Der Präsident von Hotelleriesuisse Basel musste zunächst leer schlucken, als er die Zahlen der bz zur Marktmacht der Übernachtungsplattform Airbnb hörte. «Dass die Anzahl Betten so schnell und so stark zugenommen hat, hätte ich nicht gedacht», sagt Felix Hauser dann.

Er bezieht sich auf eine Studie von Oktober 2015, die für Basel 2041 privat vermietete Airbnb-Betten ausgab. Heute, keine zwei Jahre später, hat sich diese Zahl mehr als verdreifacht: 6455 Betten in insgesamt 3134 Zimmern werden auf Stadtgebiet angeboten. Das sind mittlerweile fast so viele wie die 7543 Betten der Basler Hotels, die das statistische Amt in seiner Tourismusstatistik 2016 ausweist. «Wir spüren die Konkurrenz seit mindestens zwei Jahren, besonders während den grossen Messen», sagt der oberste Hotelier weiter. Allerdings habe auch die Anzahl Hotelbetten stark zugenommen, was Auswirkungen auf die Auslastung habe.

«Besonders ein Dorn im Auge sind uns die kommerziellen Anbieter von Privatunterkünften – dort verlangen wir gleich lange Spiesse für alle.»

Die neuen Zahlen der bz Basel zeigen: Auch dieses Segment nimmt stark zu. Die Basler Regierung war im letzten Jahr in der Beantwortung einer Interpellation von FDP-Grossrat Peter Bochsler von 23 bis 125 Anbieter mit mehr als einer Wohnung ausgegangen. Mittlerweile sind es 224 solcher Anbieter, der grösste davon vermittelt aktuell 40 Zimmer, andere sind mit 14 oder zwölf Zimmern auf der Plattform präsent. Und dies, obwohl das neue Wohnraumfördergesetz eine solche Nutzung an eine Bewilligung knüpft.

Das zuständige Gastgewerbeinspektorat hat einen Anbieter verklagt und erstinstanzlich Recht erhalten – nun ist der Fall beim Appellationsgericht hängig. «Wir warten dieses Urteil ab, ehe wir mit unserer Vollzugsstrategie weitermachen», sagt Amtsleiterin Luzia Wigger auf Anfrage.

Airbnb-Zimmer in Basel

Neues Gasttaxengesetz

Unabhängig davon wird derzeit das Gasttaxengesetz überarbeitet. Dieses sieht vor, dass auch Airbnb-Gäste eine Abgabe entrichten müssen – in welcher Höhe ist derzeit allerdings noch geheim. «Das Gesetz liegt derzeit bei der zuständigen Grossratskommission, deshalb darf ich aktuell keinerlei inhaltliche Auskünfte geben», sagt Samuel Hess vom zuständigen Amt für Wirtschaft und Arbeit. Es sei jedoch vorgesehen, dass der Kanton mit Plattformen Vereinbarungen abschliessen könne.

Airbnb selbst gibt nur sehr zurückhaltend Auskunft über ihre Geschäfte. 20 000 «Gastankünfte» seien 2016 in Basel verzeichnet worden, schreibt Sprecherin Isabelle Witzleben. Dies in 1900 «aktiven Unterkünften» in demselben Zeitraum.

Airbnb- und Hotelbetten in Basel

Unabhängige Zahlen

Dass die 2008 gegründete Firma mit Sitz in San Francisco ihre Geschäftstätigkeit eher kleinredet, zeigt ein Fall, den die New York Times im Januar 2016 aufdeckte. Damals veröffentlichte der Konzern Daten zu Hotelbetten in New York; die Zeitung kam zum Schluss, dass diese Angaben «schöngefärbt» seien. Die Journalisten bezogen sich auf eine unabhängige Studie der Website «Inside Airbnb».

Diese Datenbank bietet auch die Grundlage der bz-Zahlen. Denn: Airbnb publiziert jeweils für alle Städte nur 300 Angebote, danach werden keine weiteren angezeigt, egal, ob Basel, Berlin oder New York. «Inside Airbnb» zieht die Angaben direkt aus der Datenbank. Und das jeden Monat.

Für Basel sind die Daten seit April 2016 verfügbar. Damals wurden 4477 Betten in 2259 Airbnb-Unterkünften angeboten. Die letzten Daten stammen von Juli 2017: Die 6455 Betten in 3134 Unterkünften entsprechen einer Zunahme von rund 44 Prozent (Betten) und 38 Prozent (Zimmer). Geht das Wachstum entsprechend weiter, dürfte die Anzahl Airbnb-Betten bereits im nächsten Jahr die Anzahl Basler Hotelbetten übersteigen.