Wo sind denn jetzt Bonnie und Clyde? Sie müssen sich in irgendeiner der dutzenden Transportboxen befinden, die noch alle bedeckt sind. Bonnie und Clyde sind zwei halbwilde Katzen. Zwei Tierheimkatzen. Gestern zogen sie mit 58 anderen Katzen und 70 Kleintieren um. Die 28 Hunde spazieren heute zum neuen Tierheim an der Birs. Seit drei Jahren wird beim neuen Standort für 12,15 Millionen Franken gebaut.

Als Bonnie und Clyde schliesslich auftauchen, nimmt sich einer der Tierpfleger die Box und packt sie in einen Lieferwagen. Die Fahrt vom provisorischen Standort in Münchenstein zum neuen Bau dauert 20 Minuten. In Münchenstein im Walzwerk haben die Tiere sechs Jahre lang gewohnt. Das alte Tierheim war nach 40 Betriebsjahren baufällig.

Die Tiere ziehen ins Untergeschoss des grauen Gebäudes. Laut Geschäftsführerin Beatrice Kirn dürfe nur der nicht sichtbare Parzellenbereich für die Unterbringung der Tiere genutzt werden.

Vierbeiner zügeln in neues Tierheim

Vierbeiner zügeln in neues Tierheim

Zudem sind auf der Parzelle maximal zwei Geschosse erlaubt. Deshalb sind im neuen Bau diverse Oberlichter angebracht, die Tageslicht zu den Tieren bringen sollen. Auf der linken Seite des grossen Raumes befinden sich hölzerne Käfige für Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Co. Bei der Ankunft ist lautes Quieken und Geraschel zu hören. In der Mitte Schildkröten, dahinter ein Raum, in dem weitere Kleintiere ihr zu Hause finden. Auf der rechten Seite ist der Katzenberg, von dem Kirn stolz erzählt. Eine kleine Katze hat den Zugang bereits entdeckt und turnt darauf rum.

Dahinter hat jede kleine Katzenfamilie ein Zimmerchen mit Decken, Kratzbäumen und Katzenklos drin. Draussen befinden sich vier Gehege für Welpen und kleinere Aussenbereiche für Nagetiere und Katzen. Für Notfälle hat der Neubau eine Rampe, über die Tiere nach draussen transportiert werden können. Diese ist noch nicht fertiggestellt.

Eine Quarantänestation soll für weniger Krankheitsfälle sorgen. Das neue Tierheim bietet Platz für 350 Tiere. «Wir sind glücklich, jetzt in den Neubau gehen zu können«, sagt auch Sandra Müller, Bereichsleiterin Dienstleistungen des Tierschutzes beider Basel. Bereits seit zehn Tagen sind sie an den Vorbereitungen für den grossen Umzug. Die Hunde werden seit vier Tagen mit Rescue-Tropfen behandelt, die die Nervosität mindern sollen.

Eröffnung zwei Jahre verspätet

Ursprünglich hätte das neue «Tierkompetenzzentrums», wie es genannt wird, schon 2016 eröffnet werden sollen. Wegen der Finanzierung und der Bauarbeiten kam es jedoch zu Verzögerungen. Die Lotteriefonds Baselland und Basel-Stadt sprachen dem Neubau jeweils 500'000 Franken zu. Zudem wurde über Fundraising viel Geld gesammelt. Im Voraus gründete der Tierschutz beider Basel eine Stiftung.

Als Verein kann nicht sichergestellt werden, dass der Vereinszweck bei einer Veränderung in der Leitung derselbe bleibt. Dieser muss jedoch festgelegt sein, damit die Spenden und das Darlehen immer dem neuen Tierheim und den Tieren zu Gute kommen. Das alles bot die Grundlage für einen Baukredit der Basler und der Basellandschaftlichen Kantonalbank von je drei Millionen Franken.

Als Pflegerin Christina Kösterke die erste Transportbox am neuen Standort öffnet, warten alle gespannt. Langsam kommen vier kleine Kätzchen raus. Sie schnuppern hier und da, laufen im Raum rum. Zögerlich kommt auch noch das fünfte Katzenbaby raus. Lang geht es nicht, bis sie sich eingewöhnt haben. Nach zwei Minuten setzt sich eine Babykatze bereits für seine Privatsphäre ein und greift einen der Kameramänner an.