«Für mich spricht nichts gegen eine weitere Zusammenarbeit mit der Sigristin der Peterskirche und mit Pfarrer Benedict Schubert.» Das sagt Babette Mondry, die gekündigte Organistin.

Sie kämpft nach wie vor gegen die Kündigung und möchte zurück in ihr Amt, obwohl die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt auf der Kündigung beharrt. Mondry wird dabei von einer breit abgestützten Aktionsgruppe mit Musikerinnen und Musikern und Kirchenmitgliedern unterstützt.

Kirchgemeinde nicht zuständig

Die ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung, die von Kirchenmitgliedern mit 215 gültigen Unterschriften gefordert worden ist, gibt es nicht, weil gemäss Kirchenrat die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses nicht in die Zuständigkeit der Kirchgemeinde falle. Das Angebot einer Aussprache nimmt die Aktionsgruppe Babette Mondry an. Diese Aussprache findet am 26. Mai statt.

Die Aktionsgruppe muss zuvor der Kirche die Namen der 15-köpfigen Delegation nennen, wie Richard Bürgi von der Gruppe äussert. Die Aktionsgruppe pocht aber auf eine öffentliche Diskussion und lädt am Abend in den Saal des Restaurants «Zur Mägd» in Basel ein. Bürgi hofft, dass sich auch Leonhard Müller, der Kirchenpräsident Basel-West, der die Kündigung ausgesprochen hat, sowie Kirchenratspräsident Lukas Kundert kommen werden. «Die Kirche ist eine öffentliche Institution», betont Bürgi. Dass die Unterstützung für die Organistin gross ist, zeigte das Solidaritätskonzert in der Elisabethenkirche. 400 Menschen kamen.

«Endlich die Gründe erfahren»

«Wir wollen endlich die konkreten Kündigungsgründe erfahren», betont Felix Pachlatko, der frühere Organist des Basler Münsters, der Ende 2013 in Pension ging. Der weitherum anerkannte Kirchenmusiker ärgert sich über das Verhalten der Kirche und setzt sich für Mondry ein.

Babette Mondry enthob den Kirchenrat von der Schweigepflicht. David Jenny, Mitglied des Kirchenrats der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt und offizieller Sprecher in der Sache Mondry, interpretiert dies anders: Gemäss der Organistin und ihrem Anwalt Philippe Nordmann sei die Kirche nur dann von der Schweigepflicht entbunden, wenn «sie die Wahrheit sagten, so wie diese Mondry und ihr Anwalt verstehen», merkt Jenny an. Falls sich die Organistin und ihr Anwalt entschliessen würden, die Kündigung anzufechten, würden sie jede Aussage der Kirche gegen diese verwenden, erwähnt Jenny. Deshalb äussert er sich zur offiziellen Begründung der Kündigung nicht. «Alles, was ich sage, könnte in einem eventuellen Prozess gegen uns verwendet werden.» Es stehe Mondry aber frei, die offizielle Begründung zu veröffentlichen, sagt Jenny.

Diese Begründung liegt der bz vor: Die Rede ist von einem seit längerem zunehmend gestörten Vertrauensverhältnis zwischen Mondry und den übrigen Teammitgliedern. «Der Vertrauensschwund hat sich über die letzten Jahre hinweg ergeben und in den Monaten, die der Kündigung vorangingen, immer stärker manifestiert.» Von mehreren Gesprächen im 2014 ist die Rede, ebenso von Grenzverletzungen und Kompetenzüberschreitungen; und von der unerlaubten Tonbandaufnahme in einem Gespräch mit dem Vorstand des Freundeskreises Orgelmusik zu St. Peter.

Man sei auf gutem Weg gewesen

Mondry bestreitet nicht, dass es in der alltäglichen Arbeit zu normalen Arbeitskonflikten komme. «Wo man zusammen arbeitet, dort wird gestritten», fügt Pachlatko an. Es gebe immer Konflikte mit der Sigristin und dem Pfarrer. Die müssten ausdiskutiert werden. Aber das Vertrauensverhältnis ist laut Mondry nie gestört gewesen. Sie selbst habe früh Überschneidungsprobleme – wie Doppelbelegungen – angesprochen.

Das einzige Gespräch gabs erst Anfang November. Nordmann erklärt. «Leonhard Müller, der an dieser Sitzung anwesend war, hat sich danach geäussert, dass man auf ‹einem guten Weg› sei. Deshalb wurde ein Folgegespräch für den Februar 2015 terminiert. Auch dies zeigt, dass keineswegs von einem gestörten Vertrauensverhältnis die Rede war, ansonsten hätte man sicher nicht von November bis Februar gewartet und davon gesprochen, auf einem guten Weg zu sein.»

Laut Nordmann wirft die Kündigungsbegründung, die keine konkreten Fälle und keine Konfliktpersonen namentlich nennt, Fragen auf: Wenn das Vertrauensverhältnis seit längerem gestört war, «warum wurde Anfang 2014 das Pensum von Babette Mondry erhöht? Warum findet sich kein einziger negativer Eintrag im Personaldossier über sie?» Nordmann fragt, weshalb die Probleme nicht früher thematisiert worden seien?

Ärger um Orgelkonzerte

Zudem betrifft die unerlaubte Tonbandaufnahme ein Gespräch mit dem Freundeskreis, der keine Institution der Kirche ist. Hier ging es darum, dass der Vorstand unter Präsident Hans Martin Tschudi Mondry, der künstlerischen Leiterin der Orgelkonzerte, eine Auszeit verordnen wollte. «Das geht gar nicht», sagt Felix Pachlatko. Die künstlerische Leitung sei Aufgabe der Organistin. Ein Freundeskreis sei nur zu ihrer Unterstützung da. Zudem habe Pfarrer Benedikt Schubert Mondrys Entschuldigung akzeptiert.

Vor Zivilgericht hat Babette Mondry erreicht, dass sie wieder an der Silbermann / L’hôte Orgel der Peterskirche üben und die Uni-Gottesdienste begleiten (bz vom 6. Mai): «im Umfang wie dies vor der Freistellung praktiziert wurde», heisst es im Gerichtsentscheid. Laut Jenny verzichtet die Kirche darauf, «den Entscheid betreffend vorsorglicher Massnahmen (Mitwirkung Universitätsgottesdienste und Üben in der Peterskirche bis 31. Juli 2015) anzufechten».

Der erste Uni-Gottesdienst hat stattgefunden. Babette Mondry wurde warm empfangen. Christof Metz, der Chorleiter Kantorei St. Peter, hat sich zur Gerichtsverhandlung für Mondry eingesetzt: Dass es zu «gravierenden Zerwürfnissen auf beinahe allen Ebenen der Zusammenarbeit» gekommen sei, könne er nicht nachvollziehen. Raphael Immoos, Professor an der Hochschule für Musik Basel, hat mit Mondry liturgisch-musikalische Projekte realisiert. Er hofft, dass die fruchtbare Zusammenarbeit weitergeht.

Die Aktionsgruppe Babette Mondry lädt am 26. Mai um 20.15 Uhr zu einer öffentlichen Diskussion über die Kündigung der Organistin in den Saal des Restaurants «Zur Mägd» in Basel ein. Musikalische Überraschungen sind möglich.