Spalenberg

Autofahrer müssen aussteigen, um neue Poller-Anlage zu bedienen

Damit Fahrzeuge nicht mehr unberechtigt in die verkehrsberuhigte Basler Innenstadt gelangen, werden nun versenkbare Poller-Anlagen getestet. Die Pilotanlage am oberen Spalenberg ist allerdings noch etwas unpraktisch.

Die Poller am Spalenberg sind installiert und seit gestern in Betrieb. Rot blinkend und piepend verschwinden sie im Boden, wenn jemand seine Zufahrtskarte an die Bediensäule hält. Der einjährige Pilot kann damit endlich starten. Gekostet hat die Anlage inklusive Tiefbauarbeiten, Installation und Wartung 136 000 Franken. Den ersten Zwischenfall hat die Anlage bereits hinter sich: Während der Festtage, als die frisch installierten Poller noch eingepackt waren, wurden sie angezündet. «Wahrscheinlich ein Lausbubenstreich», sagt der Projektleiter Romeo Di Nucci vom Amt für Mobilität. Folgen hatte der Zwischenfall keine. Die Poller kamen ohne Schaden davon.

Für Notfälle gerüstet

Und so funktionieren sie: Von Montag bis Samstag, während des Güterumschlags zwischen 5 und 11 Uhr, fahren die Poller automatisch runter und wieder hoch. Induktionsschlaufen im Boden erkennen Autos vor den Pollern und die mechanischen Sperren verschwinden im Boden. Erst wenn das Fahrzeug die zweite Induktionsschlaufe auf der anderen Seite überquert hat, fahren sie wieder hoch.

Nach 11 Uhr kommt man nur noch mit einer Zufahrtsbewilligung in die Innenstadt. Anwohner und andere Berechtigte haben eine Karte mit einem QR-Code. Diese Karte halten sie an das Lesegerät der Bediensäule und die Poller verschwinden im Boden.

Was auffällt: Die Autofahrer müssen jedes Mal aussteigen, um die Karte an das Lesegerät zu halten. Denn die Bediensäule steht auf gleicher Höhe wie die Poller. «Das war nicht anders möglich», sagt Romeo Di Nucci und verweist auf die örtlichen Besonderheiten am Spalenberg. Entweder hätte man die Bediensäule weiter vorne installieren müssen; dann wäre die Zufahrt in die Rosshofgasse blockiert worden. Oder man hätte die ganze Polleranlage nach hinten versetzen müssen; dann stünde sie jetzt exakt vor dem Schaufenster des dortigen Geschäfts.

Immerhin können Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter im Auto sitzen bleiben. Sie können die Poller über den sowieso eingebauten Funksender in ihren Fahrzeugen steuern. Auch bei einem Stromausfall müssen sich die Anwohner keine Sorgen machen: «Die Poller senken sich dann automatisch ab und bleiben unten, bis der Stromausfall vorbei ist», sagt Di Nucci. Sollte es mit der Bedienung über Funk nicht klappen, haben Blaulichtorganisationen zusätzlich einen Schlüssel, mit dem sie die Poller dauerhaft herunterfahren können – dann müssen sie allerdings aussteigen.

Fernbedienung beantragen

Auch die Mitarbeitenden der Stadtreinigung bedienen die neue Poller-Anlage mit einem Schlüssel. «So können sie die Poller über längere Zeit im Boden versenken, bis sie ihre Arbeit rund um die Anlage erledigt haben», sagt Romeo Di Nucci. Sollte sich während des Pilots zeigen, dass die Mitarbeitenden der Strassenreinigung lieber eine Fernbedienung hätten, könne man eine solche im Nachhinein beantragen. Das Gleiche gilt für Anwohner, die nicht gut zu Fuss oder gehbehindert sind. «Sie können bei der Motorfahrzeugkontrolle eine Fernbedienung beantragen», sagt Romeo Di Nucci.

In der Bediensäule ist auch eine Gegensprechanlage installiert. So können sich zum Beispiel Taxifahrer bei der Kantonspolizei melden, wenn sie einen Gast in die Innenstadt fahren müssen. Die Hotelgäste des Teufelhofs können sich mit der Rezeption verbinden lassen, welche die Poller über eine Fernbedienung senken kann.
Von der neuen Poller-Anlage erhoffen sich das Amt für Mobilität und die Kantonspolizei weniger unberechtigt abgestellte Autos auf dem Spalenberg. Die Polizei hat bereits vor der Installation der Poller die Fahrzeuge gezählt, die ohne Berechtigung abgestellt waren und wird die Zählung nun wiederholen.

Die Erkenntnisse fliessen in einen Bericht ein, der an den Regierungsrat und den Grossen Rat geht. Diese entscheiden schliesslich, ob auch an anderen Orten in der Innenstadt Poller eingebaut werden. Romeo Di Nucci spricht von zehn bis fünfzehn weiteren möglichen Standorten, wo Poller den Verkehr in die Innenstadt regeln könnten.

Poller hin oder her: Polizeikontrollen werden trotzdem weiterhin nötig sein. Auch um Missbrauch der Zufahrtskarten zu verhindern (siehe Interview unten).

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