Zwischen Basel und Israel besteht eine enge Verbindung. So proklamierte der österreichisch-ungarische Journalist Theodor Herzl 1897 in seinem Tagebuch: «In Basel habe ich den Judenstaat gegründet.» Ob Paris, Wien oder Basel: Herzl hatte den Antisemitismus am eigenen Leib erlebt. Seine Vision: einen Ort zu schaffen, der Juden ein Leben ohne politische Diskriminierung garantiert. Herzl glaubte fest daran, dass dieser Wunsch Realität werden würde. «Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen», schrieb er über den Traum eines jüdischen Staats.

Bis zur Entstehung Israels sollten noch rund 50 Jahre vergehen. Doch bereits vor der Staatsgründung 1948 war das Land bei Fotografen ein beliebtes Sujet. In seiner Ausstellung «Isrealities» zeigt das Jüdische Museum Basel jetzt Aufnahmen aus acht Jahrzehnten von sieben Fotografen, die sich jeweils auf ihre ganz persönliche Israel-Reise begeben haben. Sie erzählen von Hoffnung und Konflikt, eine Begegnung von sieben Blicken auf ein Land und ein Leben, das fasziniert, berührt, enttäuscht und verletzt.

Unterschiedliche «Isrealitäten»

Einer dieser Blicke gehörte Philippe Halsman. 1936 reiste der in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgte Fotograf ins gelobte Land.

Denn: In den Köpfen der Zionisten existierte sie bereits, die Idee, in Palästina einen jüdischen Staat zu gründen. Der Ort hiess damals aber noch nicht Israel, sondern «Völkerbundsmandat für Palästina» und wurde von den Briten kontrolliert. Es sind Bilder, die Herzls Herz hätten höherschlagen lassen: idyllische Szenen, etwa von Fischern auf einem Boot, die wortwörtlich am selben Strang ziehen – ganz im Einklang mit der zionistischen Sehnsucht nach der gemeinsamen Errichtung eines sicheren Hafens. «Ich glaube, die Bilder sind so idyllisch, weil sie dieser grossen Sehnsucht entsprungen sind», sagt Naomi Lubrich, Direktorin des Jüdischen Museums Basel.

1951 war die weltpolitische Situation eine ganz andere: Sechs Millionen Juden waren in Europa ermordet und Israel in der Zwischenzeit tatsächlich gegründet worden. Der ebenfalls verfolgte jüdische Fotograf David Seymour Chim blickte auf ein ganz anderes Land, als noch Halsman es vor Augen hatte. Seymour verfolgte mit grosser Hingabe den Kampf jüdischer Holocaust-Überlebender in ihrer neuen Heimat.

In seinen Aufnahmen fängt der Fotograf das Leben der jungen Bewohner im Kibbuz ein. «Die Stimmung ist zwar fröhlich, aber eine ganz andere», sagt Lubrich. So zeigt Chim beispielsweise einen Vater, der sein Neugeborenes glücklich gegen die Sonne hält. Die Landschaft im Hintergrund ist aber steinig und brach. In den einfachen Häusern gibt es vermutlich noch kein fliessendes Wasser. Die Bewohner sind Pioniere, die das Land erst unter harten Bedingungen gestalten müssen. Sie haben schon einiges erlebt.

Bilder der Ernüchterung

Von der Euphorie der ersten Jahre nach der Staatsgründung ist auf den Aufnahmen der restlichen Fotografen nicht mehr viel übrig. Micha Bar-Am beispielsweise dokumentierte den Sechstagekrieg (5. bis 10. Juni 1967) für die internationale Presse und zeigt in seinen Momentaufnahmen, wie Leben und Tod sich im Alltag des damaligen Israels verflochten.

Im Gegensatz zu ihren Vorgängern bilden 30 Jahre später die jungen Künstler, die den zweiten Teil der Ausstellung bestreiten, ihre Realität nicht bloss ab. Sie möchten ihr eigenes Land kritisch beurteilen und mit ihrem Schaffen darauf Einfluss nehmen. Für sie ist die einstige Wunschvorstellung Israel zur Selbstverständlichkeit geworden.

Patrick Zachmans Momentaufnahmen etwa stehen ganz im Dienste der Identitätssuche. Sie zeigen eine gespaltene Gesellschaft. Zachman kontrastiert Bilder von modernen Jugendlichen auf der Strasse mit Aufnahmen aus dem ultraorthodoxen Judentum: Statt den Krieg zwischen Juden und Nicht-Juden thematisiert er die Konflikte innerhalb der israelischen Gesellschaft. Andere Fotografen fokussieren etwa auf die Kindheit in Israel inmitten von Anspannung und Isolation oder auf menschenleere Minenfelder.

Der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk schrieb einst: «Auf all das blickt Herzl herab und sagt: ‹Ihr wolltet, und so ist es kein Märchen.›»

   

Vernissage «Isrealities» im Jüdischen Museum Basel, Donnerstag 28. März.
Infos unter www.juedisches-museum.ch