Porträt
Bald setzen diese Architekten das nächste Zeichen

Die Buchner Bründler Architekten aus Basel sind gefragt – verläuft alles nach Plan, bauen sie das neue Kunsthaus Baselland.

Simon Baur
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Wie ein Zahn ragt das Wohnhaus am Bläsiring zwischen zwei Arbeiterhäuschen heraus. Dafür gabs den «Architekturpreis Beton».
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Ein weisser Meteorit im St. Johann: Volta Zentrum.
Projekt für das Kunsthaus Baselland, Dreispitz.
Die Buchner Bründler Architekten

Wie ein Zahn ragt das Wohnhaus am Bläsiring zwischen zwei Arbeiterhäuschen heraus. Dafür gabs den «Architekturpreis Beton».

Kenneth Nars

Auch wenn ihr Büro mittlerweile gross ist, Daniel Buchner und Andreas Bründler sind sich selbst treu geblieben. Sie verkehren nach wie vor in unterschiedlichen Szenen, trinken ihren Kaffee im «Da Graziella», proben hin und wieder in der eigenen Musikband oder verreisen für ein paar Monate, weil Basel zu eng wird.

Einfachheit und innere Logik sind auch Kriterien für ihr Bauen. Bereits das Lofthaus an der Colmarerstrasse zeigte dies. Es ist ein sechsgeschossiges Wohnhaus mit je einer Wohnung pro Etage. Von der Eingangshalle führt der Lift direkt in die Wohnungen. Ein kompakter innenliegender Kern enthält Treppenhaus, Nasszellen und Lift. Die Etagen bestehen aus einem umlaufenden Grossraum, der sozusagen als Rohbau für individuelle Wünsche belassen wurde. Riesige Glasflächen und grünliche Glasbänder charakterisieren das Aussehen gegen Strasse und Innenhof. Ein Bau, der typisch ist für die Vorgehensweise von Buchner Bründler: Sie stellen den Raum zur Disposition – die Bewohner sind für das Innenleben zuständig. Das ist ihre Art, Zeichen zu setzen.

Ein Haus wie ein Giacometti

Meinrad Morger von Morger Dettli Architekten, um ein Statement zur Architektur von Buchner Bründler gebeten, meint: «Die ganz grosse Stärke ihrer Bauten ist der eigenständige wie auch eigenwillige Ausdruck, der dem Ort die neue Kraft vielmehr über das architektonische Zeichen als über die städteräumliche Setzung gibt.» Und der Bildhauer Michel Pfister ergänzt: «Es gibt auch Beispiele, in denen ihnen beides gelingt: Beim Volta Zentrum ist ihnen ein Wurf gelungen, ein Zeichen als geschlossenes skulpturales Objekt in sich und ein markanter städtebaulicher Akzent.»

Tatsächlich fügt sich das Volta Zentrum perfekt in das eckige Grundstück ein, das durch Strassen und Tramschienen gebildet wird – und doch wirkt es mit seiner weissen Oberfläche wie ein Meteorit, der im Quartier eingeschlagen hat. Während das Gebäude gegen die Brücke hin wie ein Containerschiff erscheint, öffnet es sich dank einer konisch geschnittenen Form und einer gleichzeitigen Unterschneidung des Körpers gegen den Sankt-Johanns-Platz hin. Durch den spezifischen Charakter auf jeder Seite, erinnert der Bau an die 1933/34 entstandene Skulptur «Cube» von Alberto Giacometti. Buchner Bründler gehören nicht zu den Architekten, die eine spezifische Zusammenarbeit mit Künstlern suchen, doch Referenzen aus Kunst und Architektur fliessen in ihre Bauten zweifellos ein.

Meist geschieht es so diskret, dass man sie suchen muss. 2008/09 entstand ein Wohnhaus in Binningen. Vieles daran ist markant: die Ambivalenz von offenen Innenräumen und skulpturaler Aussenhaut, die semipermeable Veranda und die Geborgenheit des Hofes. Ein Teil der familiären Wurzeln der Bauherrschaft stammt aus Südamerika. Die architektonische Verbundenheit der Architekten zu Paulo Mendes da Rocha, welcher 1927 in Brasilien geboren wurde, ein Meister und prägender Architekt der südamerikanischen Moderne, ist spürbar. Der Kamin des Hauses in Binningen erinnert zudem an Kamine organischer Bauten in Dornach, die nach 1925 entstanden sind. 2007 schrieben die Architekten in einem Text zum Goetheanum: «Wir müssen annehmen, dass es für einen damaligen Architekten, der sich mit der modernen Architektur in der Schweiz auseinandersetzte, der Anblick und die Umsetzung des (...) Goetheanums einen Schmerz in seinem ideologischen Grundverständnis bedeutete.» «Schmerz» im Sinne von Irritation, wie im vorhergehenden Zitat erwähnt, ist ein interessantes Kriterium, denn er stärkt die Wahrnehmung.

Anwohner wehrten sich

Auch der Entwurf für ein Mehrfamilienhaus am Bläsiring in Basel muss für die Anwohner irritierend gewesen sein. Sie versuchten, das Projekt mit Einsprachen zu torpedieren – verhindern konnten sie es nicht. Das Gebäude, das den Betonpreis 2013 erhalten hat, besteht aus zwei dreigeschossigen, übereinander gestapelten Wohnungen. Die Fenster jeden Stockwerks bewegen sich innerhalb eines Rasters, finden darin aber zu eigener Formulierung. Die Jury des Betonpreises schrieb in ihrem Bericht: «(...) spielen die Architekten das plastische und atmosphärische Potenzial von Beton aufs Schönste aus: Von der primären Struktur bis zu den Küchenregalen und Badewannen ist alles aus der Logik des Giessens von Beton abgeleitet.»

Möglichst ein grosses offenes Volumen zu schaffen, scheint ein Kriterium für ihr Bauen zu sein. Ein Merkmal, das sich auch beim Umbau und Erweiterung der Jugendherberge Sankt Alban beobachten lässt. Sichtbeton in Kombination mit Eichenholz sind die dominierenden Materialien. Die hohen Fensterverglasungen ermöglichen es dem Gast, in unmittelbare Beziehung zum Aussenraum zu treten – gleichzeitig schaffen die vertikalen Lamellen, die die Fassade gliedern, einen Filter und erhöhen die Intimität.

Volumen und gleichzeitige Intimität zeichnen auch ihren Entwurf für das neue Kunsthaus Baselland aus. Grosse Räume, wie sie in der Kunsthallen-Architektur oft vorkommen, haben ausgedient. Die zeitgenössische Gegenwartskunst verlangt nach neuen Möglichkeiten, damit sie sich optimal präsentieren kann.

Sichtbares Zeichen fürs Dreispitz

Zugleich werden Buchner Bründler mit dem Gebäude auf dem Dreispitz ein sichtbares Zeichen setzen – eines, das sich auf gleicher Augenhöhe wie die Bauten von Morger & Dettli und Herzog & de Meuron bewegt und das Kunsthaus zu einem markanten Zeichen am neuen Ort macht.

Bauten und Projekte (Auswahl)

1998–2002: Lofthaus, Basel, Neubau

2003/2004: UNO-Hauptsitz, GA-200, New York, Umbau, Wettbewerb, 1. Preis, in Zusammenarbeit mit :mlzd Architekten, Biel und Relax, Zürich

2004–2007: Managerpavillon, Jinhua, Neubau

2005–2012: Parkhotel Bellevue, Adelboden, Sanierung und Umbau

2005–2010: Wohn- und Geschäftshaus Volta Zentrum, Basel, Neubau, Wettbewerb, 1. Preis

2008–2010: Schweizer Pavillon Weltausstellung Expo 2010, Schanghai, Neubau, Wettbewerb, 1. Preis.

2007–2010: Jugendherberge St. Alban, Basel, Umbau und Erweiterung, Wettbewerb, 1. Preis

2009–2012: Wohnhaus Bläsiring, Basel, Neubau

2005–2013: Warenhaus Manor. Liestal, Neubau, Wettbewerb, 1. Preis

2007–2016: Wohnturm, Köniz, Neubau in Realisierung, Wettbewerb, 1. Preis

2010–2016: Wohnüberbauung Tièchestrasse, Zürich, Neubau in Realisierung, Wettbewerb, 1. Preis

2011–2014: Credit Suisse, Bel-Air Hauptsitz, Genf, Umbau, Wettbewerb, 1. Preis

2011–2018: Flagship Building Syngenta, Basel, Neubau in Planung, Wettbewerb, 1. Preis

2014–2017: Mehrfamilienhaus Stadterle, Basel, Neubau in Planung, Wettbewerb, 1. Preis

2015: Kunsthaus Baselland, Münchenstein, Umbau, Wettbewerb, 1. Preis

Der Entwurf für das neue Kunsthaus Baselland ist in einer Ausstellung im Kunsthaus Baselland vom 14. bis 26. April zu sehen. Vernissage: heute Abend, 18.30 Uhr, Kunsthaus Baselland, St. Jakob-Strasse 170, 4132 Münchenstein

Weitere Informationen zu Büchner Bründler Architekten finden sich unter: www.bbarc.ch.