Die Titanwurz schreibt wieder Geschichte: dieses Mal mit ihrer Wurzelknolle. Die Botaniker haben am Donnerstag nämlich die «grösste Kartoffel» der Schweiz ausgegraben und umgetopft. Beim letzten Umtopfen 2012 brachte die Knolle 28 Kilogramm auf die Waage. Am Donnerstag erwarteten die Verantwortlichen über 40 Kilo. Siehe da: Stolze 46 Kilogramm ist sie dieses Mal schwer.

Weshalb man die Knolle ausgraben musste, ist einfach erklärt. Die Titanwurz macht sich wieder bereit, in vier bis sechs Wochen erneut ihre ganze Blütenpracht zu enthüllen und dabei ihren bestialischen Aasgeruch auszuströmen. Dafür brauchen ihre Wurzeln nun einen grösseren Blumentopf. 450 Liter reichen nicht mehr aus, die Pflanze braucht nun einen 1100-Liter-Topf und wird seit ihrer Wachstumsphase täglich mit 80 Liter Wasser getränkt.

Seit die Titanwurz im blühfähigen Alter ist – ab einem Knollengewicht von 20 Kilo, das sie 009 erreicht hatte –, bildet sich abwechslungsweise ein Blütenstand und ein Laubblatt. Im Winter 2012 hatte die Blume im Basler Botanischen Garten geblüht und im Frühling 2013 ein 4,50 Meter hohes Blatt gebildet. 15 Monate später sei das Blatt im vergangenen Mai verwelkt, erklärt Heinz Schneider, Kustos des Botanischen Gartens. «Dann haben wir realisiert, dass sich die Titanwurz wieder öffnet.»

Bonn ist federführend

Inayat Olmedo ist der Pfleger, der sich vollends und mit Leidenschaft um die Basler Titanwurz kümmert, seit diese 2009 hierher gebracht worden ist. Er hat sich sein Wissen von den Verantwortlichen im Botanischen Garten Bonn angeeignet. Die deutsche Stadt ist in Sachen Erforschung der grössten Blume weltweit Spitzenreiter. Olmedo ist fasziniert von der Titanwurz. Vor allem ein Aspekt gefällt ihm: «Man weiss nicht viel über die Pflanze. Es bleibt also immer spannend und ich kann dauernd Neues lernen.»

Die Basler Titanwurz blühte im April 2011 zum ersten Mal. Normalerweise legt sie bis zum nächsten Erblühen eine Pause von bis zu drei Jahren ein. Die Hiesige zeigte sich im November 2012 bereits wieder. Warum die Blume, die auf Sumatra ihren Ursprung hat, innert so kurzer Zeit bereits zum dritten Mal aufgeht, liegt für Heinz Schneider auf der Hand.

Die Luftfeuchtigkeit in Indonesien beträgt 85 Prozent und es ist immer zwischen 26 und 32 Grad warm. In anderen Botanischen Gärten halte man die Titanwurz bei 23 Grad. «Unser Gewächsaus ist erst zehn Jahre alt und wir verfügen über eine moderne Infrastruktur. In unserem Gewächshaus ist es 28 Grad warm. Wir können die Titanwurz gut kultivieren.» Den grossen Moment des Erblühens der grössten Pflanze der Welt erwartet er ab Mitte September.

Blume stinkt einen Tag lang

Die spektakuläre Blühphase dauert jedoch nicht lange: In der ersten Phase ist die Blüte einen Tag lang offen und stinkt nach Fisch und faulen Eiern, um Bestäuber anzulocken. Die zweite Phase, in der die Blüte halb offen steht, dauert zwei Tage. 2012 erlangte der Blütenstand eine Höhe von 2,30 Metern. Die Basler Botaniker wünschen sich, dass die Blume nun noch höher gen Himmel wächst.

Besichtigung der Knolle: 4. bis 6. Juli, 10 bis 17 Uhr, Botanischer Garten Basel.