Übernahme

Autoreisezug von Lörrach nach Hamburg bleibt bestehen

Autoreisezug in Hamburg. Die Deutsche Bahn stellt das Angebot von Lörrach Ende Jahr ein. Ein mittelständisches Unternehmen aus Nürnberg übernimmt es.

Autoreisezug in Hamburg. Die Deutsche Bahn stellt das Angebot von Lörrach Ende Jahr ein. Ein mittelständisches Unternehmen aus Nürnberg übernimmt es.

Ein mittelständisches Unternehmen aus Nürnberg übernimmt Angebot der Deutschen Bahn – Nachtzüge ab Basel gibt es aber fast keine mehr.

Auf Ende Jahr schafft die Deutsche Bahn (DB) nicht nur den in der Schweiz beliebten Autoreisezug Lörrach–Hamburg ab, sondern auch die Nachtzuglinien von Basel nach Hamburg, Berlin, Amsterdam und Dresden/Prag. Schon früher waren die Verbindungen nach Moskau und Kopenhagen eingestellt worden. Die DB begründet dies damit, dass sie nicht wirtschaftlich zu betreiben seien und Verluste einfahren.

Davon ist nicht jeder überzeugt. So übernimmt das mittelständische Nürnberger Unternehmen Bahntouristikexpress ab 16. Dezember den Autoreisezug. «Uns macht das keine Sorgen. Wir sind auf Nischenprodukte spezialisiert, haben schon vor 20 Jahren die Sonderzüge von der DB übernommen und gezeigt, dass man sie wirtschaftlich betreiben kann», erklärt Geschäftsführer Matthias Wolf.

Über die kommenden Festtage fährt der Autoreisezug zweimal pro Woche von Lörrach nach Hamburg und zurück. Danach verkehrt er einmal die Woche, und ab April steigen die Frequenzen bis zum Sommer auf drei Verbindungen pro Woche. Bis Ende Oktober 2017 sind die Termine bekannt. «Wir haben bis jetzt über 1000 Vorreservierungen», sagt Wolf – die Buchung ist unter www.bahntouristikexpress.de möglich. Woher diese stammen, hat er noch nicht ausgewertet, aber die Autoreisezüge der DB sollen zu 75 bis 80 Prozent von Schweizern genutzt worden sein.

Von Basel nur noch eine Linie

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bieten ab 11. Dezember sechs neue Nachtzugverbindungen an, sogenannte «Nightjets». Von Basel gibt es aber nur einen Zug, der über Berlin nach Hamburg fährt. «Wir begrüssen den Schritt der ÖBB, aber das Angebot sollte ausgeweitet werden. Wir fordern mehr Nachtzüge», kommentiert Daniel Costantino, Kampagnenleiter Nachtzüge beim Verein Umverkehr, der sich für umweltfreundliche Mobilität einsetzt. Costantino kritisiert, dass die beiden Nachtzüge von Basel nach Hamburg und Berlin durch einen ersetzt werden: «Das ist nur noch die halbe Kapazität.»

ÖBB-Mediensprecher Michael Braun verteidigt die Entscheidung: «Wir können nur jene Strecken aufnehmen, von denen wir überzeugt sind, dass sie auch wirtschaftlich tragen.» Man wolle beim Wagenmaterial eine hohe Qualität anbieten und habe 40 Millionen Euro in den Ausbau der Nachtzug-Flotte investiert. Er verweist auch auf die Verfügbarkeit des Rollmaterials.

Auf die Frage, ob es denkbar sei, auch Verbindungen von Basel nach Dresden/Prag und Amsterdam anzubieten, sagt Braun: «Das ist in Zukunft vorstellbar, aber derzeit nicht in Griffweite. Allerdings haben wir – nach der Etablierung der Nightjets in den nächsten zwei Jahren – sehr wohl die Fantasie, das Angebot auszubauen, wenn es von den Kunden angenommen wird.»

Plätze für Velos im Nachtzug

Für Velofahrer wollen die ÖBB im Nachtzug im Frühling, Sommer und Herbst mindestens sechs Plätze für Velos anbieten. Dafür fallen Extrakosten von 12 Euro an. Bei Bahntouristikexpress hat man an die Mitnahme von Velos bisher nicht gedacht. «Aber das ist ein guter Input», sagt der Geschäftsführer. Beim Spezialisten für Sonderzüge können ganze Züge für Betriebs-, Schul- und Vereinsausflüge, Pilgerreisen oder Fahrten zu Messen gechartert werden. «Für Reiseunternehmen sind wir auch schon in die Schweiz gekommen», so Wolf.

Die letzte Fahrt des Citynightliners der DB soll nicht ohne Nebengeräusche vonstattengehen. So gibt es am 10. Dezember vor dem Berliner Hauptbahnhof eine Kundgebung. Joachim Holstein, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender DB European Railservice, begleitet den letzten Nachtzug und seine dort eingesetzten Kollegen auf dem Weg nach Basel. 300 Mitarbeiter seien von der Einstellung der Nachtzüge betroffen, berichtet er und kritisiert die «geschäftliche Inkompetenz» der DB.

Umverkehr plant für den 11. Dezember eine Aktion in Zürich. Am Abend fährt dort um 20 Uhr der erste Nightjet der ÖBB nach Berlin und Hamburg ab.

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