Bisher haben die SBB den Baubeginn für über 1000 neue Veloabstellplätze mehrfach hinausgeschoben – trotz Velokonzept. Diese Vereinbarung zwischen Kanton und SBB aus dem Jahr 2012 sah den Bau neuer Veloabstellplätze im Norden des Bahnhofs ab 2012 vor. Doch der Plan war zu ambitiös. Die Erstellung der Veloplätze hänge von anderen Projekten ab, rechtfertigten die SBB die Verschiebung der Projekte.

Keine Plätze unter dem Bahnhof

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Bestes Beispiel dafür ist die geplante Vergrösserung des unterirdischen Veloparkings unter dem südlichen Teil des Centralbahnplatzes. Dieses hätte unter dem Bahnhofhauptgebäude erweitert werden sollen. Aber das 108 Jahre alte Gebäude ist denkmalgeschützt, was den geplanten Bau verkomplizieren würde. «Darum mussten die SBB verschiedene Alternativen prüfen», sagt Marc Février, Projektleiter beim kantonalen Planungsamt, auf Anfrage der bz.

Die SBB favorisiere neu eine Variante, für die Autoparkplätze geopfert werden müssen: Im hintersten Teil des Centralbahnparkings, das unterirdisch bis zum Centralbahnplatz führt, sollen im obersten Geschoss sogenannte VIP-Kurzzeitparkplätze für Autos aufgehoben und durch 500 voraussichtlich kostenpflichtige Veloplätze ersetzt werden.

Das Centralbahnparking grenzt direkt an die bestehende Velostation Centralbahnplatz – ein grosser Vorteil. So könnten die zusätzlichen Plätze mit wenig Aufwand in den Betrieb der Velostation integriert werden, die durch die ISS Facility Services geführt wird. Die 1620 bestehenden und kostenpflichtigen Veloplätze sind gut ausgelastet. Das Centralbahnparking gehört der Basellandschaftlichen Pensionskasse (BLPK). «Wir befinden uns in Gesprächen», sagt Roland Weiss, Leiter Anlagen und Geschäftsleitungsmitglied.

Eine Ausnahme ist nötig

Doch es gibt einen Makel, sagt Marc Février. «Im Bebauungsplan Railcity heisst es, dass die neuen Veloparkplätze beim Centralbahnplatz innerhalb des Bebauungsplanareals erstellt werden müssen. Es stellte sich die Frage, ob die Lösung im Centralbahnparking zulässig ist, da dieses nicht im Areal des Bebauungsplans liegt.» Février hat den 2010 verabschiedeten Bebauungsplan entworfen und ist zuversichtlich, dass die Centralbahnparking-Variante als Ausnahmeregelung bewilligt werden kann: «Auch Pro Velo und VCS begrüssen den Vorschlag», so Février. «Laut unserem Wissensstand planen die SBB, diese Lösung 2016 umzusetzen.»

Nur einen Katzensprung von der Einfahrt ins Centralbahnparking entfernt sollen weitere 200 Veloparkplätze entstehen: in einem zweistöckigen Neubau zwischen dem SBB-Dienstgebäude Ost und dem Postgebäude. Diese Plätze sind vermutlich nicht kostenpflichtig. Auch dieser Bau ist für 2016 geplant.

Im Süden, auf der Gundeldinger Seite des Bahnhofs, plante die SBB im Velokonzept ein Provisorium mit 500 Veloplätzen, zu bauen ab 2013. Auch hier mussten die SBB laut Février nachträglich neue Möglichkeiten suchen, weil man bei der Erstellung des Velokonzepts noch nicht mit der Baustelle für das Logistikzentrum gerechnet hatte. Die Realisierung der Veloplätze im Süden des Bahnhofs hängt von der westlichen Personenunterführung ab, deren Bau noch weit entfernt ist und für die 2016 ein Vorprojekt vorgestellt werden soll (bz von gestern Freitag).

Der Regierungsrat bedauert, dass es beim Gundeli nicht vorwärtsgeht: Im Februar schrieb er in der Antwort auf eine schriftliche Anfrage von SP-Grossrätin Beatriz Greuter, dass dort der Bau neuer Veloplätze nicht vor 2019 möglich sei. Und weiter: «Der Kanton hat sein Missfallen der SBB gegenüber entsprechend zum Ausdruck gebracht.»

Auch das Veloparkplatz-Provisorium auf dem Meret-Oppenheim-Platz (mit 730 Plätzen) hat keine Verbesserung gebracht. Denn dabei handelt es sich um einen Ersatz für den früheren Veloplatz unter der Passerelle. Diese Verschiebung war nötig, weil beim früheren Veloparkfeld eine Strasse gebaut wird, die während der Bauarbeiten für das Meret-Oppenheim-Hochhaus die bisherige Meret-Oppenheim-Strasse ersetzt.

600 Plätze im neuen Hochhaus

Das Hochhaus selbst wird über 600 Veloplätze verfügen, die aber nicht als Abstellplätze im Sinne des Velokonzepts zählen werden. Vielmehr werden dabei gesetzliche Pflichten erfüllt. Bei den neu geplanten Veloparkings liegt die Projektierung bei den SBB, die die Kosten der neuen Veloparkings im Norden übernehmen werden.

Grosser Rat entscheidet mit

Die langfristig geplanten Plätze im Süden soll aller Voraussicht nach der Kanton mitfinanzieren. Da die Kosten wohl über 300 000 Franken betragen, wird der Grosse Rat darüber entscheiden. Spätestens dann können die SBB ihre Pläne nicht mehr verstecken. Jetzt wollen sie sich zu den Veloplätzen nicht äussern und verweisen auf eine Medienmitteilung, die sie am kommenden Dienstag zu verschicken gedenkt. Die bz weiss aus sicherer Quelle, dass die SBB nächste Woche das Baugesuch für eines der Projekte einreichen werden.