Neubauprojekt
Ausgerechnet: Naturschützer blockieren den Neubau des Naturhistorischen Museums

WWF und Pro Natura wehren sich gegen den Neubau und setzen sich für Naturschutzmassnahmen ein. «Abschiessen» wolle man das Projekt aber nicht.

Andreas Schwald
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So soll das neue Naturhistorische Museum Basel aussehen.
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Ansicht vom Vogesenplatz

So soll das neue Naturhistorische Museum Basel aussehen.

zvg

Wo gebaut wird, also wo Natur versiegelt wird, braucht es ökologische Ausgleichsflächen. So will es der Bund, so müssen es die Kantone umsetzen. Doch ausgerechnet beim Neubau des Naturhistorischen Museums in Basel soll das nicht der Fall sein. Am Montag haben WWF und Pro Natura deshalb eine Einsprache gegen das Projekt eingereicht. Konkret: Gegen den «fiktiven Ersatz», der vorgesehen ist.

Denn der Kanton hat sich beim Projekt kreativ gezeigt. Für den Neubau beim Areal des Bahnhofs St. Johann sollen gleich zwei städtische Ersatzflächen geschaffen werden: Eine kleine Fläche beim Luzernerring, direkt neben dem Neubau, und eine kleine Fläche bei der Nidwaldnerstrasse – rund zwei Kilometer vom eigentlichen Bauperimeter entfernt.

Das geht so nicht, befanden die Naturschutzorganisationen. «So etwas habe ich noch nie gesehen – und wir haben schon viel gesehen», sagt dazu Jost Müller Vernier vom WWF der Region Basel. Mit dem erstmals in dieser Art präsentierten Kompensationsmodus wird für jede neu versiegelte Fläche eine bestehende Fläche entsiegelt. Das heisst aber noch nicht, dass dort auch aktiv etwas für die Natur gemacht wird. Es handelt sich also um einen rein quantitativen Ersatz. Was nach Ansicht der Organisationen mit Naturschutz wenig zu tun hat.

Das Projekt könnte sogar daran scheitern

WWF und Pro Natura betonen allerdings, dass sie damit nicht auf das eigentliche Bauprojekt zielen. «Bei einem Neubau dieser Dimension überlegt man sich natürlich zweimal, es durch eine Einsprache zu blockieren», sagt Müller Vernier. Dennoch habe man sich nun entschieden, einzuschreiten. Dass das Projekt damit abgeschossen werden soll, sei nicht der Fall: «Wir bieten auch Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Flächen.»

Tatsächlich muss der Kanton rasch reagieren. Sollte die Einsprache gutgeheissen werden, könnte das 2019 vom Stimmvolk angenommene 214-Millionen-Franken-Projekt letzten Endes sogar scheitern. Daran habe allerdings niemand Interesse, so Müller Vernier. Man sei überzeugt, dass eine Lösung gefunden werden könne.

Der Zeitplan für den Neubau ist straff: 2027/28 soll das Gebäude eröffnet werden. Damit können das Naturhistorische Museum von der Augustinergasse und das Basler Staatsarchiv von der Martinsgasse aus dem Herzen der Innenstadt ins bevölkerungsreichste Basler Quartier ziehen. Beide Liegenschaften haben grossen Sanierungsbedarf. Derweil fürs Museum bereits jetzt klar ist, dass nicht alle Exponate mitzügeln können. Wie die bz berichtete, sind insbesondere die Giraffe und das Mammut ihres Zustands wegen bedroht.