Der Eingang der Freien Strasse 107 geht mit seinem Pflanzenschmuck glatt als Blumenladen durch. Doch hier geht es zur Bank, zur Bank Julius Bär aus Zürich, die hier vor 15 Jahren in Basel eine Niederlassung gründete.

Das Haus, gebaut vom Architekten La Roche, der auch das de Wette-Schulhaus vis-à-vis vom Bahnhof SBB gebaut hatte, strahlt eine bodenständige Würde aus. Die verwendeten Materialien sind gediegen und kostbar, aber es ist weit weg von einer Show-off-Mentalität. Ins Auge springt im Eingang der diagonal angelegte schwarz-weisse Marmorboden. Sonst herrschen die Farben beige, écru und braun vor.

Schon zuvor ein Bankhaus

Das Haus hat eine lange Geschichte und ihre Nutzer und Bewohner hatten immer mit Geld zu tun. Errichtet wurde der Bau 1902 als Hauptsitz für die Bank Sarasin und hiess «Zum Eichbaum». Später zog die Bank Ehinger ein. 2006 wurde die zur UBS (vormals SBV) gehörende Ehinger an Julius Bär verkauft – und so kamen die Zürcher an den Basler Top-Standort.

Einen Schalter sucht man in diesem Haus vergebens. Julius Bär ist eine Privatbank für Vermögende, die nicht einfach zur Bank kommen und Geld abheben oder bringen. Beratung steht im Zentrum, und das kann sehr weit gehen. Basel und die Region hat viele Wohlhabende, zu einem guten Teil handelt es sich um «altes Geld», sprich: Familienvermögen, die schon seit langem hier angelegt sind, konservativ, unaufgeregt und natürlich diskret. Die neuere Kundschaft kommt, unschwer zu erraten, aus dem Bereich der Führungskräfte aus der Pharmaindustrie. «Wir wollen aber keine Vermögens-Minimalgrenze setzen», sagt Claude Scharowski, Leiter Region Basel der Bank Julius Bär.

Umfassende Beratung

Wie muss man sich das vorstellen, eine Bank, die das Vermögen, beispielsweise einer reichen Familie, verwaltet? «Es geht um eine sehr umfassende Beratung und nicht nur um das simple Geldanlegen», sagt Scharowski. Möglicherweise geht es um Fragen zum Erbe oder Testament, um Steuern. Oder ganz einfach: Was braucht der Kunde? Manchmal sind es auch Kontakte zu Notaren, die Kundenbetreuer knüpfen. Dementsprechend ist das Geschäft personalintensiv und teilweise sehr persönlich.

Ziel sei vor allem, Vermögen zu erhalten. «Wir sind konservativ.» Aber sie hätten auch Kunden «mit etwas sportlicheren Ideen. Das geht, aber dann machen wir sie auf die Risiken aufmerksam.» In der Regel würden mit den Kunden Zielvereinbarungen abgeschlossen.

Unversteuerte Gelder aus dem Ausland sind heute für Schweizer Banken kein Thema mehr. Die Bank Julius Bär hat sich bereits 2013 mit den deutschen Steuerbehörden auf eine Bussenzahlung von
50 Millionen Euro geeinigt. «Es hat zu einem Paradigmenwechsel geführt. Kunden, die Steuern hinterzogen haben, haben ihre Situation in der Zwischenzeit bereinigt und teilweise sogar ausgebaut.

Schwarzgeld: «Nulltoleranz»

«Heute gilt bei uns Nulltoleranz», sagt Scharowski. «Gerade heute können wir unsere Kompetenz zeigen. Qualität ist gefragt. Im Vergleich zum Ausland sind wir sehr konkurrenzfähig.» Deshalb sei beispielsweise Deutschland noch immer ein sehr wichtiger Markt.

Dank diesen Vermögenden ist der Finanzplatz Basel nach wie vor attraktiv. «Wir wissen, dass wir hier das stärkste Wirtschaftswachstum der Schweiz haben, das strahlt auf den Finanzplatz durch», sagt Scharowski. Die Konkurrenz sei durchaus da, aber man gehe «anständig miteinander um.» Zusammenarbeit gebe es im Bereich der Ausbildung, und zwei bis drei Mal pro Jahr halten die Basler Banken ein gemeinsames «Panelgespräch» zu aktuellen Themen durch.

«Zürich hat eine Sogwirkung»

Andererseits sei der Bankenplatz Basel geografisch begrenzt und vielleicht etwas eng, stellt Scharowski fest. Zürich hat eine gewisse Sogwirkung, das stelle man auch auf dem Arbeitsmarkt fest.

Einen Hinweis auf die Grösse des Bankenplatzes Basel findet sich auf der Website der Basler Bankenvereinigung, der
29 Banken angehören. Die Branche beschäftigt in der Region Basel gegen 7000 Mitarbeitende.