Mit dem Beschluss einer autofreien Innenstadt sahen die Parlamentarier Gassen ohne Autos, dafür mit fröhlichen Fussgängern vor sich. Damit die Taschen der Shoppingwütigen gefüllt werden können, sollte die autofreie Zone zeitweise trotzdem befahren werden dürfen – aber nur morgens. Basel als riesige Fussgängerzone!

Die Freude wurde bald getrübt. Handwerker berichteten von Arbeiten, die tagsüber verrichtet werden müssen. Pizzabäcker mahnten, Pizzen würden selten morgens bestellt. Und Floristen gaben zu bedenken, die Schenklust per Bestellung könne einen auch erst kurz vor Feierabend überkommen. Härtefälle trübten fortan das Bild, doch eine Gruppe aus Anwohnern, Gewerbe- und Verwaltungsvertretern sollte es richten.

Und siehe da: «Wir haben für manche Härtefälle nun Lösungen gefunden», sagt Elias Schäfer vom Gewerbeverband, «allerdings nur für einen Bruchteil». Die Liste der Härtefälle werde immer länger, und die Herausforderung grösser.

Situation ist jetzt schon prekär

Mathias Böhm von Pro Innerstadt kritisiert: «Das Szenario wurde nie richtig durchgespielt.» Zudem geht bei der medialen Konzentration auf Einzelschicksale vergessen, dass die Zulieferzeiten bald beschränkt werden – und eigentlich bereits eingeschränkt wären. Weil die ersten neuen Signalisationen aber frühstens im März nach der Fasnacht aufgestellt werden, gelten noch die alten Zeiten.

Doch bereits jetzt fällt auf: Morgens herrscht Chaos in Basels Gassen. Lieferwagen stauen sich, manche Chauffeure warten eine halbe Ewigkeit, bis sie ihre Ware ausladen können. Und das, obwohl mit der alten Regel noch die Möglichkeit besteht, auch abends auszuliefern. Vereinzelt nutzen Geschäftsinhaber die Gelegenheit und bringen nach Ladenschluss ein paar Kisten ins Geschäft. Mit den neuen Signalisationen ist das dann vorbei.

Was tun? «Ein grösseres Zeitfenster würde die Probleme für viele Betriebe lösen», sagt Elias Schäfer. Ob er in seiner Funktion als Grossrat entsprechende Vorstösse einreichen wird, lässt er offen. Er sagt nur: «Die Gewerbetreibenden brauchen die Sicherheit, anliefern zu können. Davon hängt die Qualität unserer Stadt ab.»

Einzig Kompromiss wäre denkbar

Für Maurus Ebneter vom Wirteverband ist klar: «Die einzige Lösung wäre eine Ausdehnung der Zulieferzeiten.» Auch darum, weil effiziente Lieferungen in den engen Gassen jetzt schon eine logistische Herausforderung darstellten. Konkret sollte die Innenstadt ab 5 Uhr und nicht wie geplant erst ab 6 Uhr befahrbar sein, samstags länger als nur bis um 9 Uhr und werktags nach Ladenschluss nochmals zwei Stunden.

Um Änderungen wie diese erwirken zu können, ist der politische Weg unumgänglich. Doch Elias Schäfer mahnt: «Eine Änderung der neuen Lieferzeiten muss mehrheitsfähig sein, was beim Vorschlag von Herrn Ebneter nicht klar wäre.»