Regierungsrat Hans-Peter Wessels (SP) in seiner gewohnten Rolle. Er verteidigt die Arbeit seines Departements gegen Kritik aus bürgerlichen Kreisen. Dieses Mal an einer Podiumsdiskussion in Riehen. Von 2015 bis 2020 werden die Aeussere Baselstrasse und die Lörracherstrasse sowie das Tramtrassee auf 4,5 Kilometern Länge zwischen Eglisee und Riehen erneuert. In Kürze sind die Arbeiten an der Grenzacherstrasse abgeschlossen. Diese behinderte während eineinhalb Jahren den Verkehr rund um den Friedhof Hörnli massiv. Dass dies nur eine Kleinigkeit von dessen, das auf die Riehener in den kommenden fünf Jahren wartet, ausmacht, sorgt in der Landgemeinde für Sorgenfalten. «Eine Teilschliessung der Aeusseren Baselstrasse und der Lörracherstrasse während fünf Jahren ist für das lokale Gewerbe eine Katastrophe», kritisierte Bauunternehmer und alt FDP-Einwohnerrat Urs Soder die lange Bauphase.

Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos) kritisierte nicht die Bautätigkeit an sich, sondern das Vorgehen des Kantons. «Die Umsetzung scheint mir unausgewogen. Die Terminierung und die Kommunikation verliefen nicht ideal.» Gerade die Dauer der Bauphase von fünf Jahren sorgt bei der von der FDP Riehen organisierten Podiumsdiskussion für Kopfschütteln. Dies müsse schneller gehen, forderte deshalb Urs Soder.

Sein Parteikollege und aktueller Einwohnerrat Daniel Wenk schlug aus dem Publikum eine mögliche Lösung vor, um die Dauer der Bauphase zu verkürzen. «Man könnte während der Bauphase der Strasse das Tramtrassee als doppelspurige Strasse benutzen. Darauf würden für das Tram Ersatzbusse zwischen Eglisee und Riehen verkehren. Ist die Strasse fertig, kehren die Autos und die Ersatzbusse zurück und das Tramtrassee wird erneuert.» Hans-Peter Wessels konnte nicht auf Anhieb beantworten, ob diese Lösung nicht auch schon diskutiert wurde. Er nahm die Idee aber gerne entgegen und lud Daniel Wenk in die Begleitgruppe ein, die in den kommenden eineinhalb Jahren bis zum eigentlichen Baustart die finale Planung unter sich hat.

«Wir möchten eng mit der Politik, mit dem Gewerbe und den Anwohnern aus Riehen zusammenarbeiten», sagte Wessels zu Hansjörg Wilde. Der Gemeindepräsident nahm das Angebot wohlwollend an. Damit sollen auch die bestmöglichen Lösungen für den drohenden Quartierverkehr gefunden werden.

Zollfreistrasse wird attraktiver

In einem Punkt waren sich alle Podiumsteilnehmer einig: Der Zollfreistrasse kommt eine Schlüsselrolle zu. Diese werde vom Transitverkehr noch zu wenig genutzt, erklärte Hansjörg Wilde. Es sei von grosser Bedeutung, dass diese für Autofahrer attraktiver werde. «Das wird passieren», kündigte Hans-Peter Wessels überzeugt an. 2016 werde der Kreisel an der Dammstrasse in Lörrach vollendet. Im kommenden Oktober soll die neue Autobahn-Auffahrt in Kleinhüningen fertig sein. Damit kann man von der Zollfreistrasse direkt Richtung Süden auf die Autobahn fahren. «Die Zu- und Ausfahrten der Zollfreistrasse werden damit attraktiver», versprach Wessels.

Hans-Peter Wessels agierte in der «Höhle des Löwen» gewohnt eloquent, locker und teilweise auch angriffig. So meinte er bissig, dass die einfachste Lösung gegen die Verkehrszunahme eine intelligente Raumplanung und damit der Ausbau des Wohnungsangebots sei. «Auch Riehen muss Wohnen zulassen», sagte Wessels im Hinblick auf die abgelehnte Siedlungsentwicklung Ost vor den Toren Riehens. «Solche Vogel-Strauss-Politik führt nirgendwo hin.»