Coronavirus

Aus für den «Vierten König»: So heftig wälzt Corona die Basler Gastroszene gerade um

Die Gastro leidet unter der Coronakrise. Der «vierte König» hat den Betrieb eingestellt – weitere werden wohl folgen.

Die Gastro leidet unter der Coronakrise. Der «vierte König» hat den Betrieb eingestellt – weitere werden wohl folgen.

Die Basler Traditionsbeiz «Vierter König» an der Rheinpromenade gibt als erste den Betrieb auf – andere geben sich kämpferisch. Kaum eine andere Branche ist vom Coronavirus so stark betroffen wie die Gastronomie. Von den im März über 350 neu gemeldeten Arbeitslosen in Basel-Stadt arbeitet der grösste Teil in Restaurants oder Hotels.

Nun gibt das erste namhafte Restaurant der Stadt bekannt, dass es nach der Krise die Türen nicht wieder öffnen wird. Der «vierte König» an der Rheinpromenade schliesst «per sofort aufgrund der aktuellen Situation rund um Covid-19», wie aus einer internen Mitteilung hervorgeht. Künftig wird sich die Firma St. Jakobskellerei, der die Beiz gehört, auf das Kerngeschäft, den Weinvertrieb, konzentrieren.

Michael Schöpfer von der St. Jakobskellerei sagt, dass die dauerhafte Schliessung des «vierten Königs» bereits vor der Coronakrise zur Debatte gestanden habe – weil die Schuler-Gruppe künftig den Schwerpunkt auf das Weingeschäft legen wolle. Dies, obwohl das Restaurant in der Basler Gastro-Szene bekannt und gut besucht worden ist. Geld verdienen liess sich bereits vor der Krise damit allerdings kaum noch: In der Mitteilung ist davon die Rede, dass der «vierte König» aus ökonomischen Gründen «nicht mehr im Fokus» der Betreibergruppe gestanden habe.

Gastrobetreiber haben eigenes Geld reingesteckt

Noch haben keine anderen Basler oder Baselbieter Restaurants krisenbedingt Insolvenz angemeldet. Es ist aber anzunehmen, dass weitere Beizen schliessen werden – solche, die sich bereits vor der Krise von Monat zu Monat gehangelt haben, was die Begleichung der Rechnungen angeht. Das Problem sind derzeit vor allem die Mietkosten, währenddem die Gehälter der Angestellten durch die Möglichkeit der Kurzarbeit abgedeckt sind. Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt sagt, dass der wirtschaftliche Schaden des Lockdowns bei rund 15 bis 30 Prozent des Umsatzes liege. Das ist viel, wenn man bedenkt, dass die Gewinnmargen im Gastrobereich ohnehin sehr klein sind. Ebneter glaubt gleichwohl, dass die meisten Beizer versuchen werden, den Betrieb aufrechtzuerhalten. «Sie haben viel Geld investiert, etwa in den Umbau des Lokals oder in die Infrastruktur. Sie werden kämpfen, weil sie ihr Geld oder das ihnen nahestehender Personen investiert haben», meint er.

Es dürfte ein harter Kampf werden, vor allem in der Innenstadt. Selten gehören die Liegenschaften heutzutage den Beizern selbst – und die grossen Firmen, welche zu einem Grossteil in Besitz der Immobilien der Pächter sind, zeigten sich oft stur, wenn es um Mietzinserlasse ginge, wie Ebneter sagt.

Die Basler Beizer sind derzeit nervös

Nervosität macht sich selbst bei den einflussreichsten Gastrounternehmern Basels breit. Raphael Wyniger von der Wyniger Gruppe, der unter anderem der Teufelhof gehört, lässt schriftlich ausrichten, dass er der Zukunft «zuversichtlich entgegenblickt». Im vorangegangenen Gespräch reagierte er aber gereizt, als er danach gefragt wurde, ob er Entlassungen tätigen müsse. «Das sind Interna, über die ich in der Öffentlichkeit keine Auskunft gebe», stellt er klar. Immerhin hält er fest, dass die Wyniger Gruppe auf Reserven zurückgreifen könne, so dass derzeit keine Standortschliessungen geplant seien.
Ebenfalls zweckoptimistisch gibt sich Jérôme Beurret von der Gruppe Rhyschänzli. «Was vor sich geht, ist zwar bedrückend, aber wir gehen deswegen nicht unter». Dies dank der Unterstützung durch den Bund, welche die Personalkosten übernehme.

Beurret geht davon aus, dass der Lockdown demnächst insofern gelockert wird, dass die Restaurants die Türen unter Einhaltung der Social-Distancing-Vorgaben wieder öffnen können. Euphorisch stimmt ihn das nicht. Wenn im Rhyschänzli nur dreissig statt sechzig Kunden bedient werden könnten, sei der Umsatz auch reduziert. Was letztlich die Konsequenzen der Coronakrise für die Basler Gastro-Szene seien, darüber will er nicht spekulieren. «Momentan ist es dafür noch zu früh», meint Beurret.

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