Protest
Bad News für müde Schüler: Aescher Pilotprojekt droht das Aus

Eltern bekämpfen späteren Schulbeginn – dem Aescher Pilotprojekt droht das vorzeitiges Aus.

Benjamin Wieland
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Getty Images/iStockphoto

Die Sekundarschule Aesch will wachere Schüler. Deshalb verschob sie den Beginn der Lektionen auf das laufende Schuljahr hin generell von 7.30 auf 8.20 Uhr. Es ist der erste derartige Versuch an einer Sekundarschule im Kanton Baselland – doch das Pilotprojekt könnte bald wieder zu Ende sein.

Grund sind erboste Eltern. Sie wehren sich dagegen, dass ihr Nachwuchs morgens 40 Minuten länger liegen bleiben darf. Wohl weniger, weil sie ihren Sprösslingen den Schlaf nicht gönnen würden, sondern, weil diese dadurch keinen freien Nachmittag mehr haben. Aufgrund der hefigen Reaktionen hat sich die Schulleitung nun dazu bereit erklärt, erste Anpassungen im Stundenplan vorzunehmen. Und zwar bereits für das neue Semester, das am 14. Januar beginnt. Ursprünglich war vorgesehen, die Erfahrungen mit dem neuen Schulbeginn diesen Winter auszuwerten und in die Planungen des neuen Schuljahres 2017/18 einfliessen zu lassen.

Schule befragt Eltern

Noch hat die Schulleitung keinen Entscheid getroffen. Sie will zuvor die Akzeptanz des Schulstarts um 8.20 Uhr selbst in Erfahrung bringen. Deshalb hat sie eine Umfrage mit acht Fragen lanciert. «Wir wollen wissen», sagt Carol Rietsch, einer der zwei Schulleiter, «was Eltern, Schülern, Lehrern und den weiteren Anspruchsgruppen wie Musikschule und Primarschule grundsätzlich wichtiger ist: der spätere Schulbeginn oder der freie Nachmittag.»

Die Umfrage läuft noch bis kommenden Mittwoch. «Danach werden die Resultate ausgewertet», sagt Rietsch. «Mitte November werden wir über die weiteren Schritte informieren.»

Wie aus einem Brief der Schule von Mitte September an die Erziehungsberechtigten hervorgeht, werden diese und die Lehrkräfte online befragt, die in der Regel 13- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler klassenweise. Weitere Betroffene wie die Musikschule würden «angemessen konsultiert».

Den um 40 Minuten nach hinten verschobenen Schulbeginn beschloss der Lehrerkonvent der Sekundarschule Aesch grundsätzlich bereits im März. Man erhoffte sich aufmerksamere Schüler und stützte sich auf Forschungen der Chronobiologie. Eine Studie der Universität Basel hatte ergeben, dass Jugendliche bereits dann aufnahmefähiger sind, wenn sie morgens zwanzig Minuten länger schlafen können.

An der Sekundarschule Aesch sind nicht alle Schülerinnen und Schüler vom späteren Schulbeginn betroffen. Einige Lektionen beginnen – wie bis anhin – bereits um 7.30 Uhr. Auch hatten 11 von 19 Klassen weiterhin mindestens einen freien Nachmittag.

Basel-Stadt hat bereits reagiert

Die Elterngruppe wehrte sich unter anderem mit eigenen Umfragen gegen den verschobenen Unterrichtsbeginn. Der Ton zwischen Eltern und Schulbehörden wurde zunehmend gereizt. An einer Aussprache von Mitte September zwischen Eltern und Schulrat war ein Mediator anwesend.

Der Schulrat der Sek Aesch teilt auf Anfrage mit, er unterstütze Anpassungen beim Stundenplan, falls solche bei der Befragung gewünscht würden. Für die Stundenpläne ist jedoch grundsätzlich die Schulleitung zuständig.

Wie in Aesch wurde auch im Stadtkanton auf die Erkenntnisse der Chronobiologie reagiert: Seit dem Schuljahr 2015/16 beginnt an den öffentlichen Schulen in Basel-Stadt der Unterricht generell zwanzig Minuten später, also um 8 statt um 7.40 Uhr.