«Grüne Wand»

Aussenrum statt mittendurch: Diese Tramlinien sollen aus der Innenstadt verschwinden

Weniger Trams auf der Achse Barfi-Marktplatz-Schifflände. Ein Tram, das via Petersgraben fährt. Und das alles so schnell wie möglich. Das sind zwei der Kernforderungen einer Motion von Beat Leuthardt (GB).

Eine Tramlinie durch den Petersgraben, weniger Trams durch die Innenstadt auf der Talsohle, keine Doppelhaltestellen an Barfi und Marktplatz. Diese Forderungen richtet eine Gruppe Grossräte aus allen Parteien an die Regierung. Es sind keine neuen Ideen, die Beat Leuthardt (GB) da präsentiert. Aber so konzentriert hat man sie noch nicht gelesen.

Zudem ist es eher selten, dass Politiker aus allen Parteien einen Vorstoss unterschreiben. Noch seltener ist es bei einer Motion, also nicht einer Anfrage, sondern einem Instrument, das die Regierung zwingt, etwas ganz Konkretes zu tun. Und dennoch ist das ausgerechnet einem der extremeren Politiker im Grossen Rat geglückt. «Es ist ein Kompromissvorschlag, der möglichst viele sinnvolle Vorschläge zur Erneuerung des Tramnetzes vereint», sagt Leuthardt. Oder anders gesagt, er hat verschiedenste Ideen zum Tramnetz zusammengetragen und daraus einen Vorstoss gebastelt. Einen, in dem auch Dinge stehen, die für ihn nicht zwingend sind: «Ich persönlich kann gut mit der aktuellen Linienführung durch die Innenstadt leben, aber eine Ausdünnung in dieser Form ist machbar.»

Genau das ist das Hauptanliegen der bürgerlichen Mitunterzeichner Leuthardts, allen voran Joël Thüring (SVP). Erreichen will man dies, indem man die Tramlinie 16 ab Theater via Kohlenberg zum Oberen Spalenberg fahren lässt. Und von dort via Petersgraben hinab zum Blumenrain und zur Schifflände. Im Kleinbasel soll der 16er dann den 15er ersetzen und via Wettsteinbrücke ins Grossbasel zurückkehren. Der 17er soll auch nicht mehr durch die Grossbasler Innenstadt fahren, sondern über die Wettsteinbrücke.

Die neue Linienführung

Leuthardts grosses Anliegen liegt am Hang, nicht auf der Talsohle. Das Tram durch den Petersgraben ist Teil des Agglomerationsprogramms und wartet auf Bundesmittel. Der Kanton plant schon länger daran. Doch Leuthardt geht es nicht schnell genug: «Beim Tram am Petersgraben warten wir seit Jahren auf Bewegung.» Nun macht Leuthardt das, was er bei seinem anderen politischen Anliegen, den Mietinitiativen, kürzlich auch getan hat: Er versucht, mit möglichst detaillierten Vorschlägen die verwaltungstechnischen Abläufe zu beschleunigen.

So soll das Tramgleis im oberen Teil des Petersgrabens ganz rechts auf der Strasse zu liegen kommen und ab der Peterskirche dann in der Strassenmitte. Damit will Leuthardt zwei Kritiker-Gruppen besänftigen. Einerseits die Marktfahrer, die um ihre Stände am Petersplatz fürchten. Und andererseits die Velofahrer, die nicht an den Rand gedrückt werden wollen.

Ein typisches Beispiel für diese Motion, die viele Aspekte beinhaltet. Beispielsweise schreibt Leuthardt, an der Schifflände müsse man die Geleise anders legen: «Die Situation ist derzeit fast unerträglich.» Einige Zeilen weiter unten schreibt er, der selbst als Aushilfswagenführer bei den BVB angestellt ist, über Massnahmen zugunsten der Tramchauffeure.

Die BVB verweisen für eine Stellungnahme an das Bau- und Verkehrsdepartement. Und dort gibt man sich zurückhaltend. Die Regierung will noch diesen Herbst die zweite Fassung ihrer Tramnetz-Strategie vorlegen ud nun nicht vorgreifen. Allerdings betont Sprecherin Nicole Stocker, man habe die angesprochenen Punkte sehr wohl auf dem Schirm.

Leuthardt sagt dazu, er habe niemanden in Bedrängnis bringen wollen, er wolle aber Taten sehen. Er habe mit vielen Fachleuten und Beteiligten geredet.

Nur mit einem nicht. Und zwar mit Andreas Büttiker, dem Chef der BLT. Dem Baselbieter Verkehrsunternehmen will Leuthardt die Linie 17 aus der Innenstadt verlegen. Und über die Wettsteinbrücke fahren lassen, eventuell verknüpft mit der Linie E11. Büttiker sagt auf Anfrage, er könne materiell noch nicht viel zu den Vorschlägen sagen. Er gibt aber zu bedenken, dass ein Tramnetz den Kundenbedürfnissen zu dienen habe. Und die seien nun mal, möglichst umsteigefrei zum Ziel zu kommen. Es brauche eine detaillierte Prüfung «unter Federführung des Kantons Basel-Stadt». Dabei gelte es, sich Zeit zu nehmen und präzise zu arbeiten: «Wenn man in einem Netz an einem Ende zupft, hat das weitreichende Konsequenzen».

Autor

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

Meistgesehen

Artboard 1