Auftritt in Basel
Alain Berset sorgt sich um die Schweizer Demokratie

Der Innenminister warb vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft für seine Covid-Politik - und sieht mancherorts fehlenden Respekt und Anstand.

Patrick Marcolli 8 Kommentare
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Bundesrat Alain Berset stattete Basel am Montagabend einen Besuch ab.

Bundesrat Alain Berset stattete Basel am Montagabend einen Besuch ab.

Roland Schmid

Die Statistisch-Volkswirtschaftliche Gesellschaft mausert sich zur beliebtesten Basler Veranstalterin für Bundesrätinnen und Bundesräte: Erst kürzlich rechtfertigte sich Justizministerin Karin Keller-Sutter (FDP) vor den Gesellschaftsmitgliedern im Namen der Schweizer Regierung für das Scheitern des Rahmenabkommens mit der EU. Am Dienstagabend nun war es an Innenminister Alain Berset (SP), etwas Hauptstadt-Glamour ans Rheinknie zu bringen.

Und er tat dies gewohnt galant und humorvoll. So bemerkte er einleitend, dass Novartis nach dem Verkauf des Roche-Aktienpakets nun endlich genug Geld habe, um auf dem Campus im St. Johann endlich richtige Türme bauen zu können. Wobei, wie Berset schmunzelnd anführte, es hoffentlich andere Hochhäuser würden als jene von Roche: nämlich solche mit einem «weniger ungünstigen Bodymass-Index», also nicht oben dünn und unten dick.

«Unser Ziel ist nicht die Verlängerung der Notlage»

Seine Ausführungen wurden aber rasch ernsthaft, als es um die kommenden Abstimmungen vom 28. November ging. Berset warb eindringlich für ein Ja zum revidierten Covid-Gesetz. Er betonte, dass der Bundesrat damit - entgegen der Unkenrufe der Kritiker - sogar Macht abgebe und nicht weiter akkumuliere: «Unser Ziel ist nicht die Verlängerung der Notlage, im Gegenteil», sagte Berset. Das Gesetz biete unter anderem die Grundlage für die Covid-Zertifikate - und das erst noch zeitlich begrenzt.

Nur «wenn pandemisch absolut notwendig» würde diese Massnahme über das Ende des kommenden Jahres verlängert werden. Ein Nein zum Gesetz, so liess Berset durchblicken, würde gerade im Zertifikatsbereich einen Scherbenhaufen hinterlassen und insbesondere die Reisemöglichkeiten der Schweizer ins Ausland gefährden.

Ein zerbrechliches Gut

Sorgen bereitet dem Sozialdemokrat die Debattenkultur. «In den vergangenen Wochen lagen die Nerven in gewissen Kreisen blank.» Es sei sogar zu Gewalt gekommen. Die Demokratie sei ein zerbrechliches Gut: «Wir müssen wach und achtsam bleiben», sagte der Innenminister. Gerade in einem Land, das von seinem Pluralismus und seiner Vielfalt lebe. Und Berset wies die sehr zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer im neuen Hotel Mövenpick zum Schluss auf eine Tatsache hin: «Wir sind das einzige Land auf der Welt, in dem in diesem Jahr schon zwei Mal über eine Covid-Gesetzgebung abgestimmt werden konnte.»

8 Kommentare
Tobias Suter

Berset ist momentan der beliebteste Bundesrat nach Umfragen und er macht einen super Job. Wir sind ein freies Land, werden Sie doch Bundesrätin und machen es besser. 

Thomas Zweidler

"Alain Berset sorgt sich um die Schweizer Demokratie" - und mindestens 1/4 der Schweizer Bevölkerung sorgt sich aber um die Schweizer Demokratie WEGEN Berset und sieht in den Zertifikaten, Apps, dem Scannen usw... eine grosse Entsolidarisierung. Die Scherben sind gemacht - mit solcher Politik. Die vielen Mitbürger kann man nicht einfach wegwischen. Und bis die Schweiz wieder vereint ist, kann es noch sehr lange dauern. Ein unguter Zustand von "Medienliebling", "Medienstar" und "Hätschelkind" Berset - empfinde ich sehr.

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