Mietautos

Autos mieten ist in Deutschland billiger – aber an der Grenze droht Ärger

(Symbolbild)

Wer das Mietauto nicht anmeldet, macht sich strafbar.

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In Deutschland sind Mietautos viel günstiger als in der Schweiz. Das böse Erwachen kommt jedoch an der Autobahngrenze.

Statt für 400 bis 500 Franken wie in der Schweiz ist der Mittelklassewagen in Deutschland für eine Woche für 250 Euro zu haben. Da lohnt sich der kurze Weg über die Grenze nach Lörrach oder Weil am Rhein. Das hat kürzlich auch ein Redaktionskollege gemacht.

Das böse Erwachen kam an der Autobahngrenze. Als die Dame von der Grenzwache spitz bekommen hatte, dass sich in dem in Deutschland zugelassenen Fahrzeug ein Schweizer befand, wollte sie diesen erst nicht einreisen lassen. «Personen mit Wohnsitz in der Schweiz dürfen im Inland grundsätzlich kein ausländisch immatrikuliertes Fahrzeug benutzen», heisst es auf der betreffenden Internetseite der Eidgenössischen Zollverwaltung. Für Mietautos gibt es zum Glück Sonderregelungen. Am Grenzübergang muss man einen sogenannten Vormerkschein beantragen, auf dem die Daten von Mieter und Fahrzeug eingetragen werden.

Wer das Mietauto nicht anmeldet, macht sich strafbar. Der Vormerkschein ist kostenlos, aber die Medienstelle der Zollverwaltung warnt: «Bei den grossen Grenzübergängen können aber, insbesondere an den Wochenenden, am Abfertigungsschalter entsprechende Wartezeiten entstehen.»

Höchstens acht Tage mieten

Beim Ausfüllen des Scheins muss angegeben werden, wann das Auto wieder ausgeführt beziehungsweise an der entsprechenden Niederlassung in der Schweiz abgegeben wird. Geschehen muss das aber innerhalb von acht Tagen. Länger als eine Woche darf man also mit Wohnsitz in der Schweiz kein Auto im Ausland mieten.

Der Kollege hat Glück im Unglück gehabt, denn er brauchte das Auto nur ein Woche. Ausserdem fuhr er nach Italien und fragt sich: «Was hätte ich gemacht, wenn ich die Probleme erst bei meiner Rückfahrt an der Schweizer Grenze zu Italien bekommen hätte?»
Auffällig ist, dass in der deutschen Grenzregion keine der grossen Vermieter wie Hertz, Europcar oder Avis ihre Schweizer Kunden gut über die Bestimmungen informiert. Weder bei Hertz noch bei Europcar war die Sachbearbeiterin über die Regeln im Bilde. Letztere vermittelte den Journalisten, warum auch immer, an die Abteilung für Business-Kunden. Auch hier sah man keine Probleme mit der Schweiz.

Bei Avis war zumindest ein gewisses Problembewusstsein erkennbar. «Wenn jemand aus der Schweiz einen Transporter mietet, weisen wir ihn darauf hin, dass das nur geht, wenn der Transport nicht nur innerhalb der Schweiz stattfindet», sagte eine Dame. Er müsse von Deutschland in die Schweiz oder umgekehrt gehen. Bei Autos sei die Miete bis acht Tage kein Problem.

Genau das aber stimmt nicht, denn bei einer Mietzeit von bis zu acht Tagen muss man sie normalerweise anmelden – länger geht generell nicht.

Es drohen hohe Bussen

Wer erwischt wird, muss sich auf happige Bussen einrichten. Laut Medienstelle liegt der Zoll zwischen 12 und 15 Franken je 100 Kilogramm brutto des Autogewichts. Dazu kommen die Mehrwertsteuer von 8 Prozent und die Automobilsteuer von 4 Prozent auf den Warenwert. Die Busse liege zusätzlich in der Regel in der Höhe der Abgaben. Rechnet man das um, kommt man bei einem Mittelklassewagen insgesamt schnell auf einen Betrag von rund 5000 Franken.
Die Wohnsitzregel begründet der Zoll so: «Es geht darum, dass die Fahrzeuge nicht in einem Land angemeldet werden, wo Zulassung und Versicherung günstiger oder die Regeln für die Zulassung weniger streng sind.» Die gleiche Regelung gelte auch in der EU.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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