Basel SBB
Bahnhofsumbau kommt voran: Nicht nur die Migros darf sich über einen neuen Laden freuen

Der Umbau des Westflügels schreitet voran. Eine wichtige Neuerung ist ein neues Untergeschoss, das unter der alten Halle gebaut wird. Auf 4000 Quadratmeter wird dort die Migros einen neuen Laden betreiben.

Philipp Felber
Merken
Drucken
Teilen
Zwei Arbeiter bauen an der neuen Zwischendecke im Westflügel, der momentan renoviert wird.
18 Bilder
Mit Holz- und Metallstützen wird die Statik des Gebäudes aufrechterhalten.
Baustellenführung mit Marc Brunkhorst, Gesamtprojektleiter (links)
Grossbaustelle am Bahnhof SBB in Basel
Unter dem alten Perrondach bei Gleis 4 wurde eine Baugrube ausgehoben, um das Untergeschoss zu bauen.

Zwei Arbeiter bauen an der neuen Zwischendecke im Westflügel, der momentan renoviert wird.

Kenneth Nars

Wasser tropft von der Decke, ein Bohrer kämpft sich durch Stein, von den Wänden hallt ein dumpfer Schlag. Ein Bauarbeiter lehnt sich angeseilt über einen Abgrund und ruft laut Instruktionen ins Untergeschoss. Unter seinen Füssen, wo bis vor kurzem noch Erdreich war, entsteht ein zweiter Stock im Westflügel des Basler Bahnhofs. Seit rund zwei Jahren wird dort umgebaut, renoviert und aufgefrischt.

Nach der Wiedereröffnung des Westflügels wird die Migros einen 4000 Quadratmeter grossen Laden im Untergeschoss beziehen können. Vorbei sind die Zeiten, als sich Pendler auf dem Nachhauseweg in der hohen Halle mit dem auffälligen Gemälde vor Augen mit dem Nötigsten eindeckten.

Zum Weihnachtsgeschäft 2020 soll der neue Bahnhofsteil eröffnet werden. Ein paar Monate früher als zunächst angenommen, erklärte Marc Brunkhorst, Gesamtprojektleiter des Umbaus, am Mittwoch auf einem Rundgang mitten in Schutt, Metallstützen und Wasserlachen. Doch während die Bauzeit schmilzt, wachsen die Baukosten: Die Bundesbahnen rechnen damit, dass der Bau 2 Millionen Franken mehr kostet als angenommen. Bei 84 Millionen statt 82 Millionen Franken sollen die Kosten am Ende liegen. Das hat auch mit der alten Bausubstanz zu tun.

Stadtentwicklung

Beim Güterbahnhof Wolf passiert bis 2026 nichts

Der Bahnhof SBB ist nicht das einzige Grossprojekt, das die SBB momentan in Basel haben. Da wäre etwa das Areal Volta Nord. Diese Überbauung kommt vors Volk, nachdem der Gewerbeverband erfolgreich Unterschriften für ein Referendum gesammelt hat. Nach einem Ja will die SBB sofort loslegen, sagte Alexander Muhm, Leiter Development SBB Immobilien, am Rande der Baustellenbesichtigung des Westflügels. Die Kritik, dass etwa zu wenig Gewerbeflächen auf dem Areal gebaut werden sollen, könne er nicht nachvollziehen. Und auch die Diskussion um die Grösse des Parks sei für ihn unverständlich. «Wir haben von Anfang an geplant, dass der Park 20 000 Quadratmeter gross sein wird. Also 5000 mehr als jetzt gefordert wird», betonte Muhm. Während die SBB beim Lysbüchel auf den Volksentscheid warten müssen, sind sie auf einem weiteren Areal noch Jahre von einem allfälligen Volksvotum entfernt. Beim Güterbahnhof Wolf werde bis 2026 sicher nichts gebaut, sagte Muhm. Das Ziel sei aber, den ersten Bebauungsplan im nächsten Jahr vor den Grossen Rat zu bringen. Die SBB planen dort in Zusammenarbeit mit der Stadt Basel unter anderem eine «Smart City». Das heisst, dass der Fokus auf dem Areal auf der Digitalisierung liegen soll. Der Güterbahnhof Wolf liegt in der Nähe des St. Jakob-Parks und ist rund 16 Hektaren gross. (phf)

Gemälde in Sicherheit gebracht

Der Westflügel des Bahnhofs wurde 1907 gebaut und hielt für die Bauleute einige Überraschungen parat. Darum fehlt nun dort, wo früher die Küche der Brasserie stand, ein ganzer Gebäudeteil. Eine einsame, geplättelte Säule erinnert daran, als hier noch das Küchengeschirr klapperte und sich die Köche in rauem Ton Anweisungen zuriefen. Von den kahlen Wänden rieselt immer wieder ein wenig Sand und lenkt den Blick auf das Problem. Hier wurden Baumaterialien wild gemixt: Backsteine, Ziegel, Bruchsteine. Die Folge davon war, dass sich die Statik nicht so präsentierte, wie man sich das vorgestellt hatte und deshalb ganze Wände abgerissen werden mussten.

Die ehemalige Brasserie nebenan sieht dafür noch immer aus wie früher. Zumindest die Wände sind immer noch gelb vom Rauch der unzähligen Zigaretten, die in der Halle geraucht wurden. In Sicherheit haben die SBB die Gemälde an den Wänden gebracht. Alle, die durch die Türe passten, wurden anderswo eingelagert. Andere waren zu gross und mussten hinter Spanplatten versteckt werden. Die Gemälde werden der Brasserie erhalten bleiben. Diese wird am gleichen Ort wiedereröffnet: Generalüberholt und frisch gestrichen – aber immer noch im Chic der vorletzten Jahrhundertwende.

Das gesamte Gebäude steht unter Denkmalschutz, und so mussten entsprechende Anstrengungen unternommen werden, um den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. Entstehen wird ein Mix aus Alt und Neu. Und etwa im Verbindungsgang, der noch bis 2017 düster die Hauptbahnhofshalle mit der Halle des französischen Bahnhofs verband, wieder auf den Ursprungszustand rückgebaut wird. Eine Rundbogendecke mit Lichteinlässen wird die niedrige Decke ersetzen.

Neben den Herausforderungen des Denkmalschutzes musste auch Sicherheitsbedenken Rechnung getragen werden. Denn das alte Gebäude erfüllte heutige Anforderungen an feuerpolizeiliche Sicherheitsmassnahmen nicht mehr. Bei der Renovation wird dieses Risiko nun korrigiert. Das ist auch nötig, denn die SBB wollen die alte grosse Halle des französischen Bahnhofs zu einem zweiten Bahnhofszentrum machen. Entsprechend mehr Leute werden sich dort tummeln. Und müssen im Falle eines Notfalls möglichst schnell aus der Gefahrenzone gebracht werden können.

Mehr Züge, weniger Platz

Nicht nur die Migros darf sich über einen neuen Laden freuen. Rund um die grosse Halle im französischen Bahnhof werden neue Ladenflächen gebaut. Zudem soll es auch Platz für Restaurants und Bars geben. Der Zoll wird künftig in einem Pavillon ausserhalb der Halle zu liegen kommen.

Offen bleibt laut SBB-Sprecher Daniele Pallecchi, ob die alte Personenunterführung künftig wieder als Zugang zu den Gleisen genutzt wird. Auf diese Weise würde die Passerelle entlastet. Das wird sich die SBB wohl bald vertieft anschauen müssen. Zu Stosszeiten ist die Passerelle, insbesondere beim Abgang in die Bahnhofshalle regelmässig überfüllt. Alleine das Passagieraufkommen hat seit dem Bau im Jahr 2003 um 20 Prozent zugenommen. Mit der Eröffnung des Westflügels mit neuen Laden- und Restaurantflächen dürfte der Bahnhof noch stärker besucht werden.