Sommer 2010. Die Basler Kantonalbank (BKB) steht unter Druck. Sie steuert auf einen Rechtsstreit mit den USA zu. Wie dieser ausgeht, ist völlig unklar. In dieser angespannten Phase bekommt der Bankrat – das politisch zusammengestellte Gremium, das die Staatsbank überwacht – die ausführlichen Protokolle der Geschäftsleitung nicht zu sehen. Bankratspräsident Andreas Albrecht hält sie zurück. Damit verstösst er gegen das Geschäftsreglement.

Albrecht hat vor Weihnachten sein Amt als Bankratspräsident abgegeben. Letzte Woche hat der Grosse Rat seinen Nachfolger gewählt: Andreas Sturm. Dieser bestätigte am Donnerstag die Kenntnisse der bz: «Nur der Präsident des Bankrats erhielt die ganzen Protokolle.»

«Gegen einschlägige Reglemente»

Die Sache lief etwa acht Monate lang. Im Frühjahr 2011 flog sie auf. Laut Sturm – der damals schon im Bankrat sass – hat die Angelegenheit für «Aufregung» im Bankrat gesorgt. «Der damalige Bankpräsident wurde sich erst nachträglich bewusst, dass diese Praxis den einschlägigen Regelungen widersprach», erinnert sich Sturm.

Keine Folgen für Albrecht

Das Ganze musste untersucht werden. Übernommen hat die Aufgabe ein weiterer Bankrat: Anwalt Jan Goepfert. «Es wurde festgestellt, dass dem Bankrat nie wesentliche Informationen gefehlt hatten und dass auch keine Absicht bestand, dem Bankrat Informationen vorzuenthalten», erklärt Sturm. Albrecht habe sämtliche wichtigen Vorgänge in der Bank in die Sitzungen des Bankrats eingebracht.

Folgen hatte die Angelegenheit für Albrecht darum keine. «Nachdem der Präsident die Unzulänglichkeit erkannt hatte, informierte er umgehend alle Bankratsmitglieder und entschuldigte sich für den Fehler.» Die Protokolle liess er den Bankräten ebenfalls zukommen.

1100 Franken Lohn für Goepfert

Doch warum hat ausgerechnet Jan Goepfert die Angelegenheit untersucht? Dieser war immerhin Kollege von Albrecht. Laut Sturm hatte dies einen einfachen Grund: Er war der einzige Jurist im sogenannten Audit Committee – dem Prüfungsausschuss, welcher der Sache auf den Grund gehen sollte. Als vor Weihnachten die BKB eine Liste veröffentlichte, welche offenlegte, wie viele Bankräte Aufträge für ihre eigene Bank erledigt hatten, stand auch der Name Goepfert drauf. Er erhielt 1100 Franken für eine juristische Abklärung.

Nun stellt sich heraus: genau für diesen Auftrag. Sturm nimmt Goepfert in Schutz. Dieser habe eigentlich kein Geld gewollt, doch weil das Aufarbeiten von Albrechts Vergehen ihm eine Woche Arbeit beschert hatte, bestand das Audit Committee auf der Entlöhnung.

Sturm betont, dass Goepfert keineswegs ein «Gefälligkeitsgutachten» zugunsten seines Bankratskollegen Albrecht erstellt habe. Sein Bericht sei seriös und umfassend gewesen.

Einen Schlussstrich gezogen

Im Sommer 2011 hat man bei der BKB einen Schlussstrich unter die Angelegenheit gezogen. Es sei zu jeder Zeit sichergestellt gewesen, dass die Mitglieder des Bankrats über sämtliche relevanten Diskussionen und Entscheide informiert waren. Es sei nicht darum gegangen, etwas zu verheimlichen oder zu vertuschen. «Der Bankrat betrachtete diese Angelegenheit als erledigt», sagt Sturm heute. Für die Zukunft verspricht der neue Bankratspräsident, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht wieder vorkommen kann.