Strafgericht

Bankraub aus Spass endet mit milder Strafe

Der Mann betrat die Kantonalbank bei der Schifflände und fragte am Schalter, ob er 10'000 Franken für hilfsbedürftige Menschen erhalten könne. (Symbolbild)

Der Mann betrat die Kantonalbank bei der Schifflände und fragte am Schalter, ob er 10'000 Franken für hilfsbedürftige Menschen erhalten könne. (Symbolbild)

Ein 36-jähriger Mann versuchte im November 2013 einen nicht ganz ernst gemeinten Raub in der Basler Kantonalbank. Der Walliser kam mit einer bedingten Geldstrafe davon.

«Ich wollte kein Geld. Ich wollte provozieren», sagte der 36-jährige Walliser mit grünen Finken und Rauschebart am Donnerstag vor dem Basler Strafgericht. Gelungen ist ihm dies zweifellos, und er kam noch einmal mit einem blauen Auge davon: Ein Banküberfall aus Jux endete mit einer bedingten Geldstrafe.

Der Mann betrat im November 2013 die Kantonalbank bei der Schifflände und fragte am Schalter, ob er 10'000 Franken für hilfsbedürftige Menschen erhalten könne. «Zuerst hat die Angestellte ungläubig geguckt, dann kam auch noch der Bankdirektor», schilderte er am Donnerstag im Gericht. Nach langen Diskussionen mit mehreren Bankangestellten verliess er wieder die Schalterhalle, sagte allerdings vorher, er müsse dann wohl eine Waffe holen.

Kurz darauf kam er wieder zurück, eine Hand in der Innenbrusttasche seiner Jacke versteckt und mit einem Zettel in der anderen Hand: «Dies ist (k)ein Banküberfall», stand darauf, er wolle 10'000 Franken, bitte keine Polizei und bloss keine Eile.

Die Angestellten reagierten verängstigt und irritiert, konnten den Mann aber schliesslich wieder abwimmeln. «Er hatte eine sehr schöne Schrift. Da hat er sich wirklich Mühe gegeben», gab die Bankangestellte später zu Protokoll. Die Polizei nahm in kurz darauf fest. Auf den Zettel hatte er allerdings auch eine Waffe gemalt.

Bekifft und krank

Eine Gutachterin der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) diagnostizierte ein Hypomanisches Syndrom, eine Cannabisintoxikation und möglicherweise eine bipolare Störung.

In Haft benahm er sich wieder normal, wurde Ende November auf freien Fuss gesetzt, bis er im Januar zwei Polizisten in Chur die primitivsten Beleidigungen an den Kopf warf. Nach einer Leibesvisitation auf dem Polizeiposten warf er eine Socke nach einem Polizisten. Ironischerweise hatte er zuvor die Polizei angerufen, weil er angeblich bedroht worden war.

Die UPK machte Meldung an die Behörden, und so kam er wieder in Haft. Seit einigen Tagen ist er wieder auf freiem Fuss.

Spendensammlung oder Raub

Staatsanwältin Simone Lustenberger stützte sich auf das Gutachten und sah eine erhebliche Verminderung der Steuerungsfähigkeit, dennoch sei der Mann wegen eines versuchten Raubes zu acht Monaten auf Bewährung zu verurteilen. «Mein Mandant ist unmaskiert ohne Waffe in die Bank und hat nach einer Spende verlangt. Die Basler Kantonalbank wird dauernd um Spenden gebeten», argumentierte der Verteidiger, es handle sich hier um keinen Raubversuch. Einzelrichter René Ernst sah allerdings einen versuchten Raub als gegeben und verurteilte den Mann auch wegen anderer Delikte, so hatte er auch mehrere Frauen massiv beleidigt und sexuell belästigt.

Am Ende auf Bewährung

Allerdings beliess er es bei einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen sowie einer Busse von 600 Franken. Das psychiatrische Gutachten sei widersprüchlich, daher verhängte das Gericht keine Pflicht zum Besuch einer Therapie.

Der 36-Jährige hatte sich bei der Bank hinterher mit einem Schokoladenkuchen entschuldigt, ausserdem will er sich künftig um seine in Entstehung begriffene Familie kümmern: Seine Freundin ist schwanger, im Dezember wird der Mann wohl Vater. Sein Führerschein ist noch entzogen, weshalb er derzeit nicht als Chauffeur arbeiten kann. Das Urteil kann er noch weiterziehen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1