Letzte Woche wurden die letzten Schienen des fehlenden Abschnitts der Hochgeschwindigkeitszuglinie TGV Est verlegt. Über zwei Milliarden Euro haben die 106 Kilometer zwischen Baudrecourt in Lothringen und Strassburg gekostet – 129 Brücken und ein vier Kilometer langer Tunnel durch die Vogesen mussten gebaut werden.

Wenn die Linie im April 2016 offiziell in Betrieb genommen wird, dauert die 406 Kilometer lange Fahrt von Strassburg nach Paris statt 2 Stunden 20 Minuten noch 1 Stunde 48. Der Zeitgewinn beträgt rund eine halbe Stunde. Da die Fahrt mit den elsässischen Schnellzügen von Basel nach Strassburg 1 Stunde 17 dauert, könnte sich der eine oder andere Reisende bei guten Anschlüssen überlegen, über Strassburg in die französische Hauptstadt zu fahren. Die Gesamtreisezeit läge bei etwas über drei Stunden.

Das ist die gleiche Zeitdauer, in der seit Dezember 2011 der TGV Rhin-Rhône von Basel über Dijon nach Paris fährt. Der Ausbau der fehlenden 50 Kilometer des Ost-Astes zwischen Mulhouse und Belfort und vor Dijon würde zwar weitere Zeitgewinne bringen, ist aber wegen Finanzierungsprobleme frühestens ab 2030 denkbar.

Gespaltene Gefühle im Südelsass

Kein Wunder, dass man vom Südelsass mit gespaltenen Gefühlen nach Strassburg schaut, wo Milliardenbeträge verbaut wurden. Dabei sind die technischen Voraussetzungen dafür gegeben, den Ostast des TGV Rhin-Rhône fertigzubauen. Der französische Staat müsste sich zudem lediglich mit 250 Millionen Euro beteiligen.

Die derzeit sechs täglichen direkten TGV-Verbindungen von Basel über Dijon nach Paris werden von TGV Lyria betrieben, einer gemeinsamen Gesellschaft von SNCF und SBB. Sie werden laut Lyria-Chef Alain Barbey auch weiter bestehen bleiben und haben den Vorteil, umsteigefrei zu sein. Barbey bemüht sich ausserdem intensiv darum, für 6.30 Uhr ab Basel einen attraktiven Frühzug einzurichten, der bereits gegen 9.30 Uhr in Paris wäre.

Mit der globalen Auslastung des TGV Rhin-Rhône von 75 Prozent bis 76 Prozent ist Lyria zufrieden. Zwei Drittel davon seien Fahrgäste aus dem internationalen Verkehr.

Direkt nach Reims

Unklar ist, ob die Verbindung von Freiburg im Breisgau über Mulhouse und Dijon nach Paris nicht künftig über Strassburg verlaufen wird. Aus gesamtelsässischer Sicht ist die Fertigstellung des TGV Est insofern positiv, als dass es damit eine direkte Verbindung nach Reims gibt, der grössten Stadt der Region Champagne-Ardenne, mit der das Elsass und Lothringen ab 2016 in einer Grossregion aufgehen werden.