Nachtleben

Ausufernde Party am Rhein statt im Club? Düstere Vorzeichen für den Basler Corona-Sommer

Nach dem ausgelassenen Feiern bleibt am Rheinufer viel Abfall liegen.

Nach dem ausgelassenen Feiern bleibt am Rheinufer viel Abfall liegen.

Während die Clubs nur vorsichtig wieder eröffnen, heizt sich die Feierstimmung am Rhein auf. Das Rheinufer wird regelrecht zum Open-Air Club.

Nichts ist dieses Jahr so wie in den vergangenen Jahren. Auch der Sommer nicht. Vor allem nicht am Kleinbasler Rheinufer. Wochenlang hatten die Buvetten geschlossen, die Stufen am Wasser blieben leer. Dann kamen die lauen Sommerabende und die Lockerungen und brachten das Bedürfnis nach langen Partynächten zurück. Doch in den Clubs trifft die Feierlaune auf die verordneten Schutzmassnahmen.

Die meisten Basler Clubs lassen weiterhin nur 300 Gäste rein. Ein Grossteil der Partygäste muss also draussen bleiben. So verlagert sich das Nachtleben auf die Strasse und vor allem auf das Kleinbasler Rheinufer. Am Wochenende feiern dort dicht gedrängt Jugendliche und Erwachsene. Viele von ihnen bringen ihre eigenen Getränke mit, oft harten Alkohol, den es an den Buvetten nicht zu kaufen gibt. Es wird viel getrunken, die Stimmung ist aufgeheizt. Besucher des Rheinbords berichten von Schlägereien und starker Polizeipräsenz.

Neue Gäste und ein abrupter Start in die Saison

Die Veränderung ist auch für die Betreiber der Buvetten spürbar: «Wir haben schon das Gefühl, dass am Rheinbord zurzeit einiges mehr los ist als sonst», erzählt Andreas Anderhub, Betriebsleiter an der Flora-Buvette. Auch an den Wünschen der Gäste spürt er, dass momentan Leute vorbeikommen, die sonst andernorts feiern. Oft werden die Mitarbeitenden nach Mischgetränken wie Gin-Tonics und Mojitos gefragt, erzählt er. Getränke, die in Clubs viel getrunken werden, an der Buvette aber nicht verkauft werden dürfen. Ob diese Gäste nur aus der Not heraus am Rheinbord sind und sonst in den Clubs feiern würden, kann er aber nicht mit Sicherheit sagen.

Der Eindruck des überfüllten Rheinbords und einer besonders feierlustigen Stimmung sei wahrscheinlich auch wegen des abrupten Saisonstart entstanden, sagt Anderhub. Für gewöhnlich beginnt die Saison gemütlich Ende März. Wenn die Abende langsam wärmer werden und es länger hell bleibt, füllt sich auch das Rheinbord. Die Besucher und die Gastronomen gewöhnen sich dann langsam an das Gedränge und die ausgelassene Stimmung. Aber auch das war dieses Jahr anders. Mit der Eröffnung Mitte Mai ging es gleich mit Sommerwetter und vielen Gästen los.

Ab wann in den Clubs wieder gefeiert werden kann wie vor Corona, ist unklar. «Die Pandemie ist noch nicht vorbei, auch wenn die Fallzahlen im Kanton im Moment stabil sind. Dies kann sich schnell ändern, wie der Fall des Superspreaders in einem Zürcher Club zeigt», sagt Anne Tschudin, Leiterin Kommunikation beim Gesundheitsdepartement. Sie ruft deshalb alle Clubbetreiber dazu auf, sich an die Schutzkonzepte zu halten.

«Nordstern» entwickelt Tool gegen Falschangaben

Den Betreibern bleibt zurzeit auch nicht viel anderes übrig. Die neuen Massnahmen bedeuten für viele Clubs keine Veränderung. Veranstaltungen mit über 1000 Personen sind zwar erlaubt, bei mehr als 300 Gästen sind jedoch Unterteilungen in Sektoren von maximal 300 Personen vorgeschrieben. In vielen Clubs ist das nicht möglich, deshalb bleibt die maximale Besucheranzahl von 300 Personen bestehen. Überall dort, wo die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, müssen die Kontaktdaten abgegeben werden.

Um die Abgabe von falschen Daten zu vermeiden, hat das Team vom Club Nordstern gemeinsam mit einer Agentur ein Tool entwickelt. «So haben wir die 100-prozentige Sicherheit, dass keine Falschangaben gemacht werden», sagt Agron Isaku, Besitzer des «Nordstern». Der Gast meldet sich online an, danach erhält er auf die angegebene Email Adresse einen QR-Code, welcher einmalig gültig ist. Dieser Code wird am Eingang gescannt und mit der ID des Gastes abgeglichen. «Damit wird auf unserer Plattform direkt eine Liste mit den anwesenden Gästen generiert, die wir jederzeit dem Kantonsärztlichen Dienst zu Verfügung stellen können», sagt Isaku.

Meistgesehen

Artboard 1