Fürs Fotoshooting setzt sich der neue Muba-Chef Daniel Nussbaumer auf eines der ausgestellten Velos in der Messehalle. Mitten im Stress um die Eröffnung der Basler Publikumsmesse nimmt er sich ein paar Minuten, um in Erinnerungen zu schwelgen. «Ich liebe es, Mountainbike und Rennvelo zu fahren.» Am liebsten fährt er über Alpenpässe und quält sich stundenlang asphaltierte Serpentinen hoch.

Lange ist es her, dass Nussbaumer das letzte Mal überhaupt auf dem Fahrrad sass. Nach der letzten Ausgabe im vergangenen Jahr übernahm der 33-Jährige bei der Muba die Leitung. Seither musste er seine Leidensfähigkeit bei der Arbeit unter Beweis stellen. Er war er nie in den Ferien, und im Hinblick auf seine Feuertaufe hat der Schlafentzug den Kaffeekonsum in die Höhe schnellen lassen. In den letzten Tagen vor dem Ribbon Cut greift er gar wieder zur Zigarette. «Aber nur während der Messe», sagt er lachend. Danach sei wieder Schluss.

Abbild der Gesellschaft

Seit einem Jahr ist Nussbaumer an der Spitze der Basler Muba. Der Druck ist gross. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Messe einen starken Einbruch bei den Besucherzahlen. Allenthalten klangen Abgesänge auf das 100 Jahre alte Format, das zur Seniorenveranstaltung verkommen war. In den Sechziger Jahren strömten eine Million Zuschauer an die damalige Mustermesse, 2016 waren es nur noch 130 000. Nussbaumer sagt: «Sämtliche Altersgruppen sollen wieder vertreten sein.»

Besonders bei den Jungen ortet er Potenzial. Im Rundgang durch die Messehallen macht der Betriebswissenschaftler kurz vor der gestrigen Eröffnung deutlich, wie ihm das gelingen will. Bereits am Eingang werden die Besucher von einem Zitat Jean Tinguelys auf die Veränderungen eingestellt. «Das einzige Beständige ist Bewegung», prangt in grossen Lettern.

Es ist nicht nur Nussbaumers Motto, sondern auch eine Hommage an den Künstler, der Basel stark geprägt hat und mit einem Stand gewürdigt wird. Nussbaumer beschreitet die Halle, die im Zeichen des diesjährigen Schwerpunktthemas Energie steht. Auf «spielerische» Art sollen auch Kinder und Jugendliche an Energiefragen herangeführt werden. Auf Mini-Teslas können sie sich im Gokartfahren duellieren und auf dem Fussballfeld ihren Energieverbrauch messen lassen – oder auf einer echten Stadler Rail der SBB im Bahnsimulator durch den Gotthard fahren.

Wie viel Daniel Nussbaumer steckt in der Messe? Hat er sich bei der Themenwahl selbst verwirklicht? Der Messechef schüttelt den Kopf. Er selber habe andere Interessen wie beispielsweise das Theater und die Kunst. Doch solle die Messe ein «Spiegel der Gesellschaft» und nicht seiner eigenen Hobbys sein. Das ist der Grund, weshalb der gebürtige Fricktaler auch die Frage nach der Zukunft der Messe nicht beantworten kann.

«Wo es uns hinzieht, ist die falsche Frage. Das meine ich mit ‹Spiegel der Gesellschaft›. Wir wollen die Trends abbilden. Und die können auch wir nicht voraussehen.» Sicher sei nur eins: Austauschbar werde man nicht mehr sein. «Man soll bei uns nicht genau das Gleiche zu Gesicht bekommen wie an der Olma oder der Bea», verspricht Nussbaumer.

«Ich war ein Playmobilkind»

Um sich von der Konkurrenz abzuheben, müsse man auch das eine oder andere Wagnis eingehen: Das finanziell grösste ist in diesem Jahr die Bricklive, die grösste Lego-Veranstaltung der Welt. Trotz vielversprechendem Vorverkauf ist der neue Muba-Chef nicht überzeugt, dass man mit der teuren Ausstellung die «schwarze Null» knacken werde. Doch hofft Nussbaumer auf deren Zugkraft für den übrigen Teil der Publikumsmesse.

Neben den Ausstellungsobjekten wie einem Mammut in Originalgrösse oder detailtreu nachgebauten Kriegsschiffen und Achterbahnen laden auch die Becken voller Legosteine zum Verweilen. «Familien werden Stunden hier sein können, ohne dass ihnen langweilig wird», sagt der junge Messechef. Unabhängig davon ist gewiss: Die zwei Millionen Bausteine umfassende Lego-Welt hat das Medieninteresse deutlich angekurbelt.

Bereits hat sich Daniel Nussbaumer Bricklive auch für die nächsten Jahre gesichert. Er selber sei zwar ein «Playmobil-Kind» gewesen, gesteht er. Aber was interessieren die eigenen Interessen? Die Muba hat schliesslich den Anspruch, die Gesellschaft zu spiegeln – und nicht den Messechef.