Die Poststelle im Gellert wird verschoben, im Niederholz in Riehen werden die Postfächer entfernt und die Öffnungszeiten eingeschränkt, wenn Ende September die Gundeli-Post aufgeht nach dem Umbau, wird die Post St. Margrethen geschlossen. Zur Agentur wird die Schänzli-Post in Muttenz, in Ormalingen wird sie zur Agentur im Milchhüsli, die Frenkendörfer Post ereilt auch das Agentur-Schicksal und in Binningen wird die Poststelle Schafmatten voraussichtlich im 1. Quartal 2014 ebenfalls eine Agentur.

Poststellen nehmen rasant ab

Das sind nach Angaben der Post die aktuellen «Entwicklungen» des Verkaufsnetzes. Seit vielen Jahren sucht das Unternehmen, eine 100-Prozent-Tochter des Bundes und seit kurzem eine Aktiengesellschaft, nach Sparmöglichkeiten, baut darum Poststellen ab und dafür Agenturen auf. Die Tätigkeitsberichte der eidgenössischen Postkommission dokumentieren dies in Zahlen für die gesamte Schweiz.

Und was das Bauchgefühl für die Region betrifft, bestätigen die Zahlen der Post dieses zumindest teilweise. In Basel ist die Zahl der Poststellen mit umfassendem Angebot zwischen 2007 und 2013 von 26 auf 19 gesunken, im Kanton Baselland um 18 auf 44. Dafür ist die Zahl der Agenturen in Bäckereien, Dorf- und Quartierläden sowie Apotheken gestiegen. Insgesamt ist die Zahl der Kontaktstellen gewachsen: in der Stadt um 4 auf 30, im Landkanton um 2 auf 93. Die Kritik am Um- und Abbau hat nicht abgenommen. Im Gellert beispielsweise formierte sich bereits einen Tag nach Bekanntgabe der Widerstand, wie «Onlinereports» vermeldete.

Quartiere wollen Post behalten

Und in Riehen wehrten sich die Anwohner mit einer Petition gegen den Abbau. Die Basler SP-Grossrätin Franziska Roth-Bräm – sie wohnt selber in Riehen – hat wegen der Poststellenschliessungen eine Interpellation eingereicht. Mit der Antwort der Regierung, sie sehe die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Postdienstleistungen nicht gefährdet, ist die Interpellantin jedoch gar nicht zufrieden: «Ich habe den Eindruck, die Regierung stützt das Vorgehen der Post.» Der Service werde schlechter. «Man hat den Eindruck, die Post möchte sich überflüssig machen», sagt Roth. Im Übrigen handle es sich beim Niederholz um ein wachsendes Quartier.

Denn obwohl die Öffnungszeiten in den Agenturen meist besser sind als zuvor in den Poststellen, gibt es auch Kritik. Zum Beispiel auf dem Bruderholz, wo die Agentur seit rund drei Jahren in Betrieb ist. Beim Neutralen Quartierverein (NQV) gingen schon Klagen ein, das Angebot sei nicht gross genug. Und aus eigener Erfahrung berichtet Balz Briner vom NQV: «Wenn man dann ständig ansteht in der grösseren Poststelle, kann das auch nicht die Lösung sein.»

Bei der Post stösst die Kritik am Abbau auf wenig Gehör. «Wir sind bemüht, die Wartezeiten kurz zu halten», sagt Mediensprecher Erich Schmid. Die fehlende Möglichkeit, mit Bargeld Einzahlungen zu erledigen, hänge mit dem Geldwäschereigesetz zusammen. Auch in wachsenden Gemeinden mache man die Erfahrung, dass die Dienstleistungen der Post weniger in Anspruch genommen werden. «Jüngere Nutzen das Angebot nicht so häufig wie die Elterngeneration», sagt Schmid. «Die Weiterentwicklung des Poststellennetzes ist eine Daueraufgabe.» Entscheidend sei letztlich, wie häufig und wie gut das Angebot einer Poststelle genutzt werde.