Seit einigen Wochen zieht die Klimadiskussion ihre Kreise über die Nation und auch die Stadt. Nun dürfen die protestierenden Schüler gleich in mehrerer Hinsicht aufatmen: Nicht nur kommt ihnen Erziehungsdirektor Conradin Cramer in der Streikfrage entgegen. Sie dürfen sich künftig rühmen, einen nicht unwesentlichen Teil zur Verbesserung des Klimas beizutragen. Zumindest wenn sie im Gymnasium Leonhard zur Schule gehen. Dort hat die Schulkonferenz am Dienstag Abschlussreisen mit dem Flugzeug verboten.

In den vergangenen Jahren ist es zunehmend Mode geworden, die letzte Klassenreise dank günstiger Flugpreise im fernen Ausland zu verbringen. Die «Basler Zeitung» berichtete unlängst darüber, dass im vergangenen Jahr 30 Schulklassen zur Matur oder Fachmatur mit dem Flieger verreisten.

Zumindest an einem Gymnasium ist damit Schluss. Der Antrag stammt von Lehrer Georg Geiger. Er zeigte sich gestern sehr zufrieden gegenüber der bz: «Die Schulkonferenz hat meinem Antrag mit grosser Mehrheit zugestimmt.» Nur vereinzelt habe es Enthaltungen und kaum Gegenstimmen gegeben. Betroffen sind die neuen Klassen, die im Sommer ihre Ausbildung starten. «Wir wollten es nicht rückwirkend anwenden», sagt Geiger.

Allerdings sind auch jene Schüler, die bald schon auf die Zielgerade einbiegen, von der Diskussion nicht ausgenommen. «Die oberen Klassen müssen das mit ihren Lehrern aushandeln, ob eine Flugreise sinnvoll ist.» Geiger selber habe seine Schüler vor die Wahl gestellt: «Entweder mit dem Flugzeug, oder mit mir.» Die Klasse habe sich in einer offenen Auseinandersetzung schliesslich für ihn als Begleitung entschieden. «Das Resultat war eine wunderbare siebenstündige Zugfahrt nach Rom.»

Geiger ist überzeugt, dass die staatlichen Institutionen – und «insbesondere die Schulen mit ihrem Bildungsauftrag» – in der Pflicht stehen, ihren Beitrag zur Rettung des Klimas zu leisten. «Es braucht Leitlinien», sagt Geiger. Diese müssten allerdings nicht von oben diktiert, sondern von unten erarbeitet werden.

Ein Wunsch der Schülerschaft

Die Schülerschaft dürfte die Lex Klima tatsächlich gut aufnehmen: Das Schülerforum – ein Gremium, bestehend aus je zwei Delegierten aus jeder Klasse – hatte sich bereits im Vorfeld parallel für eine solche Regelung ausgesprochen. Federführend in der Debatte war unter anderem der 18-jährige Nino Russano – seit vorgestern zudem offizieller Nationalratskandidat der Juso Basel-Stadt. «Die Umweltfrage hat mich politisiert», sagt er, «deshalb war es mir ein persönliches Anliegen.»

Unter Mitschülerinnen und Mitschülern fand er schnell Gleichgesinnte, sodass er den Vorschlag dem Schülerforum unterbreitete, wo Russano im Vorstand sitzt. Gleichwohl ist sich der Maturand der Bedeutung seines Erfolgs bewusst. «Schon klar, damit retten wir die Welt auch nicht. Aber den Klimawandel gilt es auf unterschiedlichsten Ebenen zu bekämpfen.» Dazu gehöre eben auch, einen individuellen Beitrag zu leisten.

Austausch nach China bleibt

Eine konkrete Ausarbeitung des Beschlusses von gestern Abend steht noch aus. Sicher aber ist: Zwei grosse Projekte der Schule sind nicht betroffen. Da ist zum einen das Immersionsprojekt. Immersion bedeutet, dass mehrere Fächer auf Englisch unterrichtet werden. Als Highlight lockt eine Reise nach Boston. Zum anderen unterhält das Gymnasium Leonhard eine Partnerschaft mit einer Schule in Schanghai: Alle zwei Jahre reisen Schülerinnen des 2. und 3. Jahreskurses für zwei Wochen nach China. In den Zwischenjahren besuchen Schüler aus China das Basler Gymi.

Gemäss Geiger werde auch dazu irgendwann eine Diskussion folgen. «Das beginnt alles erst jetzt», sagt er.