Erste Priorität habe die Umgestaltung der Rheingasse, sie sei gleich wichtig wie diejenige der Freien Strasse – das sagte Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) vor zwei Jahren. Damals sah es danach aus, als wäre eine Umgestaltung in weiter Ferne: Das Referendum gegen die Sperrung der Mittleren Brücke und damit der Rheingasse für Autos war angekündigt, Kleinbasler Gewerbler sammelten fleissig Unterschriften. Auch sonst wehte dem Verkehrskonzept ein rauer Wind entgegen. Trotzdem kam die Abstimmung nicht zustande – logische Folge: Mit dem neuen Verkehrskonzept wird auch die Brücke gesperrt.

Seit genau einer Woche ist die Innenstadt nun autofrei. Hie und da verirrt sich noch ein Auto zur falschen Zeit an den falschen Ort, im Grossen und Ganzen ist es aber still. An der Rheingasse gar zu still. Denn noch ist dort alles, wie es immer war – bloss ohne Autos.

Draussen bis Mitternacht wirten

Das Komitee «Kulturstadt Jetzt», dem Wenk angehört, kämpft schon lange für eine Vereinfachung der Bewilligungspraxis. In der Rheingasse ist die Situation besonders kompliziert, da von dem guten Dutzend Beizen so ziemlich jede über eine andere Bewilligung verfügt. Wenk will, dass sich das ändert: «Damit sich die Rheingasse zu einer attraktiven und rege benutzten Fussgängerzone entwickeln kann, sind einige Änderungen der Rahmenbedingungen notwendig», schreibt sie. Konkret verlangen sie und die IG Rheingasse mit Unterstützung von links bis rechts, dass innerhalb eines Jahres gemäss speziellem Nutzungsplan eine Vereinheitlichung und Verlängerung der Boulevardöffnungszeiten bestimmt wird. Werktags sollen Beizen bis 24 Uhr offen haben dürfen, an Wochenenden bis
1 Uhr.

Im Baudepartement will sich niemand zu dieser Forderung äussern, solange die Motion in Bearbeitung ist. Departementssprecher Marc Keller kündigt an, mit der Präsentation des Gestaltungskonzepts Innenstadt mehr über Aufwertungspläne zu verraten. Dieses werde bald vorgestellt. Eine Kleinigkeit lässt er sich auf Nachfrage schon entlocken: Es sei «sehr wohl denkbar», die Trottoirs an der Rheingasse einzuebnen, um die Boulevardnutzung zu unterstützen. Eine Belebung wäre im Sinne von Kioskfrau Erika Furrer: «Seit keine Autos mehr durchfahren und parkieren dürfen, bleiben Kunden nachmittags manchmal mehrere Stunden weg. Ich hoffe, dass die Wirte bald mehr Leben in die Strasse bringen», sagt sie. Das wiederum würde bedeuten, dass die Parkfelder wieder von potenziellen Kioskkunden genutzt würden – allerdings auf andere Weise als früher: Manche Beizer haben einen Antrag gestellt, die ehemaligen Parkplätze gastronomisch nutzen zu dürfen. Sie hoffen, dass Kerstin Wenks Vorstoss eine positive Antwort mit sich bringen wird. Denn in zwei Monaten beginnt der Frühling.

Diese Tatsache hat eine andere SP-Grossrätin dazu veranlasst, einen themenverwandten Vorstoss einzureichen: Toya Krummenacher stellt fest, dass es ziemlich kahl ist in der Stadt. «Einzelne Bäume am Rande des Markt- oder Barfüsserplatzes würden sicher viel zur Attraktivität beitragen», schreibt sie im Vorstoss. Darin bittet sie die Regierung, zu prüfen, wie die Innenstadt begrünt werden könnte. Diesbezüglich hat Marc Keller eine gute und eine schlechte Nachricht: Bäume und Blumen seien geplant, kaum aber in der Rheingasse. Dort sei es bis auf ein paar «kleine Plätzli» zwischen Haus 51 und 57 zu eng dafür.