Es soll ein kleiner Befreiungsschlag für die Läden in der Basler Innenstadt werden. Sagt das Stimmvolk am 25. November Ja zur Änderung des Gesetzes über öffentliche Ruhetage und Ladenöffnung, könnten Geschäfte in Basel-Stadt – sofern sie dies möchten – an Samstagen und an Tagen vor einem Feiertag zwei Stunden länger geöffnet bleiben, also am Samstag bis 20 Uhr.

Ursprung ist eine Motion von SVP-Grossrat Joël Thüring. Er gab an, dass die Läden mit liberalisierten Ladenöffnungszeiten dem Einkaufstourismus und dem Onlinehandel besser entgegentreten könnten. «Jetzt ist an Samstagen bereits um 17 Uhr tote Hose. Die Verlängerung würde mehr Leben in die Innenstadt bringen», ist Stephan Schiesser, Confiseriebesitzer am Marktplatz, LDP-Grossrat und Mitglied des Ja-Komitees, überzeugt.

Für ihn ist klar: Er würde den Laden im Erdgeschoss und den Tea-Room im ersten Stock bis 20 Uhr geöffnet lassen. «Das würde sich positiv auf den Umsatz auswirken. Zudem sind die Leute am Samstag trinkgeldfreudiger. Und ich denke, dass alle davon profitieren, auch Restaurants und Bars, weil die Leute länger in der Stadt bleiben.»

Punktuell länger öffnen

Schiesser gibt an, dass «alle kleinen Läden» für diese Liberalisierung seien. Korrekt ist dies indes nicht. Unter den Ladenbesitzern macht sich immer mehr Skepsis breit, je näher der Abstimmungstermin rückt. So sagt etwa Andi Schwarz, Inhaber des Hutladens Schwarz Modes am Spalenberg: «Eigentlich sollte ich ja sagen, dass das eine super Sache ist. Und grundsätzlich ist das eine Liberalisierung ja auch. Aber die Abstimmung schiesst am Ziel vorbei.»

Bei einem Ja des Stimmvolks würden vor allem der Grosshandel, die Warenhäuser, nicht aber die «Kleinen» profitieren: «Die meisten haben nicht die finanziellen Mittel und auch nicht die personellen Kapazitäten, um am Samstag oder vor Feiertagen zwei Stunden länger geöffnet zu haben,» sagt Schwarz weiter. Deshalb nehme er nicht an, dass diese Läden länger geöffnet haben würden.

Und das scheint nicht nur auf die kleinen Geschäfte zuzutreffen. Roger Rittscher, Geschäftsführer des Globus in Basel, sagt auf Anfrage: «Wir begrüssen jegliche Art von Liberalisierung. Trotzdem würde der Globus Basel dann nicht permanent an den Samstagen bis 20 Uhr geöffnet sein.» Er begründet dies damit, dass «wir wohl mehr oder weniger die Einzigen im Grossbasel wären, dann ist das für den Kunden nicht spannend. Er will beim Shopping eine Auswahl.» Rittscher sagt aber weiter, dass Globus diesen neuen Spielraum während Messen etwa schätzen würde, um an Samstagen punktuell länger geöffnet zu haben.

Die Stadt Basel ist mit ihrer Politik, die Ladenöffnungszeiten am Samstag auf 18 Uhr zu beschränken, nicht weniger liberal als andere Städte in der Schweiz. Im Gegenteil: In St. Gallen sind die Läden nur bis 17 Uhr geöffnet. Dasselbe gilt auch für Zürich und Bern. In Luzern, der beliebten Destination für kauffreudige asiatische Touristen, sind die Geschäfte am Samstag gar nur bis um 16 Uhr geöffnet.

Lieber vollständige Liberalisierung

Einem Ladenbesitzer im Kleinbasel, der nicht mit Namen genannt werden möchte, passt der neue Versuch in Richtung Liberalisierung gar nicht: «Ich werde am 25. November ein Nein in die Urne legen. Diese Salamitaktik bringt nichts. Eine komplette Liberalisierung wäre viel besser, dann könnte ich offen haben, wie es meinen Kunden am meisten was bringt, etwa auch am Sonntag – und dann auch Angestellte beschäftigen. Am Samstagabend kommt niemand bei mir einkaufen.»

Auch Schwarz vom Spalenberg tendiert in diese Richtung. «Eine komplette Liberalisierung gibt allen mehr Spielraum. Dann kann ein Ladenbesitzer punktuell länger verkaufen, etwa an gewissen Events wie einem Night-Shopping, bei dem es dann auch keine Bewilligungen mehr braucht.» Er könne die Öffnungszeiten so gestalten, wie er es als sinnvoll erachte, wie es ihm den grössten Nutzen bringe, sagt Schwarz. Bei der aktuellen Abstimmung sei das aber nicht der Fall. (Mitarbeit: Phf)