Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, würde Grossrat Balz Herter nicht neuer Präsident der Basler Christdemokraten. Zwar muss die CVP-Basis die Wahl am 22. Mai noch absegnen. Doch das ist Formsache: Die Findungskommission hat ihn soeben als einzigen Kandidaten vorgeschlagen. Nun stellt Herter erstmals seine Pläne für die Partei vor, die oft das Zünglein an der Waage spielt.

Herr Herter, seit Jahren verliert die CVP Wähleranteile – ohne Anzeichen für eine Trendwende. Warum wollen Sie sich da das Präsidium antun?

Balz Herter: Für mich ist die CVP zur Überzeugung geworden. Ich bin ja schon seit 2004 sehr aktiv dabei. Mein Ziel ist es, die Partei wieder vorwärtszubringen. In den letzten Jahren haben wir immer etwas Anteile verloren.

Wie wollen Sie den Niedergang stoppen?

Ich habe das Gefühl, in der Partei fehlt etwas der Schwung – auch von jüngerer Seite. Auch hat in den letzten Jahren etwas das klare Profil gefehlt. Wir müssen mehr die Werte hervorheben, für welche die Partei einsteht: die Familie oder soziale Anliegen. Gleichzeitig sind wir sehr wirtschaftsfreundlich. Ich will die CVP wieder etwas knackiger machen und auf die Erfolgsspur zurückführen.

Das Parteiprofil schärfen – das sagt jeder neue Präsident. Werden Sie konkreter.

Wir sind daran, die Strategie unserer Politik neu auszurichten. Sie soll auf drei Schlagworten basieren, nach denen sich unsere politische Arbeit ausrichtet. Damit wollen wir uns in der Basler Parteienlandschaft klar positionieren und in gewissen Bereichen auch die Themenführerschaft erlangen. Das Ganze ist intern aber noch nicht abgesegnet.

Unter dem Schlagwort Werte sorgt auch das «C» im Parteinamen regelmässig für Diskussionen. Frei nach «Faust»: Sag mir, wie hast Du’s mit der Religion?

Persönlich bin ich noch Mitglied der reformierten Kirche. In der Basler CVP ist das aber nicht wichtig. Bei uns hat jeder Platz. So ist meine Vorgängerin Andrea Strahm bekennende Atheistin. Die Religion als solches spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Kirche und Staat sollen streng getrennt sein. Der Mensch steht im Vordergrund.

Gerhard Pfister, Präsident der CVP Schweiz, hat Basel schon als «schwieriges Pflaster» für die Partei bezeichnet. Sind Sie mit ihm einig?

Die CVP hat es in urbanen Gebieten grundsätzlich schwerer als auf dem Land. In den Zentralschweizer Stammlanden gibt es noch die typisch katholisch-konservative Wählerschaft. In der Stadt muss man anders an die Leute herantreten. Man muss mit Werten kommen und nicht mit katholischen Grundsätzen. In Appenzell als Beispiel ist die überwiegende Mehrheit CVP-Wähler. Das liegt dort fast schon in der DNA. Bei uns ist das anders. Entsprechend sind wir nicht immer ganz auf dem Kurs der Mutterpartei.

Diese ist allerdings ebenfalls an einem Kurswechsel. Der neue Präsident Gerhard Pfister vertritt einen klar bürgerlicheren Kurs als sein Vorgänger Christophe Darbellay, der für eine starke Mitte einstand. Welche Politik liegt Ihnen persönlich näher?

Ich würde mich als wirtschaftsliberal bezeichnen. Aber auch soziale Anliegen sind mir wichtig. Verstärkt einsetzen will ich mich beispielsweise für den Mittelstand. In letzter Zeit waren sämtliche Vorlagen für die untersten Einkommensklassen. Der Mittelstand dagegen wurde in den letzten Jahren nicht berücksichtigt. Basel-Stadt aber kann es sich gut leisten, die Steuern um ein Prozent zu senken und sich so auch im Wettbewerb mit den Nachbarkantonen besser zu positionieren.

Die Frage haben Sie damit aber nicht beantwortet: Tendieren Sie eher zu den Bürgerlichen oder mehr zur Mitte hin?

Ich bin ebenfalls für eine bürgerliche Zusammenarbeit. Gleichzeitig aber ist das soziale Gewissen in der CVP stark verankert. Da stimmen wir bei einem sozialen Geschäft dann eben auch mal mit der Linken. Darin unterscheidet sich die Basler CVP von der FDP und der LDP. Das ist die Politik der Mitte und die Stärke der CVP. Grundsätzlich aber finde ich, dass wir auch im Parlament eng mit den Bürgerlichen zusammenarbeiten müssen – inklusive den Grünliberalen. Wir müssen zusammenhalten, um eine Mehrheit erreichen zu können.

Bei den Regierungswahlen ist die CVP in Basel erstmals gemeinsam mit FDP und SVP ins Feld gezogen. Dann wollen Sie diesen Kurs weiterverfolgen?

Man muss jede Koalition neu abwägen. Grundsätzlich aber sollten alle Parteien rechts der SP zusammenstehen, um bürgerliche Mehrheiten erreichen zu können. Das ist meine Meinung, nicht unbedingt jene der Partei. Bei uns wird jede Koalition erst von der Basis verabschiedet. Das ging auch vor den Regierungswahlen nicht ganz ohne Murren und Knurren über die Bühne. Dennoch muss man sich das überlegen, will man bürgerliche Mehrheiten erreichen.

Die CVP ist eine sehr heterogene Partei. Wie wollen Sie den sozialliberalen Flügel mit jenem der Konservativen unter einen Hut bringen?

Die Grundausrichtung ist bei allen dieselbe. Sonst ist jemand fehl am Platz. Es gibt aber immer wieder Themen, bei denen die Meinungen auseinandergehen – etwa im Verkehrsbereich. Hier Einigkeit zu erreichen, ist oft relativ schwierig. Es sollen aber alle Lager Platz haben in der Partei. Ich möchte alle einbinden und allen eine Stimme geben. Ich will niemanden mundtot machen. Die CVP steht auch für das.

Kritiker nennen das Opportunismus.

Wir stimmen mal mit links, mal mit rechts. Zugegeben: Für den Wähler ist nicht immer gleich einfach zu erkennen, wie die CVP positioniert ist. Für mich hat das aber nichts mit Opportunismus zu tun. Bei uns haben viele Meinungen Platz. Das ist nicht immer zur Freude aller – gerade, weil die CVP oft das Zünglein an der Waage spielt. Das kann ich nachvollziehen. Deswegen aber sind wir doch kein Fähnlein im Wind. Wenn wir ein Anliegen vertreten, haben wir das intern umfassend diskutiert. Zudem ist es normal, dass sich auch die einzelnen bürgerlichen Parteien in ihren Positionen unterscheiden. Ansonsten könnten wir gleich fusionieren.