Mustermesse
Ausstellung zeigt historische Muba-Plakate

In der ganzen Stadt sind zurzeit im öffentlichen Raum historische Muba-Plakate zu sehen, die die Messe Schweiz gemeinsam mit der Basler Schule für Gestaltung zeigt. Eine weitere, kleine aber feine Ausstellung läuft parallel dazu im Rappaz-Museum im Klingental.

Andreas Fahrländer
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Zeitlos elegant: die Plakatentwürfe für die Muba im Atelier von Rolf Rappaz.
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Zeitlos elegant: die Plakatentwürfe für die Muba im Atelier von Rolf Rappaz.
Das Muba-Plakat "Auftrieb" von 1945, im kleinen Gang im 2. OG.
Plakate im 2. OG, links von Peter Birkhäuser, mitte von Donald Brun, rechts von Rolf Rappaz.
Muba Plakate
Verschiedene Applikationen des Plakatsujets "Geflecht" von Rappaz für die Muba-Werbung 1958.

Zeitlos elegant: die Plakatentwürfe für die Muba im Atelier von Rolf Rappaz.

Kenneth Nars

Die Ausstellung ist bewusst als Ergänzung zur Freiluftausstellung gedacht. Ein grosser Teil des Nachlasses von Rolf Rappaz wird hier verwahrt. Rappaz wurde 1914 in Basel geboren, führte ab 1939 ein erfolgreiches Grafikatelier und lebte bis zu seinem Tod 1996 im ehemaligen Weberhaus des Klosters Klingental. Ein Höhepunkt der Schweizer Grafikerkunst war Rappaz’ dreidimensionales Plakat auf dem Messevorplatz 1945.

Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs strotzte die Mustermesse vor Optimismus und Aufschwungsgeist. Der Entwurf «Auftrieb» von Rappaz, eine rot-weisse Banderole vor strahlend blauem Himmel, ist eine Ikone der Plakatgeschichte geworden. In der Ausstellung im Rappaz-Museum ist jetzt die Entstehungsgeschichte dokumentiert – bis zu den einzelnen Druckphasen der Lithografie.

Basel war Grafiker-Hochburg

In den 50er- und 60er-Jahren waren die Muba-Plakate so elegant wie nie davor oder danach. Die Basler Grafiker Fritz Bühler, Donald Brun, Herbert Leupin, Peter Birkhäuser, Celestino Piatti, Hermann Eidenbenz und andere brachten das Schweizer Grafikdesign um 1950 zum Blühen.

Basel war die unbestrittene Grafikhauptstadt der Schweiz. «Die Aufträge für die Muba waren für die Basler Grafiker von immenser Bedeutung», sagt Ricarda Gerosa, Kuratorin des Rappaz-Museums. Nicht nur Plakate waren prestigeträchtige Aufträge, vor allem auch die Stände für die Mustermesse. «Wenn man ein bis zwei Messestände entwerfen konnte, hatte man ein Jahresbudget zusammen.» Das Studio Rappaz an der Aeschenvorstadt realisierte in den Jahren nach 1945 bis zu einem Dutzend Stände pro Muba. Rappaz war über die Schweiz hinaus bekannt als besonders innovativer und erfolgsversprechender Standdesigner.

In der Ausstellung zu sehen sind besonders schöne Messestände für die St. Galler Textilfirma Stoffel mit ihren legendären «Stoffel-Tüechli», aber auch für die Ciba und für den Reifenhersteller Firestone. Die Reifenfabrik in Pratteln war einer der wichtigsten Auftraggeber von Rappaz überhaupt. Die Messestände für Firestone sind automatisierte Inszenierungen, wie von Zauberhand geschaffen. In der Ausstellung sind sie auf Super-8-Filmen zu sehen. 1954 inszenierte Rappaz einen Zirkus, 1956 eine Kautschukplantage, 1960 ein «Verkehrsballett» mit beweglichen Tänzerinnen auf rollenden Reifen.

Das bekannteste Muba-Motiv ist als früher Entwurf zu sehen: der rote Flügelhelm des Merkurs mit dem Schweizerkreuz. Der römische Götterbote gilt als Schutzpatron des Handels. Das Signet wurde 1936 von Hermann Eidenbenz geschaffen und war jahrzehntelang das unverkennbare Signet der Basler Messe – und fast aller Muba-Plakate.

Weiter Informationen zur Ausstellung: www.rappazmuseum.ch

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