Strafgerichtsfall
Autonarr war sechs Jahre ohne Fahrausweis auf der Piste

Ein 26-Jähriger fuhr jahrelang ohne Billett herum, wurde aber erst im Herbst 2015 erwischt. Vor dem Baselbieter Strafgericht kam er mit einer bedingten Geldstrafe davon.

Patrick Rudin
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Der Angeklagte besass nacheinander drei Fahrzeuge, hatte hingegen noch nie in seinem Leben einen Führerausweis. (Symbolbild)

Der Angeklagte besass nacheinander drei Fahrzeuge, hatte hingegen noch nie in seinem Leben einen Führerausweis. (Symbolbild)

Keystone

Die Geschichte flog im September 2015 auf: Der heute 26-jährige Schweizer wollte mit seinem Opel Astra nach Deutschland fahren, und am Grenzübergang nahm man ihn ein wenig genauer unter die Lupe: Dass er einen fremden Fahrausweis vorzeigte, stach nicht gleich ins Auge, doch am Auto hingen Kontrollschilder, die ihm längst entzogen worden waren.

Zuvor hatte er in drei Monaten nebst drei Parkbussen insgesamt auch sieben Geschwindigkeitsverstösse eingesammelt. Selbst die Bagatellen darunter blieben aktenkundig, weil er die Rechnungen nicht bezahlt hatte. So wurde er einmal innerorts mit 56 geblitzt, später aber beispielsweise auch mit Tempo 69 in der 50er- und 84 in der 60er-Zone. Der Mann besass nacheinander drei Fahrzeuge, hatte hingegen noch nie in seinem Leben einen Führerausweis. Er gab zu, seit 2009 immer wieder mit Autos gefahren zu sein. Besonders ein VW Golf hatte es ihm angetan: «Der Golf hat relativ kräftig beschleunigt, ich habe daran herumgeschraubt. Der hatte 250 PS», sagte er gestern vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz.

Mann ist hoch verschuldet

Wie sich der junge Mann die Autos leisten konnte, ist unbekannt, er ist hoch verschuldet. Inzwischen hat er kein Auto mehr, der erwähnte Astra wurde eingezogen und verwertet. Unter dem Strich kamen dabei allerdings nur noch 120 Franken heraus. Derzeit arbeitet der Vater von drei Kindern temporär und verdient 39 Franken pro Stunde, dazu pendelt er ins Mittelland. «Wie kommen sie denn zum Arbeitsplatz?», fragte Gerichtspräsident André Brunner. «Mit dem Zug», kam es wie aus der Pistole geschossen.

Der 26-Jährige betonte aber auch, er möchte wieder Auto fahren. «Ich habe meine sechs Monate abgewartet, eigentlich könnte ich den Lernfahrausweis beantragen». «Und wenn Sie den nicht bekommen?», fragte Brunner. «Dann kann ich nichts machen», meinte er resigniert. «Sie können Bahnfahren», schlug Brunner vor. «Ich habe keine Lust, mit der Bahn zu fahren. Ich habe ja auch hohe Schulden. Es kostet mich mehr Geld, mit der Bahn zum Arbeitsplatz hin- und zurückzufahren als mit dem Auto», betonte der Mann.

Beim Schwarzfahren erwischt

Auch beim Schwarzfahren im Tram ist er schon erwischt worden. «Wenn man kein Geld hat, kann man nichts machen», meinte der Mann dazu. Zur Verhandlung war er angeblich mit der S-Bahn gekommen, konnte aber im Gerichtssaal kein Halbtaxabo vorweisen. «Sie machen es mir sehr schwer, eine gute Prognose zu stellen», seufzte der Gerichtspräsident daraufhin. Als Einzelrichter bestätigte er schliesslich den Antrag der Staatsanwaltschaft: Eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 50 Franken, allerdings mit einer langen Probezeit von vier Jahren. «Sie sind gut beraten, sich in dieser Zeit kein einziges Mal ans Steuer zu setzen», betonte Brunner. Und fügte an, er hätte die Strafe auch unbedingt aussprechen können. Positiv würdigte er, dass der Mann auch die Verfehlungen seit dem Jahr 2009 zugegeben hatte, die man ihm sonst nie hätte nachweisen können. Allerdings steht in seinem Register auch eine Jugendvorstrafe wegen Raubes.

Gleich nach dem Urteil erkundigte er sich beim Richter, wann er nun mit dem Lernfahrausweis rechnen könne. Das Strafgericht ist dafür allerdings nicht zuständig. «Fragen Sie mal höflich bei der Motofahrzeugkontrolle nach, wenn das Urteil rechtskräftig ist», meinte Brunner dazu diplomatisch.