnung festgelegt worden. «Genau gleich, wie man das in der Arbeitswelt auch macht – im gleichen Gebäude befinden sich auch Klassen der Wirtschafts- und Informatikmittelschule, deren Schüler im vierten Schuljahr in einem Betrieb arbeiten», sagt Thiriet. Er signalisiert dennoch Verhandlungsbereitschaft. «Sollte die ganze Diskussion über den diesjährigen Maturstreich hinaus gehen, dann wird sich die Schulleitung der Sache unaufgeregt annehmen», verspricht er.

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